Nicht bis zu Ende gedacht

UnbenanntJa, so ein Gesicht mache ich auch, wenn ich daran denke einen Betreuungsplatz für meinen Sohn zu finden. Die Stadt Leipzig hat extra eine Internetseite eingerichtet, auf der sich alle Eltern registrieren sollen, die einen Betreuungsplatz für ihr Kind suchen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen Krippen- oder Kindertagesstättenplatz handelt. Man gibt die Daten des Kindes an, sagt, ab wann es betreut werden soll und wählt verschiedene Einrichtungen aus, die einem zusagen. Maximal 5! Als wir nach Leipzig gezogen sind, war Theo bereits 6 Monate alt. Bevor man eine Meldeadresse in Leipzig hat, kann man sich im Portal nicht anmelden. Wir hingen also von Anfang an schon ziemlich hinterher. Hinzu kommt, dass er auch noch im Winter geboren wurde, wobei die Kitaplätze doch meist zum Herbst, also mit Einschulung der großen Kinder, vergeben werden. Mir leuchtet ein, dass es sich hierbei um ein Nachrutschen handelt und erst neue Kinder kommen können, wenn alte gehen und sich somit ein Kreislauf schließt. Aber dass ich mir nun auch noch überlegen soll, wann mein Kind wohl am besten geboren werden müsste, um an dieser Stelle meinen Partner Bereitsein zu animieren, das leuchtet mir dann eher nicht mehr ein. So macht das keinen Spaß kann ich Euch sagen und klar ist, dass Leipzig dabei kein Einzelfall ist. Die Situation in Deutschland ist verherend und das ist traurig mit anzusehen. Eine Freundin von mir in den Niederlanden weiß, dass sie Ende Juni ein Kind bekommt. Sie weiß ebenso, dass ihr 3 Monate Elternzeit zustehen. Sie hat bereits jetzt – im Februar – einen Kitaplatz für Ende Januar des kommendes Jahres klar gemacht. Bei uns heißt es, man soll sich bitte erst nach der Geburt des Kindes melden. Kann ich auch verstehen, dass keine Kita hysteriche Schwangere in Scharen vor ihrer Haustür stehen haben möchte. Aber weniger Anfragen werden es damit trotzdem nicht. Die Anzahl der geborenen Kinder bleibt an dieser Stelle gleich. Und es geht noch weiter: letzte Woche lernte ich eine Mutter kennen, deren Sohn 2 Monate älter ist als Theo. Sie weiß, dass ihr Sohn einmal in die Waldorfschule gehen soll, da sie selbst Waldorfpädagogin ist. Nun wurde ihr mitgeteilt, dass die Klasse, die für ihren Sohn in Frage kommen würde, bereits beinah gefüllt ist. Der junge Mann ist 16 Monate alt. Wir sprechen hier also von einem Einschulungsdatum frühestens im Jahr 2024. Und schon heute ist klar, dass seine Chancen, dort einen Platz zu bekommen, gleich null sind. Ist das nicht traurig?

Und wie ich so weiter in meinem Online-Portal surfe und auf die nächste Absage warte, überlege ich mir, welche Einrichtung noch in Frage kommen könnte und meine Top 5 komplettiert. Hoffentlich ist es an dieser Stelle eine Einrichtung, die auch das Portal nutzt. Denn das kommt noch hinzu: Nicht alle in der Liste aufgeführten Einrichtungen arbeiten mit dem Programm. Manche wünschen ein persönliches Vorstellen. Andere wollen, dass Du sie telefonisch kennenlernst. Einige bieten einen Infoabend an, der gleichzeitig als Interessenbekundung dient und so weiter. Und während ich alle Einrichtungen im Umkreis anrufe und erfrage, wie sie es denn gern hätten, stelle ich mir vor, dass das alle Muttis tun. Wer also kümmert sich um die Kids, wenn die Mitarbeiter_innen nur noch verzweifelte Mütter beruhigen müssen? Wer erledigt den Papierkram, der bei einer Leitungsposition in der Kita anfällt, wenn die zuständige Person telefonisch Fragen beantwortet? Da läuft eindeutig etwas ganz schön verkehrt in unserem System und das lässt mich ganz schön doof gucken. So wie das Mädchen auf der Startseite des Elternportals. Unbenannt