Was ist da los?

Der Sommer ist vorbei und damit auch die Möglichkeit, sich im Park oder am See auf die Wiese zu setzen und das warme Wetter zu genießen. Auch wenn der Boden noch keinen Frost erlebt hat, so ist es doch insbesondere für Babies nicht ratsam, sie lang auf dem Boden liegen oder sitzen zu lassen. Da unser Wurm noch nicht auf zwei Beinen unterwegs ist, sondern kraftvoll über den Boden robbt, fällt ein Besuch im Park außerhalb des Wagens einfach flach. Um jedoch nicht ausschließlich in den eigenen vier Wänden zu verweilen, befürworte ich die Option, Cafés wahrzunehmen, die auch eine Ecke für die Kids eingeplant haben. Hier muss ich nicht meine Woohnung aufräumen, nachdem 3 Kinder ihre Spuren hinterlassen haben. Ich kümmere mich einfach darum die Spielsachen wieder zu verstauen und lasse meine Tasse jemand anderen abwaschen.

In Potsdam gab es bei uns in der Straße ein Café, welches bezogen auf die Größe des Ladens richtig viel Platz für die Kleinen eingeräumt hat. Das Ergebnis war, dass man insbesondere am Wochenende – vor allem wenn es draußen nass und/oder kalt war – mit mehr Lärm und Trubel im Geschäft rechnen musste. Ein Buch lesen und gemütlich den Kaffee dzu zu trinken war beinah nicht möglich. Unglaublich viele Familien waren anwesend. Kinder jede Alters stolperten durch das Café, spielten in allen Ecken und die Eltern genossen die Zeit dort sehr. Was mir daran nicht so gut gefallen hat, war, dass die Kids oftmals quer durch den Laden krabbelten und die Eltern sie einfach machen ließen. Als Kellner*in benötigte man Fingerspitzengefühl im Umgang mit dem Tablett, denn gleichzeitig der Blick zum Fußboden musste sitzen. Mein Mann hat eine zeitlang dort gearbeitet und ärgerte sich darüber, wenn die Kinder ihm zwischen den Füßen rumkrochen. Ich finde, es ist ein Luxus, wenn ich mein Kind außerhalb meiner eigenen vier Wände ablegen und gleichzeitig einen Kaffee genießen kann. Jedoch bin ich der Meinung, dass ich nach wie vor die Verantwortung trage und nicht einfach alle anderen jonglieren lasse. Seinen Ärger am Abend konnte ich gut nachvollziehen und somit hat er mich sensibilisiert, mehr darauf zu achten.

Ja, das Café war stets gut besucht – nun hat es leider geschlossen. In der Innenstadt Potsdams öffneten innerhalb des letzten Jahres noch zwei weitere Cafés. Sie bezeichneten sich selbst als „Eltern-Kind-Café“. Erst da habe ich diese Art des Konzeptes kennen und schätzen gelernt. Die Kombination aus selbst gebackenen Kuchen, optional dem Angebot zu frühstücken, einen Kaffee zu trinken und meine Kinder im geschützten Raum einer Spielecke beruhigt ablegen zu können, erschien mir als der Himmel auf Erden für alle Eltern. Klar, ohne Kind muss man sich nicht an sowas orientieren. Und während ich nun eindeutig schmerzfrei bin und den kleinen Mann überall ablegen würde, ohne mir da unnötig viele Gedanken zu machen, so finde ich es doch angenehmer, schlängelt er sich nicht zwischen tausend Füßen und Stühlen hindurch. Die beiden „Eltern-Kind-Cafés“ in Potsdam besaßen jeweils eine Spielecke und gern auch die Option, dass die Angestellten, sofern der Betrieb im Laden es zuließ, die Kinderbetreuung übernehmen. Letzteres ist mir nicht einmal wichtig. Aber die räumlich getrennte Spielecke von dem Bereich des regulären Café-Publikums ließ eine Vermischung nicht zu. Somit konnten die Mitarbeiter*innen entspannt den Blick an das Tablett haften und die Eltern ihre Kids machen lassen, sie beobachten oder mit in der Ecke sitzen und spielen. Ganz so, wie es ein jeder brauchte und wollte.

In Leipzig habe ich nun gelernt, wie luxuriös diese Art des Cafés tatsächlich ist. Während ich davon ausging, dass jede größere Stadt soetwas besitzt, wurde ich hier eines Besseren belehrt. Mehrere Male habe ich schon gesucht. Jedes Mal beim googlen bin ich auf ein Angebot gestoßen, habe mich gefreut, versucht mehr zu erfahren und bin am Ende enttäuscht darüber informiert worden, dass sie bereits geschlossen haben. Wie kann es sein, dass eine Stadt mit mehr als einer halben Million Einwohner*innen, einem unglaublichen Zuzug und einer enorm hohen Geburtenrate kein Angebot hat, wo sich Eltern entspannt zum Kaffee treffen können? Ist das Konzept nicht rentabel? Ich kann mir vorstellen, dass Muttis in Elternzeit stundenlang dort sitzen, an einem Kaffee schlürfen und den Platz für weitere Kundschaft und mehr Umsatz nicht frei machen. Ich kann mir vorstellen, dass dies ein Grund ist, warum sich spezielle Cafés für Familien nicht halten. Und doch finde ich es sehr schade. Jedes Mal, wenn ich einen Versuch starte, werde ich gnadenlos enttäuscht. Zuletzt an einem äußerst grauen und windigen Tag: ich wollte mich mit einer Freundin treffen. Sie schlug das Café vor, wir beide recherchierten. Es gab eine Seite bei Facebook. Eine Homepage noch dazu. Nirgends stand, dass es geschlossen wäre. Es sollte sogar Workshop-Angebote für Kids geben. Das klang für meine Freundin besonders spannend, denn sie hatte zwei Kinder und die Große war bereits 3. Als wir an der Adresse ankamen, standen wir vor einem Haus, welches derzeit komplett saniert wurde. Keine Bewohner*innen, kein Café, kein Schild mit einem Hinweis auf „Sorry, wir sind umgezogen/nicht mehr da/einfach verschwunden…“. Nix. Ein harter Schlag. Am Ende landeten wir im Theatercafé und machten den Laden voller Stühle und Menschen zu unserer Spielecke.

Was ist da los liebes Leipzig? Ich habe bisher ein einziges Café gefunden, welches für ein Verweilen mit kleinen Kindern geeignet ist. Jedoch sprechen die Preise gegen einen längeren Aufenthalt oder den Konsum mehrerer Angebote auf der Karte. Schade eigentlich. Und während wir hier in der Stadt echt happy sind, ist das ein großes Makel, welches mir bis heute nicht einleuchten will. Da bleibt nur noch „selber machen“, doch ist meinFrust noch nicht groß genug, als dass ich nun entscheiden würde, stolze Betreiberin eines „Eltern-Kind-Cafés“ zu werden. Lieber flüchte ich in 2 Wochen auf die sommerliche Südhalbkugel und umgehe das Krabbelalter im Herbst und Winter. Wenn wir zurück kommen, ist vielleicht schon ein aufrechter Spaziergang möglich.