Raus aus Theos Komfortzone? Rein ins Abenteuer

Wie jedes Jahr seit geraumer Zeit ist das Auerworld Festival fester Bestandteil unserer Sommerplanung. Das kommt vor allem daher, dass ich als Teil des Auerworld Festival e.V. aktiv an der Planung des Festivals mitwirke. Die letzten zwei Sommer habe ich mich allerdings von dieser Planung zurück gezogen. Nach einer anstrengenden Vorbereitungsphase in 2016 und anschließender Absage des Festivals – aufgrund von starken Unwettern – direkt vor dem Start der Veranstaltung, brauchte ich 2017 einfach mal eine Pause. Ich habe an diesem Wochenende die Zeit als Gast auf dem Gelände sehr genossen. Viele Jahre bin ich einfach nur mit meiner Funke über den Platz gepest, habe von meinen Freund_innen wenig mitbekommen und war weder bei ihn so richtig, noch mit dem Team vereint. Als Organisator_innen hatten wir währenddessen so viel Arbeit, dass wir das Fest an sich erst Sonntagsabend feiern konnten. Wir haben irgendwann diesen Abend speziell als unsere Feier deklariert. Um runterzukommen. Um uns zu feiern. Um das Gelände zu genießen, denn der Ort ist einfach magisch und wunderschön. img_20180727_145606_0061916205194.jpg

Im Sommer 2017 war ich bereits schwanger und mich quälten kleinere Wehehchen während des Festivalwochenendes, sodass ich mich bei Bedarf einfach in den Bus zum Schlafen oder Ausspannen zurückziehen konnte. Ich hatte kein Funkgerät zu bedienen, keine Presseleute zu begrüßen oder Helfer_innen in ihre Schichten einzuteilen. Ich war einfach dort und lebte den Tag so vor mich hin. Ich war niemandem Rechenschaft schuldig, ließ nur Sergio wissen, dass es mir gut ging. Diesen Zustand habe ich genossen. Sehr sogar. Dieses Jahr schließlich habe ich mich aufgrund der Anwesenheit von Theo ganz bewusst erneut aus der Planung raus gezogen. Zu klein erscheint mir unser Wurm, als dass ich hätte irgendwelche Aufgaben übernehmen können oder wollen. Ich wollte mich ganz darauf konzentrieren dort zu sein und Theo alles zu zeigen. Sergio hingegen hat einen Stand gemietet und seine Holzdesigns verkauft.

Wir haben uns vorher eher wenig Gedanken gemacht, ob wir hinfahren oder nicht. Klar war, dass wir Theo mitnehmen möchten und diesen Teil unseres Lebens nicht missen wollen. Egal ob mit Kind oder ohne, es gehört für uns dazu. Bei einem Freund haben wir ganz stark bemerkt, dass er uns skeptisch betrachtete, als wir meinten, dass wir zu einem Festivaal fahren. Uns war jedoch von Anfang an klar, dass Skeptiker unseres Planes das FEstival einfach nicht kennen. Denn wenn man mit Kindern – egal wie alt – zu einem Festival fahren kann, dann ist es das Auerworld Festival.  Es ist seit Jahren wohl eines der familienfreundlichsten und -reichsten Festivals, die man sich vorstellen kann. Und ich muss sagen, dass mir genau das in diesem Jahr noch einmal besonders aufgefallen ist. Das kann ich nun nicht mehr beurteilen. Dem Orga-Team ist in jedem Fall hoch anzurechnen, dass sie auf die vielen großen und kleinen Kinder eingestellt waren und folglich etliche Angebote bereit hielten. Es gab Bastel-Workshops, bei denen die Kinder sich kreativ betätigen konnten. Sie besorgten zwei große Heuballen, die die Grundlage des Spielplatzes zum Austoben darstellten. Man baute eine Wasserrutschbahn für die Kinder auf, damit sie sich ordentlich bespritzen konnten. Wie jedes Jahr gab es das Hörspielzelt, in dem sowohl Erwachsene als auch Kinder auf diversen Teppichen unter einem großen Tarp Hörspielen lauschen konnten. Einschlafen war hierbei erlaubt, relaxen ebenso. Es ergab sich automatisch eine Ruhezone, selbst wenn kein Hörspiel lief. Zu gemütlich und einladend war der Ort für jung und alt, als dass sie diese Oase hätten durch lautes Gerede stören wollen. Noch konnte ich wenig Angebote mit Theo genießen und doch hattenwir ein rundum schönes Wochenende. Was uns wichtig war und worauf wir geachtet haben, daran möchte ich Euch hier gern teilhaben lassen.

Da  der kleine Mann bereits 7 Monate alt war, als wir zum Festival fuhren, wussten wir bereits, welche Ruhezeiten für ihn wichtig sind, um den Tag positiv zu erleben. Diese Ruhezeiten waren für uns wichtig auch dort vor Ort einzuhalten. Es ist so, dass er meist so gegen 7 Uhr aufwacht und etwa 9 Uhr noch einmal schlafen will. Momentan sogar 1,5 Stunden, das muss aber nicht sein. Gegen 11:30 Uhr bekommt er sein Mittagessen und img_20180727_135306544841440.jpgschläft danach nochmal. Je nachdem wie lang dieser Schlaf ist, benötigt er noch einmal eine Zeit Ruhe am Nachmittag. Gibt es da keine Ruhepause, so ist er 18:00 Uhr fix und fertig und bereit für den Nachtschlaf. Bei dieser endgültigen Schlafenszeit war mir wichtig, dass ich diese irgendwie anders gestalten wollte. Ich wollte nicht bereits zu der Zeit auf dem Zeltplatz verbringen und somit schon separiert von allen anderen bis zum nächsten Morgen ausharren. Abgesehen davon war es auf der Zeltwiese an diesem Wochenende so heiß, dass man sich erst viel später dort gemütlich aufhalten konnte. Für den Nachtschlaf haben wir entschieden, dass ich mit Theo im Bus schlafe, Sergio hingegen im Zelt. Zu dritt hätten wir im Auto keinen Platz gehabt. Da wir wissen, dass es nachts auf dem Gelände sehr kalt werden kann, wollten wir Theo nicht im Zelt schlafen lassen. Außerdem hört man nachts ab und zu noch laute Musik vom Festival, wobei ich normalerweise Oropax benötige. Seitdem Theo da ist kann ich die nicht mehr nutzen. Sofern er wach ist, sollte ich das ja hören können. Wir haben uns also auf Bus und Zelt verteilt und tagsüber Theo auf einer Decke an Sergios Stand zum Schlafen gelegt. So war der Plan und das hat gut funktioniert. Da ich keinen Kinderwagen mitnehmen wollte, hatten wir die Trage für Theo dabei, um ihn abends schlafend noch mitzunehmen. Mit kam der Gedanke, mit dem Kinderwagen über das Gelände zu fahren, sehr albern vor. Ich dachte, man erklärt mich für verrückt, wenn ich das Teil über die Buckelpiste zerre. Im Endeffekt war ich gefühlt die einzige Mutti ohne Kinderwagen. Und es hat sich als äußerst schwierig herausgestellt den kleinen Mann in der Trage am Schlafen zu halten, sofern die Außentermperaturen nicht unter 25 Grad gingen. Es war ihm schlichtweg zu warm. Zu meiner Beruhigung konnte ich mir nur immer wieder sagen, dass unser Kinderwagen die Buckelpiste auf dem Gelände nicht gut gemeistert hätte und ich ganz schön Probleme gehabt hätte, nicht äußerst angestrengt das vier-rädrige Vehikel von A nach B zu transportieren. Galant wie ein Gazelle wollte ich mich über das Gelände schwingen und Theo dabei leicht in meinen Armen tragen. Beim „leicht in den Armen tragen“ ist es mehr oder weniger geblieben, auch wenn das Kind gern von der – doch ausladenden – Hüfte runtergerutscht ist. Galant habe ich mich bei 30 Grad im Schatten allerdings nicht gefühlt. Zumindest nicht, sofern ich das schützende Wäldchen verlassen und die pralle Hitze der Zeltwiese betreten habe. Alles in allem muss ich sagen, dass die klimatischen Umstände das einzige waren, was unserem Wurm zu schaffen gemacht hat. Er hat das ganze wirklich gut gemeistert. Ich erinnere mich, dass ich Jahre zuvor Leute mit Babies in der Trage samt Kopfhörern auf den Ohren wild tanzend im Weidenrutenpalast beobachtet habe. Ich hatte damals eine sehr kritische Meinung dazu und dachte mir, dass man mit so einem kleinen Kind eben nicht alles machen kann, was vorher selbstverständlich war. Heute kann ich gar nicht sagen wie ich dazu stehe. Ich bin nicht der Typ dafür mit meinem schlafenden Baby in der Trage wild zur Musik zu hopsen. Und doch war ich auf dem Festival, was für andere wiederum ein no-go ist. Sergio und ich sind uns einig, dass eheo seinen Ruheraum braucht, aber wir sehen uns niccht in der VErfassung, von nun an jeden Abend 18:00 brav zu Hause zu sein. Wir leben unser Leben weiter und Theo lebt mit uns mit. Dass sich dabei Dinge geändert haben ist klar. Und doch gehen wir abends auch mal essen und nehmen ihn im Kinderwagen mit, lassen ihn dort schlafen oder verschmerzen, dass er später ins Bett kommt. Das passiert nicht oft, aber wenn es so ist, dann ist das für uns auch mal okay.

Das, was ich mir für dieses Wochenende gewünscht hätte, wäre, mehr Zeit mit alten Bekannten gehabt zu haben. Mir ist es gelungen Theo in der Trage abends zum Schlafen zu bringen. Dort schlief er ruhig und friedlich vor sich hin, irgendwann zappelte er jedoch unruhig hin und her, wollte aus dem Schwitzkasten raus und zwang mich dazu, mich zum Bus zurück zu ziehen. Das war in etwa so gegen 22 Uhr und ich saß gerade gemütlich an der Bar mit Menschen, die ich lange nicht gesehen hatte. Mir blieb nichts anderes übrig, als mich zu verabschieden. Diesen Punkt fand ich sehr schade für mein Wohlbefinden an dem Wochenende, aber es hat mich auhc nicht dermaßen gestört, dass ich sagen würde, ich habe etwas verpasst. Den Kinderwagen neben uns zu stellen wäre mir auch komisch vorgekommen, also war dies der Preis, den ich zahlen musste. Froh war ich darüber, dass in dem Moment andere Freunde gerade auf dem Gelände ankamen und unsere Zeltstelle suchten. Ich begleitete sie also dorthin, sie bauten gemütlich auf und wir saßen noch vor den Zelten und schwatzten etwas miteinander. hier konnte ich Theo ganz entspannt in seinem Schlafsack im Bus liegen lassen und mich auf die Unterhaltung mit den anderen konzentrieren. Am zweiten Abend waren starke Gewitter angesagt, sodass alle aus dem Wäldchen evakuiert wurden und sich in die Autos zurück zogen. Somit konnte ich Theo entspannt ins Bett legen und gleichzeitig mit Freunden Zeit verbringen.

Insgesamt muss ich sagen, dass wir die Zeit draußen gerade sehr genießen und demnach das Festival ein guter Ort war. Das Wetter macht es einem einfach eine tolle Zeit an der

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Foto by Tom Ritschel

frischen Luft zu verbringen. Ich gebe zu, oftmals war die Luft nicht unbedingt frisch, sondern eher drückend und heiß. Aber in der Wohnung konnte man sich ebensowenig aufhalten, also zog es mich ehr nach draußen. Meist an den See. Beim Auerworld wollten wir eigentlich bis Montag bleiben und das Fest am Sonntagabend mitnehmen und entspannt die Zeit ausklingen lassen.  Aufgrund der Hitzen entschieden wir jedoch am Samstag bereits am nächsten Abend Heim zu fahren, um Theo wieder etwas mehr Normalität und gewohnte Umgebung zurück zu geben. Die vielen neuen Eindrücke, die frische Luft und die mehr oder weniger bekannten Gesichter brachten viel Aufregung für den kleinen Mann mit sich. Im Auto auf der Rückfahrt fragte mich meine Kusine, ob wir finden, dass wir ihm zu viel zugemutet haben. Sie ist selbst Erzieherin in einem Waldkindergarten und hat demnach ein wenig Ahnung was kleine Kinder angeht. Ich musste über meine Antwort kurz nachdenken, überlegen, wie ich Theo über die Zeit hinweg wahrgenommen habe, um anschließend antworten zu können. Er hatte einen Rhythmus, auch wenn wir nicht zu Hause waren. Er hat seine Ruhepausen bekommen und genutzt. Er hat die Nacht gut geschlafen und wurde nicht übermäßig von anderen Festivalgästen dabei gestört. Er hat wenig Lärm abbekommen, da wir uns mit angemessenen Kopfhörern vorbereitet haben. Einzig und allein das Wetter konnte ich nicht beeinflussen und ich finde, auch das hat er wunderbar ertragen. Also antwortete ich meiner Kusine, dass ich nicht finde , dass wir ihm zu viel zugemutet haben. Sie ging kurz in sich und bestätigte meinen Eindruck, was mich sehr freute. Ich habe auf diese Einschätzung viel Wert gelegt und auch sie empfand ihn als ausgeglichen, fröhlich und entspannt. Ebenso die Entscheidung, doch schon Sonntagabend zurück nach Hause zu fahren, konnte sie begrüßen.

Was nehmen wir also von der Zeit dort mit? Das Auerworld Festival ist ein dankba

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Foto by Tom Ritschel

rer Ort, um Zeit mit der ganzen Familie an der frischen Luft zu verbringen, zu basteln, zu toben und der Musik zu lauschen. Man hat keinen Handyempfang und kann sich einfach mal voll und ganz auf die Umgebung konzentrieren, Tischtennis spielen oder an Gesprächsrunden teilnehmen. Und auch wenn Du keine Lust hast zu basteln, zu oben oder auch zu tanzen. Am Weidenrutenpalast, der die Hauptbühne des Festivals darstellt, lässt es sich hervorragend in den Tag hinein leben und die Seele baumeln lassen.

Dich hat das Festival neugierig gemacht? Dann schau doch mal hier und lass Dich überzeugen: Es ist einen Besuch wert.