What to do and where to go

Gestern hat uns mein Schwiegervater eine Nachricht geschickt und gesagt: „Wir sehen uns nächsten Monat!“ Da kam ich kurz ins Stocken. Nächsten Monat verreisen wir schon!! Ganz bald geht’s los. Ok ok, jetzt ist Anfang Oktober und wir starten Ende November, aber es liegt definitiv kein Monat mehr zwischen jetzt und unserem Abflug. Nächsten Monat geht’s los. Das musste ich mir noch eine Weile durch den Kopf gehen lassen und habe es bis jetzt noch nicht realisiert. Ich finde es immer wieder unglaublich, wie schnell dieses Jahr bisher vergangen ist. Im März haben wir angefangen diesen Trip zu planen. Seitdem freut sich die ganze chilenische Familie, dass wir kommen. Und nun fehlt nicht mehr viel und wir werden dort sein. Auf der anderen Seite des Atlantiks. Am Pazifik. Im Sommer. Uns bleiben also noch 8 Wochen, um Strumpfhosen und feste Schuhe anzuziehen. 8 Wochen, in denen wir das Gefühl bekommen, dass hier kein Sommer mehr ist. Ich genieße den Herbst im Moment sehr und merke, wie ich es brauche Tee zu kochen, zu stricken und mit der Decke auf dem Sofa eingekuschelt zu sitzen. Ich könnte jetzt nicht gleich mit dem Sommer fortfahren. Diese Pause tut mir gerade richtig gut. Und bevor es zu eklig und kalt wird, packen wir unsere Rucksäcke mit Badesachen und Sandalen und fliegen in unseren zweiten Hochsommer.

In einem vorherigen Beitrag habe ich bereits davon gesprochen, wie wir uns Stück für Stück auf diese Zeit vorbereiten und was uns dabei wichtig ist zu beachten. Jetzt ist wieder etwas mehr Zeit vergangen und die Pläne nehmen Form an. In allererster Linie hilft mir in so vielen Situationen eine gute Übersicht. Immer wieder fallen uns beiden Dinge ein, die wir bis dahin noch machen müssen. Dinge, die wir nicht vergessen dürfen. Kleinigkeiten, die wir auf dem Schirm behalten müssen, um gut vorbereitet und mit ruhigem Gewissen abreisen zu können. Um den Überblick nicht zu verlieren, fertigen wir in solchen Situationen To-Do-Listen an. Letzte Woche kamen wir auf diese Idee. Jedoch waren wir zu faul, um uns vom Sofa zu erheben. Demnach wollten wir es auf’s Wochenende verschieben. Realistisch betrachtet war uns jedoch klar, dass wir dieses Vorhaben bis dahin wieder vergessen würden. Aufgrund einiger schlafloser Nächte in letzter Zeit ist unsere Aufmerksamkeitsspanne eindeutig verkürzt. Bevor wir also eine To-Do-Liste schreiben, auf der einzig und allein steht, dass wir am Wochenende eine To-Do-Liste schreiben müssen, fassten wir kurzerhand wichtige Stichpunkte auf Papier zusammen und klebten diesen Zettel an den Wandkalender. So ein Vorgehen ermöglicht uns stückweises Abarbeiten und Abstreichen bereits erledigter Punkte. Ebenso können über die Zeit hinweg noch weitere Aufgaben hinzukommen. Für uns hat sich diese Methode bewehrt: wir haben unsere Hochzeitsplanung genauso in Angriff genommen und auch die letzten Schritte vor dem Umzug auf diese Art und Weise getacktet. In beiden Fällen ist uns nichts durch die Lappen gegangen, demnach werden wir wohl immer wieder darauf zurückgreifen!

Wie ich nun also in der Küche stehe und mein Blick auf den Wandkalender gehaftet ist, rutsche ich weg von der To-Do-Liste und überfliege die kommenden 8 Wochen, die bis zum Abflug an uns vorbeirauschen. Während der Oktober nur leicht gefüllt ist mit ein zwei Terminen hier und da, reiht sich im November ein Eintrag an den anderen:

Unbenannt 3

„Alles nichts Weltbewegendes“, sagt Ihr! „Besuch hier, Babyschwimmen da. Mal ein Markt, noch schnell zum Arzt und ab ins Flugzeug!“ Ihr habt ja Recht. Und doch sollte nichts davon hinten runter rutschen. Denn nebenbei ist es wichtig für ausreichend Produkte zu sorgen, die im online-Shop der Firma meines Mannes während unserer Abwesenheit verkauft werden können. Bis Weihnachten ist schließlich nicht mehr viel Zeit. Sonst ist er mit „Wild Pudu“ regelmäßig auf Märkten vertreten und nutzt folglich die hohe Kaufkraft der Menschen. In diesem Jahr ist er gezwungen, sich auf das digitale Zeitalter und die Lust der Bevölkerung, Geschenke online zu ordern, zu verlassen. Mit Hilfe eines Freundes werden diese zum Käufer geschickt. Und obwohl ihm das etwas mehr Stress bereitet, so nimmt er diesen Preis gern in Kauf. Denn die Aussicht auf einen Sommer in Chile und viel Zeit mit seiner Familie, rechtfertigt alle Abwesenheit.

Sobald wir also unsere Freundin wieder verabschiedet, Babyschwimmen abgeschlossen und den (einzigen) Weihnachtsbasar hinter uns gebracht haben, steigen wir in den Zug zum Flughafen und starten am 27.11.18 die große Reise: zweieinhalb Monate mit Baby in Chile.

Während wir in Santiago de Chile am 28.11.18 aus dem Flugzeug steigen und umgehend unsere Trekkingschuhe und Fließjacken gegen Sandalen und T-Shirts eintauschen, warten die Großeltern wie auf heißen Kohlen hinter der Absperrung. „Ein schöneres Geburtstagsgeschenk kann ich mir nicht vorstellen!“, sagte der Opa. Bereits jetzt sind die ersten 5 Wochen im Land ordentlich durchgetacktet. Opas Geburtstag hier, Tante Vales Geburtstag da. Einmal Feuerland und zurück. Theos erster Geburtstag, im Anschluss sofort Weihnachten und eine Hochzeit obendrauf, bis wir an Silvester das Jahr sonnig ausklingen lassen:

Dezember 2018

Mit dem Auto der Eltern möchten wir direkt in der ersten Woche nach unserer Ankunft in Rüchtung Süden fahren. Von Rengo aus startend kommen wir ein paar Stops später in Puerto Montt an und fliegen von dort aus nach Punta Arenas. Bereits Puerto Montt kennzeichnet den Beginn der chilenischen Seite Patagoniens, Punta Arenas als südlichste Stadt des Landes stellt quasi dessen Ende dar. Letztens lasen wir in einem Artikel, dass Punta Arenas genau genommen die Mitte des Landes darstellt. Weit bis in die Antarktis hinein reicht chilenisches Territorium, eine Reise dorthin ist jedoch eher schwierig.

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEinigen von Euch ist die Region Punta Arenas sicherlich eher bekannt durch den Nationalpark „Torres del Paine“. Ich war im Jahr 2013 dort, als ich in Chile lebte. Heute hat sich dessen Besuch deutlich verändert. Man muss sich vorher anmelden, sozusagen seinen Aufenthalt reservieren. Und für den Fall, dass bereits zu viele Leute angemeldet sind, kommt man nicht rein. Ein solcher Hype wird um die zwei „Torres“ (dts.: Türme) gemacht, sodass ich mir vorstellen kann, dass man heute weniger gemütlich dort wandern gehen kann, als ich es damals erlebt habe. Mein Mann ist sehr daran interessiert dort auch mal zu sein. Die Landschaft ist beeindruckend, keine Frage. Jedoch ist Theo eindeutig zu klein, um diese Tour dieses Jahr anzugehen. Das heben wir uns also für später auf.

Vom Flughafen Punta Arenas aus mieten wir uns also ein Auto und fahren etwa 8 Stunden bis nach Ushuaia, die argentinische Seite Feuerlands. Mit dem Blick auf Pinguine gerichtet möchten wir dort insbesondere eher in einer einfachen Unterkunft unsere Zeit verbringen und die Natur auf uns wirken lassen. Der Gedanke, mehrere 100 EUR zu bezahlen, um zwischen Pinguinen auf deren Inselplatz spazieren zu gehen, widerstrebt uns vollkommen. Das Karte 1Geschäft mit den Attraktionen geht über den Rücken der pinguine hinweg, die sich sicherlich nicht immer darüber freuen, so viele Touren ertragen zu müssen. Nicht umsonst siedeln sie sich an Orten an, die eher zurückgezogen und kalt sind. Zurück in Punta Arenas nutzen wir ein paar Tage, um am „Cruz de Froward“, dem Ende des amerikanischen Kontinents, zu wandern oder auf den Spuren der ersten spanischen Siedler, die im Puerto del Hambre (dts.: Hafen des Hungers) aufgrund der kargen Vegetation jämmerlich verhungerten, zu reisen. Alles in allem haben wir ein Grundgerüst an Attraktionen geschaffen und die Unterkünfte gebucht. Was sich am Ende aus all dem entwickelt bleibt jedoch offen. Mit Blick auf das jüngste Mitglied unserer Familie kann ich sagen, dass er äußerst robust ist, sich an all unseren Aktivitäten erfreut und  viel mitmacht. Es ist jedoch schwierig zu prognostizieren, was in zwei Monaten ist. Vielleicht setzt ihm der Flug oder Klimawechsel. Vielleicht überfordern ihn die vielen vermeintlich fremden Menschen, die andere Sprache oder das Reisen an sich. Dann heißt es einen Gang zurück zu schrauben und den Plan abzuändern. Aber auch darauf sind wir vorbereitet und freuen uns auf das, was kommt.

Just change it

Heutzutage ist der Gebrauch von Plastik zunehmend ein ernstes Thema. Angefangen mit den Unmengen an Verpackungsmüll im Supermarkt, über Strohhalme bis hin zu etlichen Einwegartikeln, die unbedacht gekauft und schnell nach ein paar Mal gebrauchen ersetzt werden. Keinerlei Wert steckt mehr hinter den Dingen, die unseren Alltag begleiten. Wir leben im Überfluss und nehmen die Massen an Produkten ganz selbstverständlich hin, ohne si ezu hinterfragen. Uns fällt nicht mal auf, wenn etwas fehlt.

Nehmen wir einmal diesen super heißen Sommer als Beispiel: die Bauern hatten Sorge, da es einfach viel zu trocken war. Viele Lebensmittel sind eingegangen, da nicht genügend Wasser zur Verfügung stand. Ich erinnere mich zum Beispiel an einen Strauch Brombeeren hir in der Nähe unserer Wohnung: die Früchte hatten so eine tolle, dunkle Farbe, waren jedoch klitzeklein. Sofern nun der Bauer Brombeeren anbaut und für seinen Lebensunterhalt an Märkte verkauft, hat er in diesem Jahr womöglich mächtig Probleme gehabt. Unmengen an Wasser mussten rangeschafft werden, um die Ernte zu gewährleisten. Zieht er dann die Kosten für den Verbrauch des Wassers vom Gewinn ab, so bleibt nicht mehr viel übrig. Es war so heiß dieses Jahr, dass zB. hier in Leipzig Bürger*innen gebeten wurden , die Bäume in ihrem Umfed zu gießen. So prekär wurde die Lage eingeschätzt. Und was konnte man in den Supermärkten feststellen? Manche saisonale und eigentlich regionale Produkte kamen von weiter her, da es nicht ausreichend Ware aus Deutschland gab. Doch wen stört das? Eigentlich niemanden. Unsere vernetzte Welt brngt mit sich, dass wir immer alles haben oder besorgen können. So gibt es Tomaten im Dezember, egal ob sie schmecken oder nicht. Auf Instagram posten Erwachsene im März Bilder von der Brotbüchse ihrer Kinder, randvoll mit Erdbeeren. „Wir legen Wert auf gesunde Ernährung!“, steht stolz unten drunter. Ist das gesund? Erdbeeren, die weder rot sind, noch nach Erdbeeren schmecken? Welches Verständnis haben wir heutzutage von gesunder Ernährung?

Ich bin mittlerweile an einem Punkt angekommen, an dem ich das nicht mehr nachvollziehen kann. Wie konnte es soweit kommen, dass wir so wenig Wert auf saisonales und regionales Obst und Gemüse legen? Wir sind doch nun wirklich keine Nachkriegsgeneration mehr, die sich darüber freut, endlich keine Gräupchensuppe mehr essen zu müssen. Sitzt diese Zeit noch so tief in den Gliedern unserer Vorfahren, dass wir als Nachfolgende verlernt haben, es anders zu machen? Ich denke es ist an der Zeit umzudenken. Es ist an der Zeit dem früheren Trott entgegen zu treten und einen anderen Weg einzuschlagen.

Als ich 2012 nach Chile gegangen bin, habe ich zum ersten Mal in meinem Leben Bekanntschaft mit saisonaler Küche gemacht. Ich war damals bereits Mitte zwanzig. Ich habe die ganze Zeit zuvor niemals darüber nachgedacht, dass es für jedes Obst und Gemüse eine bestimmte Erntezeit gibt. Für mich war es selbstverständlich, dass es immer Tomaten gab. Dass ich im Frühjahr Erdbeeren kaufen kann und dass alles in Plastik eingeschweißt ist. Wenn ich mir dies heute durch den Kopf gehen lasse, ist mir das sehr unangenehm und unbegreiflich noch dazu. Ich habe kopflos konsumiert, egal was. Ich war oft shoppen, habe immer gegessen worauf ich eben gerade Lust hatte und kaufte im Überfluss. Erst durch die Erfahrung, dass ich in Chile im Mai auf und nieder springen konnte, es trotzdem keinen Mais gab, hat sich für mich etwas verändert. Gleichzeitig habe ich gelernt, wie Lebensmittel schmecken können. Eins ist klar: während deutsche Tomaten auch im August nicht mit den chilenischen vergleichbar sind, weiß ich jedoch, dass ich im Dezember einfach nur mein Geld zum Fenster rauswerfe, kaufe ich Tomaten. Der Geschmack ist dermaßen weit weg von dem einer sonnengereiften Tomate, dass es einem Verbrechen gleicht, diese so zu nennen. Und doch werden 365 Tage im Jahr Tomaten angeboten und gekauft. Wieso haben wir Deutschen so wenig Interesse daran, wie die Dinge schmecken, die wir kaufen? Ist es wirklich wichtiger für uns, überhaupt konsumieren zu können, sodass wir das immer und überall ausleben müssen? Ich habe auf all diese Fragen kaum Antworten, freue mich jedoch, dass es mehr und mehr Menschen meiner Generation gibt, die etwas bewusster leben und dieses Denken an ihre Kinder weitergeben möchten.

Weiterhin habe ich nach meinem Aufenthalt im Ausland angefangen, Dinge selbst zu machen. So zum Beispiel stelle ich seit 2 Jahren unsere Zahnpasta er. Was unsere Zahnärztin dazu sagt? „Kann ich das Rezept bekommen?“, war die letzte Aussage von ihr, kurz bevor wir die Praxis dieses Jahr verließen. Für mich war diese Umstellung auf unsere Zahnpflege anfangs gewöhnungsbedürftig. Die Industrie mischt ätherische Öle für vermeintlich frischen Atem in die Zahnpasta rein, sodass ich mich erst einmal daran gewöhnen musste, nicht den gleichen Effekt zu erzielen. Und doch ist mit Hilfe von Pfefferminzöl ein ähnliches Ergebnis möglich. Als erstes haben wir eine Zahnpasta aus Kurkuma benutzt. Dabei ist mir klar geworden, dass ich eine sehr sprizige Putzerin bin und mich im Anschluss an die Zahnhygiene stets umziehen musste. Hinzu kommt, dass Kurkuma ein ziemlich aggressives Gewürz ist, welches fiese Flecken hinterlässt. Jetzt greifen wir ausschließlich auf Natron und Kokosöl zurück und sind damit sehr zufrieden. Mein Mann hat seit Jahren das erste Mal keine Karies mehr und mein Zahnfleisch bildet sich nicht weiter zurück. Und da unsere Zahnärztin ebenso überzeugt ist, bleiben wir dabei. Unklar ist für uns nur noch, was wir mit Theo machen. Noch lassen seine ersten Zähnchen auf sich warten, aber irgendwann wird er Zahnpasta benutzen müssen und da stellt sich die Frage, ob wir ihm dann welche kaufen sollten, obwohl wir doch bewusst darauf verzichten…

Den gleichen Ansatz verfolgen wir mit dem Weglassen herkömmlicher Shampoos. Wir waschen die Haare nur noch mit Natron, Apfelessig und Wasser. Insbesondere zu Beginn war es erstaunlich mit anzusehen, wie sich das Haar verändert. Die Jahre der Pflege mit industriellen Produkten haben ihre Spuren hinterlassen und während wir noch im Übergangsprozess sind, benutzen wir bei unserem Sohn nun bewusst kein Shampoo. Wozu bei ihm damit anfangen, wenn wir ihm hier von Anfang an zeigen können, dass es ohne ebenso geht?

Es gibt so viele Bereiche im täglichen Leben, in denen man eine Veränderung einfach bewirken kann. Für mich ist dabei immer wichtig, dass ich es einfach umsetzen kann. Was habe ich davon, wenn ich mich anstrengen muss, um etwas anders zu machen? Die Wahrscheinlichkeit, dass ich dabei bleibe, ist doch höher, sofern ich es einfach übernehmen kann. Manche Dinge sind wirklich einfach in den Alltag integrierbar und erzielen damit den Effekt, den ich mir wünsche: sie werden Alltag! Heute habe ich zum ersten Mal eigene Küchenschwämme genäht. Wir haben so viele alte Handtücher, die im Schrank rumliegen und niemals genutzt werden. Nun habe ich sie verarbeitet und bin gespannt, ob wir folglich die Einwegschwämme von der Einkaufsliste streichen können. Auch haben wir nun doch noch auf Stoffwindeln umgestellt und ich freue mich, über jede einzelne, die ich davon benutze. Denn somit verbrauche ich eine Wegwerfwindel weniger. Bisher greife ich noch nachts und zu den Mahlzeiten auf die industriellen Produkte zurück, da ich somit sicher sein kann, dass sie nicht auslaufen. Aber ich kann mir vorstellen, dass sich das mit der Zeit auch ändern könnte.

Jeder von uns hat ausreichend Kapazitäten in seinem Alltag, um etwas anders zu machen. Die einen mehr, die anderen weniger. Und wie ich mich so Stück für Stück vorantaste auf neuen Wegen, wünsche ich Dir, dass Du es ebenso versuchst. Gern tausche ich mich mit Dir aus und bin gespannt, welche Bereiche bei Dir bereits eine Reformation erfahren haben.

Angekommen im jetzt

Ich bin bei Instagram über den Hashtag #mamasberatenmamas gestolpert und habe mich daran beteiligt. Ich habe darüber nachgedacht was ich mir raten würde, wäre ich jetzt mit meinem ersten Kind schwanger? So fing ich nochmal an, mich in die erste Zeit reinzudenken. In die Zeit, die so unwirklich begann. So schnell, wie Theo auf die Welt kam, so schnell war er auch wieder weg. Uns kurz auf den Bauch gelegt und sogleich abtransportiert; ins andere Krankenhaus; in einen Kasten, der ihn wärmt. Und wir blieben zurück. Nach etwas so Unfassbarem lagen wir allin gelassen im Kreißsaal und schwiegen uns die meiste Zeit an. Uns fehlten einfach die Worte für das, was plötzlich über uns hereinbrach. 6 Wochen zu früh, bewaffnet mit lediglich einer Flasche Wasser betraten wir die Entbindungsstation, ohne zu wissen, dass wir kein zweites Mal wiederkommen. Uns blieb weniger als eine Stunde, bis wir allein gelassen zurück blieben. Das hätte uns Zeit gegeben, die Situation zu realisieren. Uns auszutauschen. Und doch waren wir zu nichts dergleichen im Stande. Wir waren fassungslos. Es hatte uns kalt erwischt und ein wenig benebelt.

Ich hatte mir vorgestellt, dass ich die Nabelschnur auspulsieren lassen möchte. Ich wollte die Geburt im Wasser testen. Ich dachte daran, dass hin- und herlaufen sicherlich helfen kann. Ich war offen für so viele Dinge. Ich wollte, dass mein Mann die Nabelschnur durchtrennt. Ich hatte Respekt vor der Geburt und dachte, mit meiner Hebamme und meinem Mann an der Seite werde ich es schaffen. Und wie ich nach der zweiten Presswehe in den Kreißsaal wackelte, lag ich bleischwer auf der Pritsche und dachte keinen Moment daran, mich von dort weg zu bewegen. Ganze 25 Minuten blieben mir in dem Raum, bis ich einen durchdringenden Schrei hörte. Mein Sohn war geboren und es ging ihm gut. Genau das ging mir durch den Kopf. Ich lehnte mich beruhigt zurück und bekam keine Chance, auch nur einen einzigen Blick auf dieses kleine Wunder zu werfen. Sofort nahmen sie ihn mit, besorgt um seinen Zustand. Es blieb keine Zeit für eine Vorabuntersuchung. Es blieb unklar, warum die Geburt begann. Angst durchschnitt die Stille im Raum. Sorge, dass etwas nicht stimmen könnte. Also sollte alles sehr schnell gehen. Sich treffende Blicke von Ärztin und Hebamme. Ein zustimmendes Nicken. Ein Schnitt. Ein schreiendes Kind. Ich fühlte mich im Anschluss topfit, stieg von der Pritsche und lief durch den Kreißsaal. Man merkte mir nicht an, was soeben passiert war. Auch Stunden später, als ich meinen Sohn zum ersten Mal auf der Neonatologie besuchte, war ich fit. Und so machte ich weiter – als wäre nichts passiert.

Kurz bekam ich Theo auf den Arm. Es reichte gerade so für ein Foto. Dann wurde er mitgenommen und wir zurück gelassen. Viele fremde Personen betraten den Kreißsaal und versicherten uns, dass es ihm sehr gut geht. Ich glaube, ich habe nicht einen einzigen Moment gedacht, dass es anders sein könnte. Und so schickten wir unseren Familien ein Foto mit dem Text „Wir haben einen Theo“. Mehr wussten wir nicht zu sagen. Das Foto wurde lang nicht gesendet und der Text verunsicherte lediglich. Was für ein doofer Scherz sollte das sein? Sagt man nicht normalerweise, wie schwer und groß ein Kind geboren wurde? Als das Bild im Anhang schlussendlich doch gesendet wurde, wurde aus dem vermeintlichen Scherz Ernst.

Nach 2 Wochen kam er nach Hause. Wir verbrachten die letzte Nacht des Jahres 2017 mir Freunden und nahmen am kommenden Morgen unseren Sohn in Empfang. Nervös und glücklich zugleich. Ich erinnere mich, dass die erste Nacht aufregend war. Unsere Wohnung war viel kälter als das Krankenhaus und das merkte man dem kleinen Mann an. Jedes räuspern und zucken verunsicherte uns. Wir schliefen sehr unruhig und wuchsen nur Stück für Stück in unsere neue Rolle rein. Wir unternahmen genau wie vorher Dinge. Wir waren zu Geburtstagen eingeladen und nahmen ihn mit. Wir spazierten und trafen uns mit Freunden. Bis sich in mir irgendwann das Gefühl einstellte, dass alles zu viel wird. Theo nahm nicht genug zu. Er trank nicht ausreichend. Spuckte viel. Ich hatte mit Milchstau zu kämpfen und wollte ihm irgendwann einfach kein Fläschchen mehr dazu geben, sondern voll stillen. Ohne direkte Aufklärung ließ ich die Falsche weg. Meine Hebamme führte mit mir nie ein tieferes Gespräch übers Stillen, sodass ich stets davon ausging, es wäre alles ok so. Somit fragte ich sie auch nicht weiter danach. Dabei war nichts ok. Im Krankenhaus bekam er alle 4 Stunden etwas zu essen. Ich hätte ihn öfter stillen müssen. Es ihm öfter anbieten sollen. Und doch hielt ich mich an den Rhythmus, den wir beide kannten. Jedoch bekam er von mir allein wesentlich weniger, als in Kombination mit einem Fläschchen dazu. Der Rat der Hebamme, die Stillzeit zu begrenzen, damit er weniger spuckte, machte das Drama komplett. Wenn ich heute darüber nachdenke, dass ich folglich meinem frühgeborenen Sohn alle 4 Stunden für jeweils 8 Minuten pro Seite die Brust gab, wundert mich nicht, warum er nicht zugenommen hat. Zu der Zeit wurde ich mehr und mehr verunischert. Ärzte begutachteten meinen Sohn, nahmen Begriffe wie „unterernährt“ in den Mund, berührten sanft unterstützend meinen Unterarm und sagten mir, ich hätte einen tollen Sohn, stellten mir jedoch gleichzeitig eine Überweisung fürs Krankenhaus aus. An dieser Stelle veränderte sich alles für mich. Ich zweifelte an mir und meinem Bauchgefühl. Habe ich übersehen, dass mein Kind krank ist? Tauge ich als Mutter nicht? Alles Trugschlüsse, die mir in der Ruhe im Krankenhaus bewusst wurden. Ich kannte meinen Sohn sehr wohl. Ich wusste, dass er nicht krank war und habe dann auch erkannt, dass ich mich intensiver mit dem Stillen beschäftigen, mir vielleicht sogar Hilfe holen muss. So kam ich in die Stillberatung, die mich engmaschig begleitete. Jede Woche ein fester Termin im Kalender, der mir Kraft gab und mich so viel lehrte. Dazu einmal einen Schritt zurück gehen. Intensives Kuscheln und einander kennenlernen. Sich Zeit nehmen füreinander. Entschleunigen. Auch wenn eine Geburt nicht bedeutet, dass sich plötzlich alles um das Kind drehen muss, so bedeutet sie auch nicht, dass es so weiter geht, wie zuvor. Wir beide wollten unser Leben leben wir vorher. Wollten reisen und essen gehen. Cafés besuchen und auf Festivals fahren. Und genau das machen wir auch. Mit Abstrichen. Unser Tagesrhythmus hat sich verändert. Unsere Prioritäten haben sich verschoben. Unsere Themen haben sich geändert und Reisepläne werden angepasst.

Heute, nach monatelanger Begleitung durch meine Stillberaterin, bin ich in all dem angekommen. Ich mag es nicht als Rolle bezeichnen, denn ich studiere nix dafür ein, spiele keinem etwas vor. Ich bin ich. Ich bin ruhiger, als jemals zuvor. Ich bin gelassener, als ich es von mir kenne. Ich bin pragmatisch und nehme die Tage so, wie sie kommen. Es gibt Momente, da fällt mir all das schwerer, als an anderen. Aber alles in allem bin ich erfreut, wie sicher wir beide als Eltern sind. Wir sind angekommen, als Familie. Wir erkunden die Welt, noch einmal auf eine andere Art und Weise, durch eine neue Brille und mit viel Neugierde. Mit einem strahlenden Sohn, der uns jeden Tag erfreut anlächelt und mit dem ganzen Körper zappelt, sobald wir gemeinsam zu neuen Abenteuern starten.

Raus aus Theos Komfortzone? Rein ins Abenteuer

Wie jedes Jahr seit geraumer Zeit ist das Auerworld Festival fester Bestandteil unserer Sommerplanung. Das kommt vor allem daher, dass ich als Teil des Auerworld Festival e.V. aktiv an der Planung des Festivals mitwirke. Die letzten zwei Sommer habe ich mich allerdings von dieser Planung zurück gezogen. Nach einer anstrengenden Vorbereitungsphase in 2016 und anschließender Absage des Festivals – aufgrund von starken Unwettern – direkt vor dem Start der Veranstaltung, brauchte ich 2017 einfach mal eine Pause. Ich habe an diesem Wochenende die Zeit als Gast auf dem Gelände sehr genossen. Viele Jahre bin ich einfach nur mit meiner Funke über den Platz gepest, habe von meinen Freund_innen wenig mitbekommen und war weder bei ihn so richtig, noch mit dem Team vereint. Als Organisator_innen hatten wir währenddessen so viel Arbeit, dass wir das Fest an sich erst Sonntagsabend feiern konnten. Wir haben irgendwann diesen Abend speziell als unsere Feier deklariert. Um runterzukommen. Um uns zu feiern. Um das Gelände zu genießen, denn der Ort ist einfach magisch und wunderschön. img_20180727_145606_0061916205194.jpg

Im Sommer 2017 war ich bereits schwanger und mich quälten kleinere Wehehchen während des Festivalwochenendes, sodass ich mich bei Bedarf einfach in den Bus zum Schlafen oder Ausspannen zurückziehen konnte. Ich hatte kein Funkgerät zu bedienen, keine Presseleute zu begrüßen oder Helfer_innen in ihre Schichten einzuteilen. Ich war einfach dort und lebte den Tag so vor mich hin. Ich war niemandem Rechenschaft schuldig, ließ nur Sergio wissen, dass es mir gut ging. Diesen Zustand habe ich genossen. Sehr sogar. Dieses Jahr schließlich habe ich mich aufgrund der Anwesenheit von Theo ganz bewusst erneut aus der Planung raus gezogen. Zu klein erscheint mir unser Wurm, als dass ich hätte irgendwelche Aufgaben übernehmen können oder wollen. Ich wollte mich ganz darauf konzentrieren dort zu sein und Theo alles zu zeigen. Sergio hingegen hat einen Stand gemietet und seine Holzdesigns verkauft.

Wir haben uns vorher eher wenig Gedanken gemacht, ob wir hinfahren oder nicht. Klar war, dass wir Theo mitnehmen möchten und diesen Teil unseres Lebens nicht missen wollen. Egal ob mit Kind oder ohne, es gehört für uns dazu. Bei einem Freund haben wir ganz stark bemerkt, dass er uns skeptisch betrachtete, als wir meinten, dass wir zu einem Festivaal fahren. Uns war jedoch von Anfang an klar, dass Skeptiker unseres Planes das FEstival einfach nicht kennen. Denn wenn man mit Kindern – egal wie alt – zu einem Festival fahren kann, dann ist es das Auerworld Festival.  Es ist seit Jahren wohl eines der familienfreundlichsten und -reichsten Festivals, die man sich vorstellen kann. Und ich muss sagen, dass mir genau das in diesem Jahr noch einmal besonders aufgefallen ist. Das kann ich nun nicht mehr beurteilen. Dem Orga-Team ist in jedem Fall hoch anzurechnen, dass sie auf die vielen großen und kleinen Kinder eingestellt waren und folglich etliche Angebote bereit hielten. Es gab Bastel-Workshops, bei denen die Kinder sich kreativ betätigen konnten. Sie besorgten zwei große Heuballen, die die Grundlage des Spielplatzes zum Austoben darstellten. Man baute eine Wasserrutschbahn für die Kinder auf, damit sie sich ordentlich bespritzen konnten. Wie jedes Jahr gab es das Hörspielzelt, in dem sowohl Erwachsene als auch Kinder auf diversen Teppichen unter einem großen Tarp Hörspielen lauschen konnten. Einschlafen war hierbei erlaubt, relaxen ebenso. Es ergab sich automatisch eine Ruhezone, selbst wenn kein Hörspiel lief. Zu gemütlich und einladend war der Ort für jung und alt, als dass sie diese Oase hätten durch lautes Gerede stören wollen. Noch konnte ich wenig Angebote mit Theo genießen und doch hattenwir ein rundum schönes Wochenende. Was uns wichtig war und worauf wir geachtet haben, daran möchte ich Euch hier gern teilhaben lassen.

Da  der kleine Mann bereits 7 Monate alt war, als wir zum Festival fuhren, wussten wir bereits, welche Ruhezeiten für ihn wichtig sind, um den Tag positiv zu erleben. Diese Ruhezeiten waren für uns wichtig auch dort vor Ort einzuhalten. Es ist so, dass er meist so gegen 7 Uhr aufwacht und etwa 9 Uhr noch einmal schlafen will. Momentan sogar 1,5 Stunden, das muss aber nicht sein. Gegen 11:30 Uhr bekommt er sein Mittagessen und img_20180727_135306544841440.jpgschläft danach nochmal. Je nachdem wie lang dieser Schlaf ist, benötigt er noch einmal eine Zeit Ruhe am Nachmittag. Gibt es da keine Ruhepause, so ist er 18:00 Uhr fix und fertig und bereit für den Nachtschlaf. Bei dieser endgültigen Schlafenszeit war mir wichtig, dass ich diese irgendwie anders gestalten wollte. Ich wollte nicht bereits zu der Zeit auf dem Zeltplatz verbringen und somit schon separiert von allen anderen bis zum nächsten Morgen ausharren. Abgesehen davon war es auf der Zeltwiese an diesem Wochenende so heiß, dass man sich erst viel später dort gemütlich aufhalten konnte. Für den Nachtschlaf haben wir entschieden, dass ich mit Theo im Bus schlafe, Sergio hingegen im Zelt. Zu dritt hätten wir im Auto keinen Platz gehabt. Da wir wissen, dass es nachts auf dem Gelände sehr kalt werden kann, wollten wir Theo nicht im Zelt schlafen lassen. Außerdem hört man nachts ab und zu noch laute Musik vom Festival, wobei ich normalerweise Oropax benötige. Seitdem Theo da ist kann ich die nicht mehr nutzen. Sofern er wach ist, sollte ich das ja hören können. Wir haben uns also auf Bus und Zelt verteilt und tagsüber Theo auf einer Decke an Sergios Stand zum Schlafen gelegt. So war der Plan und das hat gut funktioniert. Da ich keinen Kinderwagen mitnehmen wollte, hatten wir die Trage für Theo dabei, um ihn abends schlafend noch mitzunehmen. Mit kam der Gedanke, mit dem Kinderwagen über das Gelände zu fahren, sehr albern vor. Ich dachte, man erklärt mich für verrückt, wenn ich das Teil über die Buckelpiste zerre. Im Endeffekt war ich gefühlt die einzige Mutti ohne Kinderwagen. Und es hat sich als äußerst schwierig herausgestellt den kleinen Mann in der Trage am Schlafen zu halten, sofern die Außentermperaturen nicht unter 25 Grad gingen. Es war ihm schlichtweg zu warm. Zu meiner Beruhigung konnte ich mir nur immer wieder sagen, dass unser Kinderwagen die Buckelpiste auf dem Gelände nicht gut gemeistert hätte und ich ganz schön Probleme gehabt hätte, nicht äußerst angestrengt das vier-rädrige Vehikel von A nach B zu transportieren. Galant wie ein Gazelle wollte ich mich über das Gelände schwingen und Theo dabei leicht in meinen Armen tragen. Beim „leicht in den Armen tragen“ ist es mehr oder weniger geblieben, auch wenn das Kind gern von der – doch ausladenden – Hüfte runtergerutscht ist. Galant habe ich mich bei 30 Grad im Schatten allerdings nicht gefühlt. Zumindest nicht, sofern ich das schützende Wäldchen verlassen und die pralle Hitze der Zeltwiese betreten habe. Alles in allem muss ich sagen, dass die klimatischen Umstände das einzige waren, was unserem Wurm zu schaffen gemacht hat. Er hat das ganze wirklich gut gemeistert. Ich erinnere mich, dass ich Jahre zuvor Leute mit Babies in der Trage samt Kopfhörern auf den Ohren wild tanzend im Weidenrutenpalast beobachtet habe. Ich hatte damals eine sehr kritische Meinung dazu und dachte mir, dass man mit so einem kleinen Kind eben nicht alles machen kann, was vorher selbstverständlich war. Heute kann ich gar nicht sagen wie ich dazu stehe. Ich bin nicht der Typ dafür mit meinem schlafenden Baby in der Trage wild zur Musik zu hopsen. Und doch war ich auf dem Festival, was für andere wiederum ein no-go ist. Sergio und ich sind uns einig, dass eheo seinen Ruheraum braucht, aber wir sehen uns niccht in der VErfassung, von nun an jeden Abend 18:00 brav zu Hause zu sein. Wir leben unser Leben weiter und Theo lebt mit uns mit. Dass sich dabei Dinge geändert haben ist klar. Und doch gehen wir abends auch mal essen und nehmen ihn im Kinderwagen mit, lassen ihn dort schlafen oder verschmerzen, dass er später ins Bett kommt. Das passiert nicht oft, aber wenn es so ist, dann ist das für uns auch mal okay.

Das, was ich mir für dieses Wochenende gewünscht hätte, wäre, mehr Zeit mit alten Bekannten gehabt zu haben. Mir ist es gelungen Theo in der Trage abends zum Schlafen zu bringen. Dort schlief er ruhig und friedlich vor sich hin, irgendwann zappelte er jedoch unruhig hin und her, wollte aus dem Schwitzkasten raus und zwang mich dazu, mich zum Bus zurück zu ziehen. Das war in etwa so gegen 22 Uhr und ich saß gerade gemütlich an der Bar mit Menschen, die ich lange nicht gesehen hatte. Mir blieb nichts anderes übrig, als mich zu verabschieden. Diesen Punkt fand ich sehr schade für mein Wohlbefinden an dem Wochenende, aber es hat mich auhc nicht dermaßen gestört, dass ich sagen würde, ich habe etwas verpasst. Den Kinderwagen neben uns zu stellen wäre mir auch komisch vorgekommen, also war dies der Preis, den ich zahlen musste. Froh war ich darüber, dass in dem Moment andere Freunde gerade auf dem Gelände ankamen und unsere Zeltstelle suchten. Ich begleitete sie also dorthin, sie bauten gemütlich auf und wir saßen noch vor den Zelten und schwatzten etwas miteinander. hier konnte ich Theo ganz entspannt in seinem Schlafsack im Bus liegen lassen und mich auf die Unterhaltung mit den anderen konzentrieren. Am zweiten Abend waren starke Gewitter angesagt, sodass alle aus dem Wäldchen evakuiert wurden und sich in die Autos zurück zogen. Somit konnte ich Theo entspannt ins Bett legen und gleichzeitig mit Freunden Zeit verbringen.

Insgesamt muss ich sagen, dass wir die Zeit draußen gerade sehr genießen und demnach das Festival ein guter Ort war. Das Wetter macht es einem einfach eine tolle Zeit an der

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Foto by Tom Ritschel

frischen Luft zu verbringen. Ich gebe zu, oftmals war die Luft nicht unbedingt frisch, sondern eher drückend und heiß. Aber in der Wohnung konnte man sich ebensowenig aufhalten, also zog es mich ehr nach draußen. Meist an den See. Beim Auerworld wollten wir eigentlich bis Montag bleiben und das Fest am Sonntagabend mitnehmen und entspannt die Zeit ausklingen lassen.  Aufgrund der Hitzen entschieden wir jedoch am Samstag bereits am nächsten Abend Heim zu fahren, um Theo wieder etwas mehr Normalität und gewohnte Umgebung zurück zu geben. Die vielen neuen Eindrücke, die frische Luft und die mehr oder weniger bekannten Gesichter brachten viel Aufregung für den kleinen Mann mit sich. Im Auto auf der Rückfahrt fragte mich meine Kusine, ob wir finden, dass wir ihm zu viel zugemutet haben. Sie ist selbst Erzieherin in einem Waldkindergarten und hat demnach ein wenig Ahnung was kleine Kinder angeht. Ich musste über meine Antwort kurz nachdenken, überlegen, wie ich Theo über die Zeit hinweg wahrgenommen habe, um anschließend antworten zu können. Er hatte einen Rhythmus, auch wenn wir nicht zu Hause waren. Er hat seine Ruhepausen bekommen und genutzt. Er hat die Nacht gut geschlafen und wurde nicht übermäßig von anderen Festivalgästen dabei gestört. Er hat wenig Lärm abbekommen, da wir uns mit angemessenen Kopfhörern vorbereitet haben. Einzig und allein das Wetter konnte ich nicht beeinflussen und ich finde, auch das hat er wunderbar ertragen. Also antwortete ich meiner Kusine, dass ich nicht finde , dass wir ihm zu viel zugemutet haben. Sie ging kurz in sich und bestätigte meinen Eindruck, was mich sehr freute. Ich habe auf diese Einschätzung viel Wert gelegt und auch sie empfand ihn als ausgeglichen, fröhlich und entspannt. Ebenso die Entscheidung, doch schon Sonntagabend zurück nach Hause zu fahren, konnte sie begrüßen.

Was nehmen wir also von der Zeit dort mit? Das Auerworld Festival ist ein dankba

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Foto by Tom Ritschel

rer Ort, um Zeit mit der ganzen Familie an der frischen Luft zu verbringen, zu basteln, zu toben und der Musik zu lauschen. Man hat keinen Handyempfang und kann sich einfach mal voll und ganz auf die Umgebung konzentrieren, Tischtennis spielen oder an Gesprächsrunden teilnehmen. Und auch wenn Du keine Lust hast zu basteln, zu oben oder auch zu tanzen. Am Weidenrutenpalast, der die Hauptbühne des Festivals darstellt, lässt es sich hervorragend in den Tag hinein leben und die Seele baumeln lassen.

Dich hat das Festival neugierig gemacht? Dann schau doch mal hier und lass Dich überzeugen: Es ist einen Besuch wert.

Man wächst an seinen Aufgaben

So langsam komme ich an den Punkt, neue Dinge für Theo besorgen zu müssen. Dafür müssen Entscheidungen getroffen werden. Das ist nicht immer einfach, vor allem, wenn man sich mit diversen Dingen bisher noch nie beschäftigt hat und der Markt so überlaufen ist von Angeboten, die Dir alle suggerieren, sie seien super gut und einfach wunderbar für Dich und Dein Kind. Ich möchte nun also gern die Gelegenheit nutzen und mit Euch meine Erfahrungen teilen. Ich freue mich dabei auch über mehr Tipps oder Erfahrungen von Euch, sofern Ihr diese mit mir teilen wollt.

„Jetzt erst besorgt Ihr neue Dinge? Er ist doch schon fast 7 Monate alt!!“, ruft die Stimme aus dem Off.

Ja, ich hätte es mir vorher nicht in dem Ausmaß vorstellen können, aber man bekommt zur Geburt wirklich unglaublich viel geschenkt, überlassen oder zur Verfügung gestellt. Da muss man sich einfach gefühlt um nix kümmern. Das kam uns als Neu-Eltern eindeutig entgegen, denn man hat so schon erstmal zu tun, sich mit der neuen Aufgabe anzufreunden bzw. in diese reinzuwachsen. Müsste man dann noch (sinnvolle) Neuanschaffungen vornehmen, kann das schnell in Überforderung oder massenhaften Anschaffungen enden, die kein Mensch am Ende wirklich braucht. Wie dem auch sei, nun ist es soweit und wir probieren uns ein Stück aus mit unseren Errungenschaften.

Eine besondere Herausforderung dabei war der Kindersitz. Besonders, weil sie sich besonders schnell wieder zerschlagen hat. Wir haben selbst kein eigenes Auto und bekamen auch unseren Maxi Cosi von einer Freundin preisgünstig überlassen. Es handelt sich um ein älteres Modell, aber so selten wie wir fahren, reicht das vollkommen aus. Wir sind uns einig, dass wir einen neuen Sitz kaufen, sofern wir regelmäßig fahren würden. Nun haben wir unwissenden Menschen eines der letzten Wochenenden gedacht, dass der Sitz viel zu klein geworden ist und wir uns nun schnell etwas einfallen lassen müssen, da wir noch zwei Ausflüge für diesen Monat gelant hatten. Ich selbst muss zu meiner Verteidigung sagen, dass es in meiner Familie nie Kindersitze gab. Ich selbst war schon zu groß, als die Dinger in Deutschland verpflichtend wurden und meine Geschwister sind älter. Demnach sind wir damit nie in Verührung gekommen. Nun lernen wir dies alles neu mit unserem Kind, ist ja auch nicht schlecht. Und ich denke es hat sich in den letzten 25 Jahren einiges getan auf dem Markt. Wie ich nun also in der Beratung im Leipzig im Laden stand, sah mich die Verkäuferin ganz ungläubig an. Sie blickte verdattert auf den schmächtigen Theo, wieder zurück zu mir und nochmal blinzelnd auf Theo und sagte schließlich, sie könne sich nicht vorstellen, dass unser schlankes Kind nicht mehr in die Babyschale passt. Und doch gab sie mir eine umfasende Beratung bezogen auf eine mögliche Alternative. Unsicher und doch mit einer guten Alernative im Schlepptau ging ich Heim und rief meine Freundin an, die uns das gute Stück vermacht hat. Sie bestätigte, dass ihr Fratz 1 Jahr diese Schale nutzte und man Kinder bis 13kg damit transportieren kann. Wir waren also bloß zu dämlich ihn ordentlich zu positionieren. Egal, dass die Füße drüber hängen. Raus mit der Sitzverkleinerung (denn so klein ist Theo nun auch nicht mehr). Er muss den untersten Teil der Stütze nicht unter dem Pops haben. Alles Infos, die uns so nicht klar waren. Man lernt nie aus, der Geldbeutel bleibt noch verschont und das Thema ist kurz nochmal ad acta gelegt worden.

Eine andere Baustelle war das Finden und Nutzen einer für uns passenden Trage. Auch hier wurden wir vorab beschenkt mit nicht mehr genutzten Exemplaren. Wir hatten also bereits eine Sling der Marke Manduca zu Hause sowie eine ErgoBaby, welche ich einer Freundin günstig abgekauft hatte. Eine Sling ist ein elastisches Tuch, welches sich gut an die Körperform anpasst, den Rücken schön rundet und das Würmchen ordentlich einpackt. Viele Wochen hat uns dieses Tuch begleitet und nach dem Lernen der Wickeltechnik ging es auch stets besser mit dem Anlegen. Auf Anraten meiner Hebamme nahm ich ganz am Anfang eine Beratung in Anspruch. Sie meinte, dass jedes Baby andere Bedürfnisse habe, ebenso wie jede Mutter. Und um die perfekte Kombination für beide zu finden, empfiehlt sie gern Trageberatungen, um im Rahmen dessen diverse Möglichkeiten Des Tragens ausprobieren und die für sich beste Option finden zu können.DSC_0005 Und da ich keine Ahnung hatte, worauf ich achten muss beim Tragen, bin ich diesem Rat gefolgt und habe eine Frau zu mir nach Hause kommen lassen. Für mich war insbesondere wichtig zu berücksihtigen, dass Theo zu früh zur Welt kam und demnach noch zarter war, als Babies zu Beginn eh schon sind. Ich hatte leider auch dei Fehlinformation meiner Hebamme bekommen, ich solle noch etwas warten mit dem Tragen, da er zu früh und zu klein sei. Die Trageberaterin klärte mich dann auf, dass gerade Frühchen beim Tragen direkt von Anfang an die verpasste „Bauch-Zeit“ durch ganz viel Körperkontakt nachholen können. Im Nachhinein schade, dass auch diese Information so falsch an uns vermittelt wurde, denn wir hätten so viel Tragen und Kuscheln können. Aber nun gut, wir haben es nachgeholt.

Die Trageberaterin hat mir unter anderem gezeigt, wie ich die Sling am besten binden kann. Das hat mir sehr geholfen und für den zarten Theo und mich war dies anfangs die beste Variante. Aufgrund des elastischen Stoffs konnte er gut rein rutschen und saß ebenso fest auf meinem Bauch eingekuschelt. Solange Theo noch ruhig an mir dran  blieb, war die Sling super praktisch für uns. Mit der Zeit zappelte er immer mehr und wehrte sich gegen das Einwickeln, sodass ihn richtig zu positionieren mehr und mehr eine Herausforderung für uns beide wurde. Ebenso für Sergio, denn auch er empfand das Tragen am Bauch als sehr angenehm und kämpfte gegen den zappelnden Theo. Haben wir es dann einmal geschafft, ihn ordentlich zu binden, so wurde im Laufe der Zeit die Konstruktion durch seine Bewegungen zerstört. Ich habe gelernt, dass gerade die gehockte Position im Tuch für die Hüfte der Babies wichtig ist. Mit zunehmenden img_20180423_134042_3681418824281.jpgBewegungen rutschte jedoch ein Bein stets raus und hing lang nach unten getreckt im Tuch, während das andere nach wie vor angewinkelt war. Somit konnte ich diese Variante nicht mehr nutzen, die ErgoBaby aber aufgrund der Breite auch noch nicht. Anstatt diese unten etwas enger zu schnüren entschied ich mich nach einem Anfall von Kaufwahn dazu, einfach eine andere Trage zu besorgen. Ich entschied mich für die Marke JonoBaby aus Potsdam und mir gefiel das einfache Anlegen und Positionieren des Krabbelkäfers in der Babysize-Größe. Aller Kampf war im Nu vorbei und Theo saß dauerhaft so, wie er sitzen sollte.

Etwas, worauf ich mich schon in der Schwangerschaft gefreut habe, war die Nutzung eines Fahrradanhängers. Wir beide fahren viel und gern Fahrrad und möchten auch troz dessen, dass Theo noch nicht selbst fahren kann, nicht damit aufhören und vollends auf öffentliche Verkehrsmittel  umsteigen. Zu Beginn und im Winter war das eine super Alternative. Nun mit immer besser werdendem Wetter macht jedoch Radfahren ganz besonders viel Spaß. Noch in Potsdam kauften wir uns Fahrradhelme, denn wir beide sind der Meinung, dass wir es schwierig finden, unseren Sohn dazu zu bringen, einen zu nutzen und selbst ohne zu fahren. Es ist eindeutig eine Umstellung, aber es erfüllt seinen Zweck. Wir haben uns also auf unseren Umzug und den herannahendenimg_20180710_155744_898729897662.jpg Sommer gefreut und uns den zu den Helmen passenden Fahrradahänger dazu gekauft. Man kann ja wirklich arm werden bei so einem Neukauf. Deswegen dachten wir, wir suchen einen gebrauchten Anhänger. Da diese aber auch in gutem Zustand schonmal 350 Euro kosten können, haben wir die preiswertere Marke qeridoo gewählt und für den neuen Anhänger Sportrex 1 schlussendlich beinah genauso viel bezahlt. Als das gute Stück endlich da war, hieß es, so img_20180710_161403_7112118188766.jpgschnell wie möglich einen Ausflug zu machen. Beim ersten Mal hat es Theo auch noch gut gefallen, doch am letzten Wochenende hat er so furchtbar geweint, dass ich ständig anhalten musste und schlussendlich doppelt so lang brauchte wie geplant. Einen Tag später musst ich sogar mein Rad im Zentrum stehen lassen und mit ihm mit der Bahn zurück gefahren. Es war unmöglich ihn nochmal in den Wagen zu setzen. Sergio und ich waren richtig verzweifelt und sahen unseren Traum, mit dem Rad so mobil zu sein wie vorher, dahin schwinden. Wir wollten jedoch nicht aufgeben und überlegten weiter, warum er so ein Theater gemacht haben könnte. Was am Ende funktionierte war, dass wir das Verdeck nicht schlossen, sondern gegen die Sonne ein Tuch davor hingen. Ich erinnere mich, dass man mir mal sagte, man solle das Verdeck stets geschlossen halten, weil kleine Steinchen in den Wagen fliegen könnten. Jedoch wird es in dem Ding so heiß, dass ich an Theos Stelle vermutlich auch aus voller Kehle geschrien hätte. Mit dem bunten Tuch als Sonnenschutz schufen wir gleichzeit Ablenkung, denn es wackelte durch den Fahrtwind hin un her. Dieses Schauspiel direkt vor seinem Gesicht war sicherlich schön anzusehen. Dazu noch sein liebstes Kuscheltier Klaus in der Hand und die Welt schien wieder in Ordnung. Klaus sollte ihm in den schweren Zeiten des allein-im-Wagen-Sitzens beistehen und ihn trösten. Es hat gut funktioniert und so konnten wir am Sonntag schließlich unseren ersten, lang ersehnten Ausflug als Familie an den See machen. Der Sommer macht es einem auch wirklich leicht viel dort zu sein.

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Vorbereitung ist alles: Wie plane ich meine Reise in Familie?

Langsam kehrt etwas Ruhe bei uns ein. Die letzten Handgriffe, um unsere neue Wohnung für uns so richtig perfekt zu machen, fehlen noch. Aber es ist beinah alles an seinem Platz und wir sind bereit Besuch zu empfangen. Damit ist es langsam an der Zeit unseren herannahenden Urlaub zu planen. Die grundlegenden Vorbereitungen sind bisher schon gelaufen: wir haben den Zeitpunkt für die Reise festgelegt und die Tickets gebucht. Ich habe hier mal in paar grundlegende Fragen gesammelt, die man sich bei jeder Reise stellen muss, besonders dann, wenn Kinder dabei sind.

Wie entscheidet man sich für einen Zeitraum?

Da wir weder an Schulzeiten noch Urlaubstage gebunden sind, war für uns dabei eines klar: wir legen den genauen Reisezeitraum in Abhängigkeit vom Preis fest. Irgendwann im März – nachts beim Stillen – habe ich die Flugpreise gesehen und bin fast ohnmächtig geworden. Es war sooo billig, dass wir dringend buchen mussten. Ich habe aufgeregt Sergio angestupst, welcher ja nur im Halbschlaf realisierte, was ich ihm sagen wollte. Am nächsten Morgen sagte er zu mir: „Ich habe heute Nacht geträumt, Du hast unsere Flugtickets gekauft!“ So viel ist also von meiner unglaublichen Entdeckung hängen geblieben: ich hatte Tickets für 400 Euro pro Person gefunden (hin und zurück zusammen!!)… Nunja, unser Plan war, Theos Geburtstag in Chile zu feiern. Da der geplante Entbindungstermin Ende Januar war, wollten wir entspannt Weihnachten dort verbringen, anschließend nach Silvester etwas reisen und zum Geburtstag zurück bei den Schwiegereltern eintrudeln, um mit ihnen gemeinsam den ersten Geburtstag zu feiern. Schlussendlich kam alles anders. Der junge Mann ist 6 Wochen eher zur Welt gekommen und wir feiern den ersten Geburtstag demnach mal eben eine Woche vor Weihnachten. Somit mussten wir unseren Reisezeitraum etwas abändern. Mit so viel Flexibilität kann man schlussendlich frei entscheiden und schauen, wann die Reise besonders günstig ist.

Wie reist man am besten mit Baby?

Diese Frage kann in unserem Fall dieses Mal schnell beantwortet werden: wir fliegen. Da unser Hauptziel definitiv Chile sein wird, fallen Reiseoptionen mit dem Auto und dem Schiff weg. Das eine, weil es keinen Sinn machen würde und das andere, weil es zu lang dauert. Da meine Schwiegereltern in Chile leben und wir diese besuchen wollen, bleibt uns also nur der Langstreckenflug mit Baby übrig.

Bei so einem langen Flug muss man sich überlegen, ob man einen Sitz für das Kind mitbucht oder nicht. Da Theo bei Hin- und Rückreise knapp ein Jahr alt sein wird, kann man, reist er auf dem Schoss mit, das Geld für ihn als Passagier einsparen. Man muss sich nur genau überlgen, ob man das möchte. Ich habe in den letzten Tagen mal etwas auf der Seite kidsaway.de gelesen. Dort gibt es einige Beiträge zum Them Flugreisen udn sie verweisen auch darauf, dass man mit Kindern sicherer fliegt, bucht man einen extra Sitz und bringt den Maxi Cosi oder ähnliches mit. Klar sitzt jedes Kind darin sicherer und fester als auf dem Schoss der Eltern. Und doch haben wir uns entschieden, dass wir dieses Mal den billigeren, aber nicht besseren Weg nehmen. Wir fliegen ziemlich lang (nämlich mindestens 18 Stunden) und sich dabei Tag und Nacht einen unbequemen Sitz zu teilen, ist nicht gerade einladend. (An dieser Stelle sei kurz erwähnt, dass selbst Langstreckenflüge nicht viel bequemer und größer sind in ihrer Ausstattung, als eine Maschine von RyanAir!)

Wie macht man das also, dass das Kind auf diese Art und Weise mitreist? Wir haben die Tickets für uns beide gekauft und angegeben, dass wir mit Baby reisen. Anschließend haben wir bei der Fluggesellschaft angerufen (in unserem Fall AirFrance) und ihn direkt angemeldet. Sie haben uns etwa 40 Euro vom Konto abgezogen und schon darf er mitreisen. Des Weiteren haben wir beschlossen, dass wir ein Bettchen buchen möchten. Für den Fall, dass Theo dies annimmt, kann er auf den jeweiligen langen Strecken zwischen Santiago de Chile und Paris in einem Bettchen liegen, welches vor uns in der Wand eingehakt wird. Auch hier verweisen kidsaway.de darauf, dass man bei einzelnen Turbulenzen das Kind stets aus dem Bett nehmen und festhalten müsste. Auf einem eigenen Sitz angeschnallt wäre dies nicht unbedingt nötig, wobei ich mir vorstellen kann, dass die Kids bei starken Turbulenzen auch ungern auf ihrem Platz sitzen bleiben wollen. Ein weiterer Contra-Punkt ist, dass manchmal kurz vor Abreise die Plätze nochmal anders verteilt werden und wir aufgrund irgendeines Notfalls doch nicht die Stelle mit dem Bettchen bekommen. Aber die Wahrscheinlichkeit ist da und wir probieren das mal auf – um am Ende hier davon zu berichten 🙂

Was muss man auf Reisen beachten?

Wir haben vorher lang hin und her überlegt. Ich war, nachdem ich 1 Jahr in Chile gelebt habe, bereits noch zwei weitere Male dort. Und ich weiß, dass ich auch in Zukunft noch sehr oft dort sein werde. Demnach ist mir immer wieder wichtig, dass ich auch noch andere Länder kennenlernen kann. Beim letzen Mal sind wir auf dem Rückweg in Sao Paulo ausgestiegen und haben ein paar wundervolle Tage auf Ilhabela verbracht. Einfach herrlich. Dieses Mal mit Theo gemeinsam etwas zu finden war gar nicht so einfach. Die umliegenden Länder sind durch die Anden sehr hoch gelegen oder im Falle von Argentinien für Sergio durchaus uninteressant. Wir haben hin und her überlegt, wie wir es machen können: Peru oder Ecuador? Wäre Bolivien eine Option? Kolumbien ist zu weit weg und damit zu teuer für einen Trip dorthin. Alle anderen Länder sind ebenso nur teuer zu erreichen. Beim Check der Flugpreise kam letztendlich nur Peru in Frage, um die Urlaubskasse nicht unnötig zu belasten. Bei Höhenmetern von über 2000m und der Regenzeit bei unserer Abwesenheit macht es das jedoch nicht unbedingt attraktiv. Oft haben wir gelesen, dass Babies und Kleinkinder die Höhe gut vertragen. Wir wissen jedoch, dass Sergio das nicht tut. In Bolivien 2013 ging es ihm eine Nacht so schlecht, dass ich drauf und dran war, den Notarzt zu rufen. Sofern es also einem von uns nicht gut geht, wollte ich gern selbständig sein und umkehren können, wenn es nicht geht. Das klappt aber nicht, wenn man mit einem Reisebus unterwegs ist. Da die Flüge am günstigsten sind, würden wir in den Norden Chiles fliegen und dann mit dem Auto übersetzen, zogen wir auch diese Variante in Betracht. Doch keine Autovermietung erlaubt, dass man mit chilenischem Kennzeichen nach Peru, Bolivien oder einem anderen Land fährt. Auch der Gedanke nach Bolivien zu fliegen und insbesondere das Paradies „isla del sol“ zu besuchen, wurde von uns wieder verworfen, da wir hätten Campingausrüstung mitbringen müssen. Wir reisen so schon mit ausreichend Gepäck für die Zeit, sodass wir darauf gern verzichten wollten.

Wie rum wir es auch drehten, es sah schlecht aus, dass sich mein Wunsch nach dem Kennenlernen eines anderen Landes, erfüllen würde. Nun haben wir uns so geeinigt, dass wir in Chile mit dem Auto unterwegs sein werden und ein paar Tage von der südlichsten Stadt aus rüber fahren nach Argentinien und dort in Feuerland unterwegs sind. Darauf freue ich mich ganz besonders, denn als ich Bilder von dort gesehen habe, war ich sofort interessiert. Nun müssen wir zu unserer Sommergarderobe also noch dicke Jacken packen, denn dort kann es richtig kalt werden. Aber da wir hier im Winter starten und landen, sind wir eh gut ausgestattet.

Was gehört in die Reisetasche bzw. was haben wir bisher?

Zu allererst ein Reisepass. Und das für uns alle drei. Ich habe nachgelesen und gelernt, dass man für Reisen in die USA auch für Kinder einen normalen Reisepass benötigt. Sonst ist ein Kinderreisepass ausreichend. Sofern man über die USA nach Chile fliegt, sind zwar die Flüge billiger, aber die Abfertigung ist anstrengender, bis man endlich weiterreisen darf. Demnach haben wir nie den Weg über Nordamerika gewählt, sondern stets mit Zwischenlandung in Europa und/oder Brasilien. Am meisten lächel ich heute noch über das biometrische Passbild, welches von meinem 6 Monate alten Sohn gemacht wurde. Dieses haftet nun in einem Kinderreisepass (der übrigens direkt ausgestellt und mir nach dem Bezahlen von 13 Euro sofort überreicht wurde) für die nächsten 6 Jahre. Am Rande sei hier erwähnt, dass wir beim Buchen der Übersee-Flüge nicht nach irgendwelchen Passdaten gefragt wurden. Als wir jedoch einen Inlandsflug buchen wollten, hingen wir an der Eingabe von Theos Passdaten fest. Den hatten wir nämlich noch nicht beantragt und konnten folglich nicht buchen.

Wechselkleidung. Da wir bei den Schwiegereltern stets einen festen Hafen haben, können wir auch entspannt Wäsche waschen. Wir müssen also nicht so unglaublich viel mitnehmen.

Theoretisch sollte man an Kinderwagen, Kindersitz und Trage denken. Wir lassen die ersten beiden daheim, da auch hier unsere Kontakte in Chile aushelfen und wir beides geliehen bekommen für die Zeit.

Hausapotheke. Was da alles reingehört bespreche ich dann nochmal mit dem Kinderarzt. Für uns Erwachsene nehme ich nie etwas spezielles mit. Wenn ich jetzt mit Theo weg fahre, dann habe ich stets z.B. Kümmelzäpfchen, Fieberzäpfchen, seine Zahnkügelchen, Nasenspray und Bäuchlein-Öl dabei. Ich habe noch nie etwas davon gebraucht, war aber vergangenes Wochenende bei 30 Grad im Schatten und einer Vollsperrung auf der Autobahn beruhigt, dass wir mit Hilfe von Feuchttüchern den glühenden Kopf etwas runterkühlen konnten.

An dieser Stelle setze ich erstmal einen Punkt. Wir haben noch etwas Zeit, bis es dann wirklich richtig losgeht und diese können wir gut für die Vorbereitungen nutzen. Als nächstes steht an, dass ich mir einen neuen Koffer oder Rucksack zulege.

 

Hoch, höher, am höchsten

Ich bin von Friedrichs Potsdam ordentlich verwöhnt: Die Straßen sind derart ausgebaut, dass man bequem mit einer Kutsche die Stadt erkunden kann. Abgesenkte Bordsteine und Erhöhungen an den Straßenbahnhaltestellen erleichtern die Mobilität mit Kinderwagen in der Stadt. Es fehlt einem beinah an nichts, um gemütlich mit Kind unterwegs zu sein. Einzig und allein die Handvoll alter Straßenbahnen, die Dank ihres Zugangs über Treppen das Bild des preußischen Potsdams trüben, stellen ein Hindernis dar. Ich habe mich jedes Mal geärgert, wenn ich diese Straßenbahn auf mich zufahren sah. Eine absolute Einschränkung meiner Freiheit, denn ich kam einfach nicht allein hinein. Stets musste ich jemanden ansprechen, der mir beim Rein- und Raustragen hilft. Insbesondere vormittags, wenn verglechsweise mehr ältere Menschen und Muttis mit Kind unterwegs sind, als kräftige Anpacker_innen. Alles in allem kam dies jedoch in den sechs Monaten, die ich nun mit Kinderwagen unterwegs bin, sehr selten vor. Heute weiß ich, dass das alles halb so wild war.

In Leipzig unterwegs zu sein ist im Vergleich zu Potsdams preußischer Ordnung eine Schaukelpartie für den Kleinsten. Die Gehwege sind ziemlich uneben, Wurzeln suchen sich ihren Weg durch die Pflaster und Theo wird ordentlich durchgeschüttelt in seiner Karosserie. Selbst der Gang mit Trage erlaubt keinen Moment Unaufmerksamkeit. Zu hoch ist die Gefahr, dass man über eine der erhöhten Wurzeln auf dem Gehweg stolpert.

Während an dieser Stelle an Erhöhungen nicht gespart wird, fehlen dergleichen an den Haltestellen der Straßenbahnen. Ich war gestern den ganzen Tag mit der Straßenbahn unterwegs, da ich einige Ämtergänge zu erledigen hatte. Der enorme Höhenunterschied zwischen Straßenbahntür und Straße bewirkt beim Ein- und Ausstieg, dass Theo mit komplettem Körpereinsatz einmal die untere Kante des Wagens erreicht und dann, wenn ich den Kinderwagen wieder in seine normale Ausgangsposition bringe, mich ordentlich zusammengefaltet mit großen Augen verwundert anblickt. Es wird also nicht langweilig auf unserem Weg durch die Stadt.

Zum Thema „hoch“ ist mir gestern auch etwas Interessantes passiert. Im Bürgerbüro in der Innenstadt mussten wir zwei Stunden warten und somit blieb mir ein Gang zum Wickeltisch nicht erspart. Diese gelungene Abwechslung kam Theo und mir ganz recht, denn langsam wurden unsere Pobacken platt. Also meine zumindest. Angekommen auf der Behindertentoilette klappte ich den Wickeltisch nach unten undimg_20180619_212059758611711.jpg musste erstmal herzhaft lachen. Ich bin mit meiner Körpergröße von 1,76m eine absolute Befürworterin von hoch gelegenen Arbeistplatten. Unsere Küche baut Sergio im Moment auf einer so tollen Höhe, dass das Kochen gleich nochmal doppelt so viel Spaß macht. Bezogen auf einen Wickeltisch allerdings hätte ich doch gern die Möglichkeit meinem Kleinsten in die Augen zu sehen. Dieser Wickeltisch jedoch war auf meiner hoch gelegnen Brusthöhe angebracht.  Und während ich uneingeschränkt direkt auf den Windelbereich blicken konnte, verrenkte Theo währenddessen seine Augen nach unten, um mich sehen zu können.

Ich will aber gar nicht ins Kritisieren verfallen. Das liegt mir echt fern. Ich mag es hier in der Stadt zu sein. Gestern Abend saßen Sergio und ich am Tisch und er sagte zu mir: „Weißt Du, was mir aufgefallen ist? Hier grüßen einen alle ganz nett! Im Toom steht einer an der Tür und begrüßt alle, die reinkommen. Das ist sein einziger Job an diesem Tag. Ist das nicht verrückt?“ Da fällt mir nur wieder einmal auf, wie unfreundlich Brandenburger_innen und Berliner_innen sein können. Irgendwann hörte ich mal einen Witz. Darin ging eine Frau zum Bäcker in Berlin und als sie raus kam und mit ihrem Freund sprach, so wa sie ganz verunsichert, ob sie nicht vielleicht doch zu nett gewesen ist. Sie überlegte nochmal rein zu gehen und sich besonders schlecht zu benehmen, damit sie nicht merkwürdig auffällt in Deutchlands Hauptstadt. Was sagt man dazu? Ich selbst habe oftmals gedacht, dass Potsdamer_innen wirklich hochnäsig und miesepetrig sein können. Das war ich aus meiner Heimat Thüringen gar nicht gewohnt. Und plötzlich bin ich diejenige, die ins scheinbar hochnäsig Bürgerbüro kommt und nicht allen Anwesenden beim Betreten „Hallo!“ sagt.