Vom Umziehen und wachsen

„Ihr wollt umziehen, wenn Ihr schon ein Baby habt? Bist Du Dir sicher? Das wird mega anstrengend. Da habt Ihr Euch echt was vorgenommen“, haben Sie gesagt.

Ja, wir ziehen um. Was bleibt uns anderes übrig? Die Mieten hier sind zu teuer. Die Familie wohnt zu weit weg. Die Jobchancen sind nicht gerade rosig. Also heißt es weiterziehen. Umziehen also. Was soll ich sagen? Umziehen ist generell anstrengend. Ob schwanger oder mit Baby. Ob allein oder mit dem oder der Partner_in. Erinnert Euch mal zurück an Euren letzten Umzug. Am Ende in der alten Wohnung nur noch inmitten von Kisten leben. Am Anfang in der neuen Wohnung nicht wissen, wohin mit dem ganzen Kram, den man – aus welchen Gründen auch immer – doch nicht weggeworfen img-20180527-wa0006396915785.jpghat? „Ach Mist, jetzt hab ich die Kiste aufgemacht und kann die Hälfte noch gar nicht verstauen.“ Und so macht man eine neue Kiste auf und – schwupps – findet man sich bald inmitten halbleerer Kisten wieder. So stelle ich mir die nächsten Wochen manchmal vor, während mein Mann vehement betont, dass er nicht ewig zwischen Kisten leben wird. Als ich ihm sagte, dass Bekannte von uns, die im November umgezogen sind, nach 6 Monaten die letzte Kiste ausgepackt haben, hat er sich an den Kopf gegriffen und ganz stark untermalt, dass das bei uns nicht passieren wird. Mag sein, dass Ihr jetzt den Kopf schüttelt und sagt: „Wart’s ab. Du wirst schon sehen, dass es so kommen wird!“ Ich für meinen Teil kenne ihn mittlerweile ganz gut und glaube, dass er damit am Ende Recht behält. Fakt ist: mit einem #Baby ist das alles nicht so einfach wie zu der Zeit ohne. Aber wir können uns doch nach wie vor glücklich schätzen, dass er noch nicht krabbelt. Soweit dachte ich mir das zumindest. Und während ich so Kiste um Kiste einpacke und mich zwischendurch immer wieder dem ab und zu quengelnden Kind widme, wird mir eins klar: Wir stecken mitten im #19-Wochen-Schub! Ich nehme gern Abstand von Wir-Sätzen im Zusammenhang mit Taten rund um Theo, denn schließlich wechseln nicht wir seine hose, sondern ich tu das. Aber in dem Zusammenhang stecken wirklich wir alle mittendrin. Theo 24 Stunden über. Ich am schlimmsten nachts und mein Mann im #Halbschlaf während der Schlafpausen und Schrei-Attacken.

Ich habe zur Geburt von Theo das Buch #„Oje, ich wachse“ geschenkt bekommen und mich darüber tierisch gefreut. Anfangs ist es mir jedoch schwer gefallen, mich dort einzufinden. Aufgrund seines Status als #Frühchen, stimmen die Wochen nicht unbedingt miteinander überein. Die Osteopathin meinte dann mal zu mir, ich solle mich stets an dem Alter orientieren, welches er theoretisch gehabt hätte, wäre er nicht zu früh geboren worden. Das ist eine sehr positiv gerichtete Betrachtungsweise. Manche Dinge, die er beispielsweise mit 24 Wochen schon können müsste, kann er noch nicht. Ziehe ich jedoch die 6 Wochen ab, die er zu früh kam, stelle ich fest, dass er mehr kann als andere Babies im Alter von 18 Wochen und bin begeistert.

Wie ich nun also meine Kisten packe und mich ab und an Theo zuwende, denke ich daran, dass unser #Umzug kurz bevor steht. Weniger als eine Woche trennt mich von dem Tag, an dem das Umzugsunternehmen vor der Tür steht und alles in den LKW packt. Ein Luxus, den man mit Baby echt genießen kann, denn man muss nicht selbst tragen. Meine Gedanken schweifen ab und ich frage mich, was eigentlich mit Theo los ist. So quengelig kenne ich ihn eigentlich nicht. „Das müssen die Zähne sein“, denke ich mir und beginne zu rechnen. Am Montag wird er 19 Wochen alt. Also 19 Wochen, wäre er am errehneten Geburtstermin zur Welt gekommen. Ich erinnere mich, dass andere Mütter diese Phase mit Baby als ihre persönliche Hölle bezeichnet haben. Wenn ich also an letzte Nacht denke, kann ich das gut verstehen. Da mein Exemplar von „Oje, ich wachse“ bereits eingepackt ist,  suche ich im Internet nach Informationen rund um diesen Entwicklungssprung und werde schnell fündig.

„Voll erwischt: Der 19-Wochen-Schub“ heißt es in einem Blog.

„19 Wochen Schub, was ein Horro (lang)“ in einem anderen.

Was verbirgt sich also bei uns dahinter? Womit kann ich mich identifizieren? Er ist 03070651-00-00unruhig und launisch. Er kämpft sich beim Einschlafen wieder aus dem Eindösen heraus, sodass er mega wach ist. Er kommt einfach nicht zur Ruhe. Er schreit. Er tritt mich beim Stillen. Er dreht den Kopf hin und her währenddessen. Er verlangt mehr Trinken. Die Abstände werden kürzer und er trinkt total unkonzentriert, manchmal sogar nur ganz kurz. Er ist eindeutig abgelenkt und raubt mir den letzten Nerv.

Worauf kann ich mich nun also einstellen? Die Prognose ist, dass man die Kleinsten in dieser Zeit nicht oder nur selten ablegen kann. Sie wünschen sich dauerhafte Bespaßung und kleben an der Mutter wie ein Kaugummi. Im Internet wird mit #Verständnis geworben und man findet Forenbeiträge, in denen Mamas sich gegenseitig Motivation zusprechen. Durchhalten, heißt die Devise. Mehr kann man nicht tun.

„Das sind ja gute Aussichten“, denke ich mir nur.

Und während ich mir insgeheim wünsche, dass es ein ultimatives Rezept gibt, welches diesen Zustand lindert und verkürzt, so bin ich einfach dankbar dafür, dass ich nun weiß, was los ist. Ehrlich gesagt kam ich letzte Nacht mal wieder an meine Grenze und wenn ich nun so darüber nachdenke, dass Theo’s Verhalten genau auf all diese Dinge zurück zu führen ist, hilft mir das, damit anders umzugehen. Ich finde, man kann #Verständnis leichter dann aufbringen, wenn man weiß, womit man es zu tun hat. Wenn er einfach nur quengelt und ich nicht genau weiß, woran es liegt, sondern auf Zähne oder die Umstellung des Darms aufgrund von Beikosteinführung tippe, dann experimentiere ich einfach mit ein paar Dingen rum und hoffe auf Besserung. Dass sich dann nicht immer die erhoffte Wirung einstellt, liegt auf der Hand. Da ich aber jetzt weiß, was dahinter steckt, hoffe ich besser damit umgehen zu können und stelle mich darauf ein. Mein Mann sagt mir immer nur, ich muss ruhig bleiben, um ihn nicht noch mehr zu verspannen. Das ist manchmal leichter gesagt, als getan. Gerade dann, wenn es nachts wieder einmal besonders schwierig ist, fehlt mir die nötige Ruhe, um das zu akzeptieren. An diesem Punkt habe ich eindeutig noch zu arbeiten. Und auch wenn meine mangelhafte Geduld nicht bedeutet, dass ich grob ihm gegenüber werde, so merke ich doch, wie verzweifelt und angespannt ich werden kann und einfach darauf hoffe, dass irgendwer irgendetwas macht oder sagt, was mir hilft. Ich gebe die Verantwortung ab und hoffe auf ein Wunder, auf Motivation und Kraft. Oder auf eine Umarmung und Verständnis für diese anstrengende Zeit. Schlussendlich bin ich einfach dankbar für Forenbeiträge, Ratgeber-Bücher, Erfahrungsaustausch und Beistand untereinander. Denn nur so kann ich verstehen, dass ich mit diversen Dingen nicht allein dastehe und so viele andere Mamas nahvollziehen können, wie ich mich im Moment fühle. Und so wende ich mich wieder meiner Kiste zu und freue mich, dass umziehen für mich im Moment nur deshalb schwierig ist, weil wir in einer anstrengenden Phase feststecken. Ich habe sie fast fertig gepackt, als Theo nach mir ruft und ich die Kiste halbvoll offen stehen lasse.