Manchmal kommt es anders…

Als ich schwanger wurde, waren mir einige Dinge, die damit zusammenhängen, die auf mich zukommen könnten, nicht klar. Erst im Laufe der Zeit lernte ich, was alles dahinter steckt, was dazu gehört und wie das alles so sein kann bzw. in meinem Fall sein wird. Zum Beispiel bin ich stets davon ausgegangen, dass man – sobald man schwanger ist – keine Blutungen mehr hat. Und sobald man blutet, gleicht das quasi einem #Schwangerschaftsabbruch. Umso erschrockener waren mein Mann und ich, als ich eines Tages, nachdem wir bereits einen Teil der Familie eingeweiht hatten, Blutungen hatte. Traurig über den Verlust gingen wir am kommenden Tag zum Frauenarzt, um die Befürchtung bestätigen zu lassen. Wir haben uns bereits innerlich davon verabschiedet, dass unser Vorhaben gleich beim ersten Versuch geklappt haben sollte. Als der Arzt schließlich sagte, mit unserer kleinen Beere sei alles in Ordnung, konnten wir es kaum glauben. Noch ein zweites Mal hatte ich #Zwischenblutungen und ging, da ich nicht bis zur Sprechstunde meines Arztes am nächsten Tag warten wollte, ins nahegelegene Krankenhaus. Dort wurde ich direkt stationär aufgenommen und bekam homöopathische Medikamente, die die Gebärmutter beruhigen sollten und die Schwangerschaft mit mehr Ruhe weiterführen ließen. Auch gab man mir Medikamente, die mich beruhigen sollten. So ganz klar war mir das nicht, den ich empfand mich als wenig aufgeregt. Aber gut, ich blieb also 3 Nächte auf Station und wurde intensiv beobachtet. Man stellte fest, dass mejn Gebärmutter eine Zwischenwand habe und das Baby nur auf einer Seite wächst. Die andere war voll mit blutigen Gewebe, welches nach und nach abblutete. Als ich schließlich ein drittes Mal Blutungen hatte, war ich beruhigt, denn ich wusste woher das kommt und hatte Vertrauen in meinen Körper. Und so plötzlich wie sie kamen, gingen sie auch wieder. Irgendwann war beim Ultraschall zu erkennen, dass diese Zweiteilung nicht mehr vorhanden ist und sich das #Baby nun in der kompletten Gebärmutter ausbreitet. Avon da an konnte ich die Zeit komplett genießen. Da ich in der Straßensozialarbeit tätig war, erhielt ich von Anfang an ein Beschäftigungsverbot. Zu unsicher war, mit welchen Krankheiten ich stets in Kontakt kommen würde. Somit war ich ab Juni zu Hause, die Entbindung war Ende Januar angesetzt. Richtig viel Zeit also. Ich nutzte genau diese zum Reisen. Ich besuchte Freunde in ganz Europa und fuhr mit meinem Mann in den Urlaub. Ich dachte mir, dass ich nie wieder in meinem Leben so viel Zeit haben würde, also musste ich den Moment genau jetzt nutzen.

So unwissend – bezogen auf mögliche Begleiterscheinungen – meine Schwangerschaft startete, so endete sie auch. Sechs Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin merkte ich etwa 22 Uhr ein ziehen im Unterbauch und ging stark davon aus, dass es sich hierbei um Senk- oder #Übungswehen handelte. Ohne mir weiter darüber Gedanken zu machen, nahm ich instinktiv meine Wärmflasche mit ins Bett und schlief ein. Gegen 5 Uhr morgens wurden die Schmerzen langsam unangenehm und drückten mir auf die Blase. Ich nahm das kommentarlos hin, denn ich hatte ja noch Zeit bis zur eigentlichen Entbindung. Noch eine weitere Stunde später wurde ich jedoch langsam unsicher und rief meine Hebamme an. Ich sagte ihr, dass meine Übungswehen schmerzten und mich dies überrascht. In der Aufregung habe ich eindeutig vergessen zu erwähnen, dass sich diese in regelmäßigen Abständen bemerkbar machen und an Intensität zunehmen. Sie empfahl mir auf Basis meiner Angaben, ich solle ins Krankenhaus fahren, um mich untersuchen zu lassen. Sie riet mir zu einem CTG, bei dem Wehentätigkeit uns Herztöne des Kindes untersucht werden.

Mit einem ungewollten Stoß gegen das Bett riss ich meinen Mann aus dem Schlaf. Als ich dann noch sagte: „Wir müssen ins Krankenhaus!“, war er sichtlich nervös und stolperte verschlafen aus dem Bett. Ab dem Moment schoss Adrenalin bei mir ein. Irgendwas stimmt nicht und wir müssen ins Krankenhaus, dachte ich mir. Meine Hose anzuziehen wurde zu einer komplizierten Aufgabe. Zu stark wurde das Ziehen im Unterbrauch, sodass ich kaum die Beine heben und in die Hose einsteigen konnte. Es dauerte gefühlt ewig bis wir endlich aus dem haus kamen. Dabei spielte sich von nun an alles sehr schnell ab:

06:00 Anruf bei der Hebamme

06:05 Sergio wecken

06:20 Hose anziehen, Wasserflasche füllen

06:30 Taxi gerufen, es kommt jemand in 15 min

06:45 eine holprige Taxifahrt über Pflastersteine

06:50 Ankunft im Krankenhaus

06:55 auf der Wochenstation angekommen

07:00 Vorsprechen bei den Hebammen

07:05 (vergebliches) Positionieren des CTG

07:08 die Hebamme sagt, dass das Baby kommt…

Unfassbar! Es war viel zu früh, das durfte nicht sein. Aber wie ich schon die erste Presswehe spürte blieb mir wohl keine andere Wahl, als mit der Hebamme in den Kreißsaal zu wechseln. Die folgenden 25 Minuten vergingen rasch und hinterlassen ein Gefühl der Unwirklichkeit!

07:33 Theo ist geboren, 46cm, 2200g

Noch ziemlich benebelt vom eben Erlebten schrieben wir unseren Familien „Wir haben einen Theo!“. Mehr konnten wir nicht sagen. Mehr wussten wir nicht. Man trennte sofort die Nabelschnur und nahm ihn mit. Nicht einen Blick konnten wir erhaschen. Nur ein kräftiges Schreien, mehr blieb uns nicht. Wir hatten keine Informationen zu Gewicht und Größe. Wir blieben mindestens 30min unwissend und versetzten unsere Familien gleichzeitig in Schock über das, was eben passiert war. Normalerweise schickt man ein Foto und die jeweiligen Maße. Doch wir hatten nichts dergleichen. Nur einen Namen und die Gewissheit, dass es unserem Baby gut geht, denn das wurde uns mehrfach bestätigt.

Nach geraumer Zeit brachte man uns Theo ans Bett im Kreißsaal, bevor er in ein anders Krankenhaus überführt wurde. Dort, wo wir uns befanden, gab es keine Neonatologie, eine spezielle Station für Frühchen. Etwas später wurden auch wir in das andere Krankenhaus transportiert und konnten endlich zu unserem Schatz. Ein erstes Beschnuppern gab es im Kreißsaal, doch nun konnten wir kuscheln und uns richtig kennenlernen. Zwei Wochen blieb er im Krankenhaus, bevor wir ihn am ersten Januar 2018 mit nach Hause nehmen durften. „Wir haben einen Theo“ – seitdem jeden Tag an unserer Seite!!

Fotor_151371868533337

Ein Gedanke zu „Manchmal kommt es anders…“

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s