Fliegen ist nicht gleich fliegen!

Es gibt verschiedene Wege, die uns nach Chile führen. Nagut, nicht gleich Wege, aber Anbieter. Ich bin bisher ein paar Mal mit TAM geflogen, meistens aber mit KLM und Air France. Beide Fluggesellschaften gehören zur gleichen Gruppe, man könnte also meinen, dass der Service identisch ist. Dem ist aber nicht so. Bei unserer letzten Reise ist dies ganz besonders deutlich geworden. Wir haben den Hinflug mit Zwischenstopp in Paris mit Air France bestritten, den Rückflug nach einer Tankladung in Buenos Aires und Zwischenstopp in Amsterdam Dank KLM gemeistert. Ich dachte ich gebe Euch mal einen Überblick über die einzelnen Details, die uns beim Fliegen mit Kleinkind aufgefallen sind und demnach für Eure Planung von Bedeutung sein könnten.

Vorab wussten wir, dass man für Babies ein Bett reservieren kann. Wir haben also ganz normal unsere beiden Sitzplätze gekauft und im Anschluss bei der Fluggesellschaft „Air France“ angerufen, um mitzuteilen, dass wir mit einem Baby reisen und ein Bett benötigen. Man ließ uns glaube ich etwa 40 Euro bezahlen und somit sollte alles geregelt sein. Es gibt ein paar Plätze im Flugzeug, an denen kann man an bestimmte Halterungen an der Wand Betten anbringen. Dies gilt für Kinder, die maximal 10kg wiegen und nicht größer als 70cm sind. Auf unserer Hinreise trafen diese beiden Kriterien auf Theo zu. Für die Rückreise hofften wir, dass es ebenso klappen könnte. Aber dazu später mehr. Wir saßen beim ersten Flug in der ersten Reihe hinter der Business Class, bekamen nach dem Start ein Bett in die Halterung der Wand montiert und zugesichert, dass uns jemand ein Abendessen für unser Kind bringt. Zusätzlich zur Angabe des Reisens mit einem Baby wird außerdem in der Reservierung vermerkt, dass man Verpflegung für das Kind bekommt. Da wir in Paris 23:50 Uhr starteten bekamen wir ein spätes Abendessen, um uns an chilenische Zeiten zu gewöhnen. Das Abendessen für Theo ließ jedoch auf sich warten. Man hatte uns schlichtweg vergessen und somit teilten wir unser Abendessen durch drei und versorgten den kleinen Mann zusätzlich mit Brot, welches wir dabei hatten. Versteht mich bitte nicht falsch, ich reise niemals ohne ausreichende Verpflegung für den kleinen Mann. Beziehungsweise sorge ich für jegliche Eventualitäten. Jedoch ging ich davon aus, dass ich bekomme, wofür ich bezahle. Dies war an dieser Stelle nicht der Fall. In dem Bett selbst hat er etwa 4 Stunden am Stück geschlafen, anschließend lediglich mal eine Stunde hier, mal 30 min da in unserem Arm gelegen und geruht. Die 14 Stunden wurden folglich sehr lang für uns, und wir waren sehr müde, als wir ankamen. Mit Blick auf diesen Umstand, hat Theo wirklich kein großes Theater gemacht. Da kann ich mich wirklich nicht beschweren. Er hat uns in Beschlag genommen, jedoch nicht zwingend andere Fluggäste gestört. Ich kann mir auch vorstellen, dass das Bett wirklich unbequem war. Es war etwas kleiner als er und er musste angeschnallt werden, sobald er drin lag. Hinzu kommt, dass man die Kids rausnehmen muss, sobald das Flugzeug Turbulenzen durchfliegt. Dann nimmt man sie auf den Schoß und schnallt sie mit dem extra für Kinder gebrachten Gurt am eigenen Gurt fest. Zum Glück kam dies nicht allzu oft vor und doch schlief er sehr unruhig, konnte sich nicht drehen und hat gemeckert. Wir hatten einfach keine gute Phase erwischt. Die Nächte waren auch bei uns zu Hause sehr unruhig. Was da ab und an half, war Stillen. Vorab wusste ich, dass man die Kids insbesondere bei Start und Landung stillen soll. Schlucken sollten sie, damit der Druck auf den Ohren vergeht. Ich hatte Sorge, dass er wirklich damit zu kämpfen hat. Und er hat mich wieder einmal überrascht: Er hat nicht einmal gezuckt wenn das Flugzeug startete oder landete.

Als bereits erprobte Langstreckenfliegerin weiß ich, dass das Flugpersonal nachts nicht mehr durch die Gänge geht, Essen anbietet oder Mitbringsel verkauft. Es gibt jedoch diverse Stationen in den Flugzeugen, an denen man Getränke und Snacks bekommen kann. So kann man sich im Falle eines kleinen Hungers gut versorgen. Während das Frühstück folglich lange auf sich warten ließ, aßen alle Passagiere jegliche Snacks restlos auf und trotzdem knurrten die Bäuche. Anhand des verputzten Stocks an Kleinigkeiten wusste ich, dass es anderen ähnlich ging wie uns. Alle waren hungrig, lenkten sich mit Filmen ab oder versuchten, den Schlaf zu verlängern. Lange wurde die Mahlzeit zubereitet, es roch köstlich nach Kaffee und wir saßen in der ersten Reihe nicht unbedingt an der Stelle, an der man als erstes bedient wird. Wir waren wirklich hungrig, als die Stewardess irgendwann zu uns kam und unser Frühstück brachte. Mit Blick auf Theo erinnerte sie sich, dass wir ja zu dritt reisten und zauberte ein Kinder-Menü hervor. Das hätte es wohl am Abend zuvor geben können, denn so richtig nach Frühstück sah das nicht aus. Ein Tablett eingschweißt in Plastikfolie, darunter befand sich ein Gläschen Brei des Geschmacks Möhre, Fleisch und Reis. Dazu gab es einen weißen Joghurt, gesüßt mit Zucker. Ein weiterer Becher war Apfelmus, extra nachgesüßt. Dann gab es ein trockenes Brötchen, für das wir Theo sehr begeistern konnten und ein Päckchen mit Keksen. Kekse derart, die man zur Zubereitung von Tiramisu verwendet: mit einer dicken Schicht Zucker drauf! Alles in allem eine echte Enttäuschung. Oder ein Einblick in den Ernährungsplan von Kindern in Frankreich? Ich weiß es nicht. Ich verschenkte folglich mein Brötchen mit Butter an meinen Sohn und aß einen gesüßten Joghurt mit gesüßtem Apfelmus und gezuckerten Keksen zum Frühstück. Wenigsten blieb mir mein Kaffee. Guten Appetit.

Der Rückflug präsentierte sich von einer etwas anderen Seite. Ich hatte bereits vorab erfahren, dass man bei „KLM“ kein Babybett buchen kann. Man muss sich vorab am Flughafen melden und erfragen, ob es eins gibt. Das war mir jedoch alles etwas zu heikel, also versuchte ich ein paar Tage vor Abreise, ob ich nicht etwas in Erfahrung bringen konnte. Ich fand eine Telefonnummer, die mich zu einem WhatsApp-Chat führte und bekam innerhalb weniger Stunden die Antwort, dass unser Kind älter als ein Jahr ist und damit keinen Anspruch auf ein Babybett hätte. Hinzu schickte man mir einen Link zur Internetseite, auf der ich alles bezüglich Verpflegung der Babies im Flugzeug nachlesen konnte. Dies hatte ich bereits getan, wollte jedoch gern etwas genauere Infos direkt bezogen auf unsere Buchung bekommen, denn im Internet stand, dass wir Babynahrung bekämen. „Stimmt“, antwortete mir der oder die Unbekannte auf diesen Hinweis und wir verblieben folglich im Nichts. Die Bewertung der Beratung habe ich mir schlussendlich gespart, denn befriedigend war das nicht. Aber was hatte ich auch erwartet, wenn ich eine Nachricht per WhatsApp verschicke? Ich hatte einfach keine Lust darauf in der Warteschleifen-Hotline der Airline zu versauern und teuer zu bezahlen. Chat-Beratungen sind in dem Fall kostenlos, erfahren habe ich allerdings nichts dabei. Die Webseite weist darauf hin, dass Kinder ab 2 Jahren ein spezielles Kids-Menü erhalten können. Dies besteht aus einem Mini-Burger und Pommes Frites. Großartig. Dann doch bitte lieber Pasta mit Tomatensoße. Aber da Theo nocht nicht zwei Jahre alt war, stand dies für uns eh nicht zur Debatte. Wir bereiteten uns also speziell darauf vor, dass wir für ihn nichts zu Essen bekämen und reisten folglich mit einem Gläschen selbst gekochtem Mittagessen für den ersten Tag, 3 Bananen, 2 Brötchen, Obstpüree, Hafermilch und Haferflocken. Wir wollten auf jede Eventualität vorbereitet sein, denn ich konnte zu dem Zeitpunkt auch nicht mehr Stillen. Deshalb mussten wir für Start und Landung ein Fläschchen vorbereiten können, welches ihm über das Druckgefühl hinweghalf. Eine sehr heikle Angelegenheit, denn irgendwann ist so eine Flasche leer, das Flugzeug jedoch noch nicht auf höchster Position angekommen. Aber was blieb uns anderes übrig. Gut am Reisen mit Kindern ist, dass man die Grenze des Mitführens von maximal zehnmal 100ml Flüssigkeiten komplett umgehen kann. Wir führten einen halben Liter Hafermilch mit und eine Termoskanne mit Wasser. Keine an der Kontrolle hat das interessiert. Sie ließen uns problemlos passieren. Das haben alle Flughäfen gemeinsam, egal ob wir innerhalb Chiles reisten oder interkontinental eincheckten.

Zurück zur Erfahrung auf dem Rückflug: Wie wir also wieder einmal als erste das KLM-Flugzeug bestiegen, wurden wir direkt freundlich von einer Stewardess begrüßt und beschenkt. Man brachte uns ein Lätzchen für Theo und ließ uns entscheiden, ob wir lieber einen Mittagsbrei (Pute mit Möhre und Reis) oder Apfelmus haben möchten. Beide Gläschen waren groß beschriftet mit „ohne Zucker und Konservierungsstoffe“. Ein Mittagsbrei sollte es werden, denn am folgenden Tag fehlte uns selbiges für ihn. Mein Mann fragte die Stewardess gleich, ob wir so ein Bett bekommen würden, sobald wir gestartet sind. Uns wurde dies ja per WhatsApp-Nachricht verwehrt, aber er dachte, er verucht es trotzdem. Sie nickte ganz freundlich und meinte, das wäre überhaupt kein Problem. Sie fragte uns, wie schwer Theo wäre und mit dem Hinweis, dass er 10kg wiegt, wies sie uns darauf hin, dass dies die Obergrenze wäre und gab uns das Bett. Es war größer als das auf der Hinreise und Theo schlief ganz wunderbar darin. Ja, er konnte sich trotzdem nicht drehen und wurde festgeschnallt und entnommen bei Turbulenzen. Aber alles in allem war es viel besser als beim ersten Mal. Aber auch an dieser Stelle gilt, dass wir eine bessere Phase mit ihm durchlebten, als beim ersten Flug. Er schlief ungefährt 8 Stunden, nicht ohne Unterbrechung, aber beinah am Stück, einen Teil davon auf meinem Arm. Er bekam nicht bei jeder Ladung oder jedem Start eine Flasche und er beschwerte sich auch nicht wegen dem Gefühl im Ohr. Es schien ihm nichts auszumachen. Wir schlossen diese lange Flugreise vergleichsweise ausgeruht ab, fühlten uns entspannter, da wir gut geschlafen hatten und konnten uns gut darauf konzentrieren, den letzten Abschnitt per Zug zurück zu legen. Während er bei Ankunft in Chile etwa 3 Tage brauchte, um nicht mehr quengelig zu sein, war er nach der Rückkehr schnell wieder der Alte.

Was kann ich nun als zusammenfassend sagen?

  • Ich war überzeugter und zufriedener auf der Reise mit KLM, möchte dies jedoch nicht verallgemeinern. Es hängt auch viel vom Status des Kindes selbst ab.
  • Ich kann nur jedem dazu raten lieber mit mehr Verpflegung zu reisen, als zu wenig. Nehmt außerdem lieber mehr Windeln mit, als zu wenig. Unsere Kalkulation reichte auf der Hinreise gerade so bis zum Entgegennehmen der Koffer. Wir hatten alle Windeln restlos aufgebraucht, die wir im Handgepäck hatten.
  • Traut Euch eine lange Reise mit Eurem Kind zu machen. Ihr werdet viele andere Familien treffen, die den gleichen Weg bestreiten, könnt Euch austauschen, kennenlernen und die Kinder miteinander in Kontakt kommen lassen.
  • Spart Euch das Geld und reist in den ersten 2 Jahren, ohne einen Sitz für die Kleinsten zu buchen. Sie sitzen eh meist auf Eurem Schoß oder laufen umher, sofern sie denn laufen können.