Gefrorenen Füße und frische Waren – alles, was das Herz begehrt!

Torres del Paine und die Atacama-Wüste. Pisco und Lamas. Vulkane und der Pazifik. Man findet etliche Dinge, die Europäer dazu bewegen, Chile zu

besuchen. Und dabei hat das Land einer Länge von mehr als 4000km so viel mehr zu bieten, als „nur“ diese Touristenattraktionen.

Letzte Woche waren wir in Curanipe. Dieser beschauliche Ort der 7. Region Chiles, genannt Region Maule, hat so viel zu bieten: Landleben, Fischerei, Meer und ein Mix aus Wind und Sonnenschein. Wir hatten uns für unseren Kurztrip eigentlich La Serena ausgesucht: viel weiter nördlich, sonnig und warm. Jedoch war uns ein campen in der prallen Sonne für eindeutig zu viel Geld zu teuer.

Wir fuhren also nach Curanipe, 3,5 Stunden südlich von Rengo, wo meine Schwiegereltern wohnen. Diese kurze Zeit im Auto war angesichts der momentanen Hitzewelle eindeutig machbar. Es ist insbesondere für den kleinen Mann im Kindersitz unangenehm zu Reisen, sodass wir das auf ein Minimum beschränken und trotzdem eine schöne Zeit haben wollten.

Wir mieteten uns folglich eine Ferienwohnung über Airbnb. Als i-Tüpfelchen bot diese eine Art Badewanne vor der Tür an. Diese wird mit Holz angeheizt, sodass man bei warmem Wasser das Rauschen des Meeres im Hintergrund genießen und entspannen kann. Ein kleiner Luxus, den wir uns buchten und zweimal innerhalb der Woche genossen. Außerhalb der Wanne reisten wir im Auto jeden Tag an diverse Orte, erkundeten die Region und freuten uns, dass sie eindeutig kaum touristisch erschlossen ist. Viele Einheimische reisen an und verbringen den Sommer dort. Doch Touristen findet man selten. Damit ist die Region Maule auch nicht zwingend auf den Umgang mit anderen Sprachen vorbereitet, man bekommt jedoch einen ungeschminkten Eindruck des Lebens der Menschen vor Ort.

Jeden Tag aßen wir Ceviche, ein Gericht bestehend aus Fisch oder Meeresfrüchten, Zitronensaft und Koriander. Ein must have für jeden, der nach Chile oder Peru reist. Ich habe mit meinem Mann bereits in Deutschland ein paar Mal Ceviche zubereitet. Jedoch ist diese niemals vergleichbar mit der, die wir hier serviert bekommen. Es ist einfach unbeschreiblich, wie sich der Geschmack einer Speise ändert, sobald die Zutaten lokal sind. Curanipe eindeutig eine Region der Fischerei. Das Schauspiel des Starts der Fischerboote am frühen Abend durften wir mehrfach beobachten. 17 Uhr startet die Schicht, bei Sonnenaufgang kommen sie beladen zurück vom Meer. Eine lange Nacht, die uns ermöglicht, lecker zu speisen.

Was uns beim Planen der Reise nach Chile am meisten erfreute, war der Geschmack der Lebensmittel. Uns tropfte der Zahn beim Gedanken an süßes Obst, knackiges Gemüse und schmackhaften Fisch. Das Gefühl der nach Deutschland importierten, geschmacklosen Ware frustriert eindeutig. Dabei handelt es sich um unreif gepflücktes Obst, gefrorenen Fisch und fad schmeckendes Gemüse. Der Gedanke, dass wir bald wieder Teil dieser furchtbaren Lebensmittelindustrie Deutschlands sein werden, macht mich etwas traurig. Hingegen ist es bei uns einfacher, Produkte zu finden, die nichts mit Nestlé zutun haben. So hat jedes Land sein Gutes und wir genießen die Zeit, die uns bleibt.

Während wir innerhalb der Woche unseren Fleischkonsum bei der Familie über die Feiertage mit Fisch und Meeresfrüchten kompensierten, besuchten wir zwei Nationalparks, erkundeten Naturdenkmäler und relaxten am Strand. Da wir uns vor Theos Geburt vornahmen, weiterhin wandern zu gehen, landeten die Trekkingschuhe ganz selbstverständlich im Gepäck. Da sich jedoch eine Wanderung von mehren Stunden mit einem Kleinkind auf dem Rücken nicht realisieren lässt, suchten wir kürzere Routen. Jeweils etwa maximal 2 Stunden stapften wir durch die Nationalparks und genossen es, dass der Jüngste schlafend etwas entspannen konnte. Als Kontrastprogramm dazu verbrachten wir den Nachmittag am Strand.

Nun müsst Ihr wissen, dass der Pazifik nicht zwingend ein Badeparadies darstellt. Im Norden Chiles ist das Wasser angenehm warm – sagt man mir immer -, hier jedoch merkt man, wie einem die Füße gefrieren, während man darauf wartet, dass die Welle vorbei rauscht. Ein Paradies für Surfer erstreckt sich über mehrere Kilometer. Der Wind ermöglicht jedem Liebhaber des Wassersports zahlreiches Wellenreiten, uns hingegen wurden interessante Einblicke gewährt. Theo für seinen Teil interessierte sich weniger für Surfer oder Fischerboote. Er war auch hier einfach nur verrückt nach dem kühlen Nass. Völlig egal, dass das Wasser einem Glas Eiswürfel gleichende Temperaturen annahm. Er war nicht aufzuhalten und steuerte ohne Halt immer wieder in Richtung Welle.

Wir reisten zu viert, mit meiner Schwägerin, die momentan Semesterferien hat. Somit hatten wir gleich eine weitere Spielkameradin für den Jüngsten mit an Bord. Am Wochenende kamen meine Schwiegereltern zu Besuch, da die Hütte genug Platz für alle bot. Alles in allem verbrachten wir eine unglaublich schöne Woche dort. Eine Region, die mir bisher vollkommen unbekannt war und mir stets im Gedächtnis bleiben wird. Sofern ich irgendwann Mal wieder nach Chile zurückkehre, dann kann ich mir vorstellen dort dort zu leben.