Here we are

Unser Umzug steckte in den letzten Zügen und wir wurden stets gefragt, wie es uns dabei geht.

„Seid Ihr schon fertig?“

„Freut Ihr Euch?“

„Das ist bestimmt voll aufregend!“

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ein Tag vor Abreise

Ich konnte ehrlich gesagt noch gar nicht richtig realisieren, was da gerade passiert. Wir ziehen in eine andere Stadt. Einfach so, könnte man meinen. Wir haben letztes Jahr beschlossen, diesen Schritt zu gehen – natürlich nicht einfach so, sondern aus gutem Grund: die Wohnungen in #Leipzig sind bezahlbar, meine #Familie ist näher dran und Sergio findet in Potsdam nie wieder eine Werkstatt, sobald das #Rechenzentrum mit seiner sich darin befindenden Werkstatt, geschlossen wird. Abgesehen davon möchte ich mich beruflich weiter entwickeln und dafür nicht nach Berlin pendeln müssen. Ich habe Respekt vor allen Potsdamerinnen und Potsdamern, die genau diesen Weg täglich fahren. Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, da mir dies einfach gefühlt zu viel #Lebenszeit wegnehmen würde. Gerade mit einem Kind möchte man ebeniese Zeit genießen. Wenn ich dann noch pendeln muss, bleibt nicht mehr viel quality time übrig. So habe ich mir das zumindest vorgestellt. Aus dem gleichen Grund entschieden wir uns bewusst dagegen, 1000€ für eine 3-Raum-Wohnung zu bezahlen. In unserem Viertel in Potsdam wäre dies genau der Preis gewesen, den wir hätten einkalkulieren müssen. Wofür am Ende? Wenn ich mindestens 40h die Woche arbeiten muss, um mir die Wohnung leisten zu können, dann aber kaum Zeit dort verbringe, weil ich Pendlerin bin und meinen Sohn irgendwo abends aus der Kita abholen muss, um ihn letztendlich bloß noch ins Bett zu bringen und anschließend selbst zu schlafen, weil ich früh aufstehen muss, um zurück in den Zug zu steigen und arbeiten muss, um mir die Wohnung leisten zu können?! Wieviel Zeit bleibt mir anschließend also noch in meiner teuren Wohnung? Ein ganzes Wochenende und 5x schlafen zwischendurch. Diese Aussichten waren keineswegs rosig für uns und so blieb uns nur noch eine Möglichkeit: die Flucht nach vorn. Oder eben weg.

Wir setzten uns also ein Datum: Theo sollte Ende Januar geboren werden. Demnach

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Leipzig – (m)eine Perle

dachten wir daran, die ersten Monate entspannt mit ihm in einen Rhythmus zu finden und dann umzuziehen. Um genau diesen Rhythmus mächtig durcheinander zu bringen 🙂 Ab Mai stand demnach fest und schlussendlich haben wir es geschafft, zum Juni eine Wohnung, sowie zu Juli eine Werkstatt zu finden. Wir sind dafür zweimal nach Leipzig gereist, haben uns diverse Wohnungen angesehen und verschiedene Optionen für Werkstätten durchdacht. Heute kann ich sagen, es hat alles super funktioniert und ich bin froh, dass wir nur zweimal fahren mussten. Für Theo waren diese Trips mega anstrengend, denn das ständige raus aus dem Auto, rein ins Auto konnte er hat nicht nachvollziehen, geschweigedenn einordnen, wo er sich gerade befand und wofür das ganze eigentlich  gut war. Mit Glück schläft er ziemlich gut im Auto. Demnach war alles etwas leichter. Jedoch hieß das, dass er beinah den ganzen Tag schlafend verbrachte und das war nicht unbedingt ideal. Doch was blieb uns anderes übrig. Wir hatten uns Leipzig ausgesucht, weil die Stadt bezahlbaren Wohnraum bietet, meine Familie näher dran wohnt als an Potsdam und uns der Gedanke, in einer größeren Stadt zu wohnen, die weniger museumshaft und mehr alternativ wirkte, reizte. Ein paar Wochen intensiver Vorbereitungen später sollte es nun endlich losgehen! Dienstagmorgen 8:00 Uhr: die Möbelpacker stehen vor der Tür. Sechs kräftige Männer polnischer Herkunft verschafften sich einen Überblick über unseren verstaubten Hausrat, organisierten sich untereinander und begannen Recht schnell, alles über den Balkon in den Hof zu heben. Zwei Männer in der Wohnung gaben alles nach draußen. Einer im Hof stapelte die Dinge auf Rollbrettern, einer schob sie nach vorn bis fast zur Hoftür, der fünfte übernahm an dieser Stelle und übergab alles an den letzten Mann im Lkw. Man hätte sich glatt bei den Nachbarn auf den Balkon setzen können, um mit einer Tüte Popcorn dem Schauspiel folgen zu können. Wie fleißige Arbeiterbienen wuselten sie mit kontrollierten Handgriffen über unseren Hof.

Wie sich nun binnen 90 Minuten unsere Wohnung leerte, kamen schöne Gedanken an die letzten Jahre zum Vorschein. All die Zeit, die wir mit unseren Freunden genossen haben. Der Bezug der ersten eigenen und gemeinsamen Wohnung. Mein erster Job nach der Uni. Unsere #Hochzeit. Die #Geburt unseres Sohnes. All diese Ereignisse verbinden uns auf ewig mit Potsdam. Natürlich ist es immer traurig die Menschen zurück zu lassen, die einem über die Jahre hinweg ans Herz gewachsen sind. Und doch wissen wir, dass sie nach wie vor Teil unseres Lebens sein werden. Wir haben einen wunderbaren Abschied gefeiert, wurden mit vergrabenen Erinnerungen beschenkt und mit einer Blaubeere in der Hand in unser neues Abenteuer entlassen.

img_20180616_193113_2211713397735.jpgAn dieser Stelle bin ich gespannt, was Leipzig für uns an Abenteuern bereit hält. Wie ist es, in eine neue Stadt zu kommen? Was bietet Leipzig für Kinder an? Welche Ecken sind empfehlenswert, welche eher zu meiden? All diese Dinge kann ich in den kommenden Wochen und Monaten auskundschaften und mitteilen. Also dann: Here we are – und so schnell gehen wir nicht wieder weg.