Vorbereitung ist alles: Wie plane ich meine Reise in Familie?

Langsam kehrt etwas Ruhe bei uns ein. Die letzten Handgriffe, um unsere neue Wohnung für uns so richtig perfekt zu machen, fehlen noch. Aber es ist beinah alles an seinem Platz und wir sind bereit Besuch zu empfangen. Damit ist es langsam an der Zeit unseren herannahenden Urlaub zu planen. Die grundlegenden Vorbereitungen sind bisher schon gelaufen: wir haben den Zeitpunkt für die Reise festgelegt und die Tickets gebucht. Ich habe hier mal in paar grundlegende Fragen gesammelt, die man sich bei jeder Reise stellen muss, besonders dann, wenn Kinder dabei sind.

Wie entscheidet man sich für einen Zeitraum?

Da wir weder an Schulzeiten noch Urlaubstage gebunden sind, war für uns dabei eines klar: wir legen den genauen Reisezeitraum in Abhängigkeit vom Preis fest. Irgendwann im März – nachts beim Stillen – habe ich die Flugpreise gesehen und bin fast ohnmächtig geworden. Es war sooo billig, dass wir dringend buchen mussten. Ich habe aufgeregt Sergio angestupst, welcher ja nur im Halbschlaf realisierte, was ich ihm sagen wollte. Am nächsten Morgen sagte er zu mir: „Ich habe heute Nacht geträumt, Du hast unsere Flugtickets gekauft!“ So viel ist also von meiner unglaublichen Entdeckung hängen geblieben: ich hatte Tickets für 400 Euro pro Person gefunden (hin und zurück zusammen!!)… Nunja, unser Plan war, Theos Geburtstag in Chile zu feiern. Da der geplante Entbindungstermin Ende Januar war, wollten wir entspannt Weihnachten dort verbringen, anschließend nach Silvester etwas reisen und zum Geburtstag zurück bei den Schwiegereltern eintrudeln, um mit ihnen gemeinsam den ersten Geburtstag zu feiern. Schlussendlich kam alles anders. Der junge Mann ist 6 Wochen eher zur Welt gekommen und wir feiern den ersten Geburtstag demnach mal eben eine Woche vor Weihnachten. Somit mussten wir unseren Reisezeitraum etwas abändern. Mit so viel Flexibilität kann man schlussendlich frei entscheiden und schauen, wann die Reise besonders günstig ist.

Wie reist man am besten mit Baby?

Diese Frage kann in unserem Fall dieses Mal schnell beantwortet werden: wir fliegen. Da unser Hauptziel definitiv Chile sein wird, fallen Reiseoptionen mit dem Auto und dem Schiff weg. Das eine, weil es keinen Sinn machen würde und das andere, weil es zu lang dauert. Da meine Schwiegereltern in Chile leben und wir diese besuchen wollen, bleibt uns also nur der Langstreckenflug mit Baby übrig.

Bei so einem langen Flug muss man sich überlegen, ob man einen Sitz für das Kind mitbucht oder nicht. Da Theo bei Hin- und Rückreise knapp ein Jahr alt sein wird, kann man, reist er auf dem Schoss mit, das Geld für ihn als Passagier einsparen. Man muss sich nur genau überlgen, ob man das möchte. Ich habe in den letzten Tagen mal etwas auf der Seite kidsaway.de gelesen. Dort gibt es einige Beiträge zum Them Flugreisen udn sie verweisen auch darauf, dass man mit Kindern sicherer fliegt, bucht man einen extra Sitz und bringt den Maxi Cosi oder ähnliches mit. Klar sitzt jedes Kind darin sicherer und fester als auf dem Schoss der Eltern. Und doch haben wir uns entschieden, dass wir dieses Mal den billigeren, aber nicht besseren Weg nehmen. Wir fliegen ziemlich lang (nämlich mindestens 18 Stunden) und sich dabei Tag und Nacht einen unbequemen Sitz zu teilen, ist nicht gerade einladend. (An dieser Stelle sei kurz erwähnt, dass selbst Langstreckenflüge nicht viel bequemer und größer sind in ihrer Ausstattung, als eine Maschine von RyanAir!)

Wie macht man das also, dass das Kind auf diese Art und Weise mitreist? Wir haben die Tickets für uns beide gekauft und angegeben, dass wir mit Baby reisen. Anschließend haben wir bei der Fluggesellschaft angerufen (in unserem Fall AirFrance) und ihn direkt angemeldet. Sie haben uns etwa 40 Euro vom Konto abgezogen und schon darf er mitreisen. Des Weiteren haben wir beschlossen, dass wir ein Bettchen buchen möchten. Für den Fall, dass Theo dies annimmt, kann er auf den jeweiligen langen Strecken zwischen Santiago de Chile und Paris in einem Bettchen liegen, welches vor uns in der Wand eingehakt wird. Auch hier verweisen kidsaway.de darauf, dass man bei einzelnen Turbulenzen das Kind stets aus dem Bett nehmen und festhalten müsste. Auf einem eigenen Sitz angeschnallt wäre dies nicht unbedingt nötig, wobei ich mir vorstellen kann, dass die Kids bei starken Turbulenzen auch ungern auf ihrem Platz sitzen bleiben wollen. Ein weiterer Contra-Punkt ist, dass manchmal kurz vor Abreise die Plätze nochmal anders verteilt werden und wir aufgrund irgendeines Notfalls doch nicht die Stelle mit dem Bettchen bekommen. Aber die Wahrscheinlichkeit ist da und wir probieren das mal auf – um am Ende hier davon zu berichten 🙂

Was muss man auf Reisen beachten?

Wir haben vorher lang hin und her überlegt. Ich war, nachdem ich 1 Jahr in Chile gelebt habe, bereits noch zwei weitere Male dort. Und ich weiß, dass ich auch in Zukunft noch sehr oft dort sein werde. Demnach ist mir immer wieder wichtig, dass ich auch noch andere Länder kennenlernen kann. Beim letzen Mal sind wir auf dem Rückweg in Sao Paulo ausgestiegen und haben ein paar wundervolle Tage auf Ilhabela verbracht. Einfach herrlich. Dieses Mal mit Theo gemeinsam etwas zu finden war gar nicht so einfach. Die umliegenden Länder sind durch die Anden sehr hoch gelegen oder im Falle von Argentinien für Sergio durchaus uninteressant. Wir haben hin und her überlegt, wie wir es machen können: Peru oder Ecuador? Wäre Bolivien eine Option? Kolumbien ist zu weit weg und damit zu teuer für einen Trip dorthin. Alle anderen Länder sind ebenso nur teuer zu erreichen. Beim Check der Flugpreise kam letztendlich nur Peru in Frage, um die Urlaubskasse nicht unnötig zu belasten. Bei Höhenmetern von über 2000m und der Regenzeit bei unserer Abwesenheit macht es das jedoch nicht unbedingt attraktiv. Oft haben wir gelesen, dass Babies und Kleinkinder die Höhe gut vertragen. Wir wissen jedoch, dass Sergio das nicht tut. In Bolivien 2013 ging es ihm eine Nacht so schlecht, dass ich drauf und dran war, den Notarzt zu rufen. Sofern es also einem von uns nicht gut geht, wollte ich gern selbständig sein und umkehren können, wenn es nicht geht. Das klappt aber nicht, wenn man mit einem Reisebus unterwegs ist. Da die Flüge am günstigsten sind, würden wir in den Norden Chiles fliegen und dann mit dem Auto übersetzen, zogen wir auch diese Variante in Betracht. Doch keine Autovermietung erlaubt, dass man mit chilenischem Kennzeichen nach Peru, Bolivien oder einem anderen Land fährt. Auch der Gedanke nach Bolivien zu fliegen und insbesondere das Paradies „isla del sol“ zu besuchen, wurde von uns wieder verworfen, da wir hätten Campingausrüstung mitbringen müssen. Wir reisen so schon mit ausreichend Gepäck für die Zeit, sodass wir darauf gern verzichten wollten.

Wie rum wir es auch drehten, es sah schlecht aus, dass sich mein Wunsch nach dem Kennenlernen eines anderen Landes, erfüllen würde. Nun haben wir uns so geeinigt, dass wir in Chile mit dem Auto unterwegs sein werden und ein paar Tage von der südlichsten Stadt aus rüber fahren nach Argentinien und dort in Feuerland unterwegs sind. Darauf freue ich mich ganz besonders, denn als ich Bilder von dort gesehen habe, war ich sofort interessiert. Nun müssen wir zu unserer Sommergarderobe also noch dicke Jacken packen, denn dort kann es richtig kalt werden. Aber da wir hier im Winter starten und landen, sind wir eh gut ausgestattet.

Was gehört in die Reisetasche bzw. was haben wir bisher?

Zu allererst ein Reisepass. Und das für uns alle drei. Ich habe nachgelesen und gelernt, dass man für Reisen in die USA auch für Kinder einen normalen Reisepass benötigt. Sonst ist ein Kinderreisepass ausreichend. Sofern man über die USA nach Chile fliegt, sind zwar die Flüge billiger, aber die Abfertigung ist anstrengender, bis man endlich weiterreisen darf. Demnach haben wir nie den Weg über Nordamerika gewählt, sondern stets mit Zwischenlandung in Europa und/oder Brasilien. Am meisten lächel ich heute noch über das biometrische Passbild, welches von meinem 6 Monate alten Sohn gemacht wurde. Dieses haftet nun in einem Kinderreisepass (der übrigens direkt ausgestellt und mir nach dem Bezahlen von 13 Euro sofort überreicht wurde) für die nächsten 6 Jahre. Am Rande sei hier erwähnt, dass wir beim Buchen der Übersee-Flüge nicht nach irgendwelchen Passdaten gefragt wurden. Als wir jedoch einen Inlandsflug buchen wollten, hingen wir an der Eingabe von Theos Passdaten fest. Den hatten wir nämlich noch nicht beantragt und konnten folglich nicht buchen.

Wechselkleidung. Da wir bei den Schwiegereltern stets einen festen Hafen haben, können wir auch entspannt Wäsche waschen. Wir müssen also nicht so unglaublich viel mitnehmen.

Theoretisch sollte man an Kinderwagen, Kindersitz und Trage denken. Wir lassen die ersten beiden daheim, da auch hier unsere Kontakte in Chile aushelfen und wir beides geliehen bekommen für die Zeit.

Hausapotheke. Was da alles reingehört bespreche ich dann nochmal mit dem Kinderarzt. Für uns Erwachsene nehme ich nie etwas spezielles mit. Wenn ich jetzt mit Theo weg fahre, dann habe ich stets z.B. Kümmelzäpfchen, Fieberzäpfchen, seine Zahnkügelchen, Nasenspray und Bäuchlein-Öl dabei. Ich habe noch nie etwas davon gebraucht, war aber vergangenes Wochenende bei 30 Grad im Schatten und einer Vollsperrung auf der Autobahn beruhigt, dass wir mit Hilfe von Feuchttüchern den glühenden Kopf etwas runterkühlen konnten.

An dieser Stelle setze ich erstmal einen Punkt. Wir haben noch etwas Zeit, bis es dann wirklich richtig losgeht und diese können wir gut für die Vorbereitungen nutzen. Als nächstes steht an, dass ich mir einen neuen Koffer oder Rucksack zulege.

 

Hoch, höher, am höchsten

Ich bin von Friedrichs Potsdam ordentlich verwöhnt: Die Straßen sind derart ausgebaut, dass man bequem mit einer Kutsche die Stadt erkunden kann. Abgesenkte Bordsteine und Erhöhungen an den Straßenbahnhaltestellen erleichtern die Mobilität mit Kinderwagen in der Stadt. Es fehlt einem beinah an nichts, um gemütlich mit Kind unterwegs zu sein. Einzig und allein die Handvoll alter Straßenbahnen, die Dank ihres Zugangs über Treppen das Bild des preußischen Potsdams trüben, stellen ein Hindernis dar. Ich habe mich jedes Mal geärgert, wenn ich diese Straßenbahn auf mich zufahren sah. Eine absolute Einschränkung meiner Freiheit, denn ich kam einfach nicht allein hinein. Stets musste ich jemanden ansprechen, der mir beim Rein- und Raustragen hilft. Insbesondere vormittags, wenn verglechsweise mehr ältere Menschen und Muttis mit Kind unterwegs sind, als kräftige Anpacker_innen. Alles in allem kam dies jedoch in den sechs Monaten, die ich nun mit Kinderwagen unterwegs bin, sehr selten vor. Heute weiß ich, dass das alles halb so wild war.

In Leipzig unterwegs zu sein ist im Vergleich zu Potsdams preußischer Ordnung eine Schaukelpartie für den Kleinsten. Die Gehwege sind ziemlich uneben, Wurzeln suchen sich ihren Weg durch die Pflaster und Theo wird ordentlich durchgeschüttelt in seiner Karosserie. Selbst der Gang mit Trage erlaubt keinen Moment Unaufmerksamkeit. Zu hoch ist die Gefahr, dass man über eine der erhöhten Wurzeln auf dem Gehweg stolpert.

Während an dieser Stelle an Erhöhungen nicht gespart wird, fehlen dergleichen an den Haltestellen der Straßenbahnen. Ich war gestern den ganzen Tag mit der Straßenbahn unterwegs, da ich einige Ämtergänge zu erledigen hatte. Der enorme Höhenunterschied zwischen Straßenbahntür und Straße bewirkt beim Ein- und Ausstieg, dass Theo mit komplettem Körpereinsatz einmal die untere Kante des Wagens erreicht und dann, wenn ich den Kinderwagen wieder in seine normale Ausgangsposition bringe, mich ordentlich zusammengefaltet mit großen Augen verwundert anblickt. Es wird also nicht langweilig auf unserem Weg durch die Stadt.

Zum Thema „hoch“ ist mir gestern auch etwas Interessantes passiert. Im Bürgerbüro in der Innenstadt mussten wir zwei Stunden warten und somit blieb mir ein Gang zum Wickeltisch nicht erspart. Diese gelungene Abwechslung kam Theo und mir ganz recht, denn langsam wurden unsere Pobacken platt. Also meine zumindest. Angekommen auf der Behindertentoilette klappte ich den Wickeltisch nach unten undimg_20180619_212059758611711.jpg musste erstmal herzhaft lachen. Ich bin mit meiner Körpergröße von 1,76m eine absolute Befürworterin von hoch gelegenen Arbeistplatten. Unsere Küche baut Sergio im Moment auf einer so tollen Höhe, dass das Kochen gleich nochmal doppelt so viel Spaß macht. Bezogen auf einen Wickeltisch allerdings hätte ich doch gern die Möglichkeit meinem Kleinsten in die Augen zu sehen. Dieser Wickeltisch jedoch war auf meiner hoch gelegnen Brusthöhe angebracht.  Und während ich uneingeschränkt direkt auf den Windelbereich blicken konnte, verrenkte Theo währenddessen seine Augen nach unten, um mich sehen zu können.

Ich will aber gar nicht ins Kritisieren verfallen. Das liegt mir echt fern. Ich mag es hier in der Stadt zu sein. Gestern Abend saßen Sergio und ich am Tisch und er sagte zu mir: „Weißt Du, was mir aufgefallen ist? Hier grüßen einen alle ganz nett! Im Toom steht einer an der Tür und begrüßt alle, die reinkommen. Das ist sein einziger Job an diesem Tag. Ist das nicht verrückt?“ Da fällt mir nur wieder einmal auf, wie unfreundlich Brandenburger_innen und Berliner_innen sein können. Irgendwann hörte ich mal einen Witz. Darin ging eine Frau zum Bäcker in Berlin und als sie raus kam und mit ihrem Freund sprach, so wa sie ganz verunsichert, ob sie nicht vielleicht doch zu nett gewesen ist. Sie überlegte nochmal rein zu gehen und sich besonders schlecht zu benehmen, damit sie nicht merkwürdig auffällt in Deutchlands Hauptstadt. Was sagt man dazu? Ich selbst habe oftmals gedacht, dass Potsdamer_innen wirklich hochnäsig und miesepetrig sein können. Das war ich aus meiner Heimat Thüringen gar nicht gewohnt. Und plötzlich bin ich diejenige, die ins scheinbar hochnäsig Bürgerbüro kommt und nicht allen Anwesenden beim Betreten „Hallo!“ sagt.

 

Here we are

Unser Umzug steckte in den letzten Zügen und wir wurden stets gefragt, wie es uns dabei geht.

„Seid Ihr schon fertig?“

„Freut Ihr Euch?“

„Das ist bestimmt voll aufregend!“

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ein Tag vor Abreise

Ich konnte ehrlich gesagt noch gar nicht richtig realisieren, was da gerade passiert. Wir ziehen in eine andere Stadt. Einfach so, könnte man meinen. Wir haben letztes Jahr beschlossen, diesen Schritt zu gehen – natürlich nicht einfach so, sondern aus gutem Grund: die Wohnungen in #Leipzig sind bezahlbar, meine #Familie ist näher dran und Sergio findet in Potsdam nie wieder eine Werkstatt, sobald das #Rechenzentrum mit seiner sich darin befindenden Werkstatt, geschlossen wird. Abgesehen davon möchte ich mich beruflich weiter entwickeln und dafür nicht nach Berlin pendeln müssen. Ich habe Respekt vor allen Potsdamerinnen und Potsdamern, die genau diesen Weg täglich fahren. Ich habe mich bewusst dagegen entschieden, da mir dies einfach gefühlt zu viel #Lebenszeit wegnehmen würde. Gerade mit einem Kind möchte man ebeniese Zeit genießen. Wenn ich dann noch pendeln muss, bleibt nicht mehr viel quality time übrig. So habe ich mir das zumindest vorgestellt. Aus dem gleichen Grund entschieden wir uns bewusst dagegen, 1000€ für eine 3-Raum-Wohnung zu bezahlen. In unserem Viertel in Potsdam wäre dies genau der Preis gewesen, den wir hätten einkalkulieren müssen. Wofür am Ende? Wenn ich mindestens 40h die Woche arbeiten muss, um mir die Wohnung leisten zu können, dann aber kaum Zeit dort verbringe, weil ich Pendlerin bin und meinen Sohn irgendwo abends aus der Kita abholen muss, um ihn letztendlich bloß noch ins Bett zu bringen und anschließend selbst zu schlafen, weil ich früh aufstehen muss, um zurück in den Zug zu steigen und arbeiten muss, um mir die Wohnung leisten zu können?! Wieviel Zeit bleibt mir anschließend also noch in meiner teuren Wohnung? Ein ganzes Wochenende und 5x schlafen zwischendurch. Diese Aussichten waren keineswegs rosig für uns und so blieb uns nur noch eine Möglichkeit: die Flucht nach vorn. Oder eben weg.

Wir setzten uns also ein Datum: Theo sollte Ende Januar geboren werden. Demnach

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Leipzig – (m)eine Perle

dachten wir daran, die ersten Monate entspannt mit ihm in einen Rhythmus zu finden und dann umzuziehen. Um genau diesen Rhythmus mächtig durcheinander zu bringen 🙂 Ab Mai stand demnach fest und schlussendlich haben wir es geschafft, zum Juni eine Wohnung, sowie zu Juli eine Werkstatt zu finden. Wir sind dafür zweimal nach Leipzig gereist, haben uns diverse Wohnungen angesehen und verschiedene Optionen für Werkstätten durchdacht. Heute kann ich sagen, es hat alles super funktioniert und ich bin froh, dass wir nur zweimal fahren mussten. Für Theo waren diese Trips mega anstrengend, denn das ständige raus aus dem Auto, rein ins Auto konnte er hat nicht nachvollziehen, geschweigedenn einordnen, wo er sich gerade befand und wofür das ganze eigentlich  gut war. Mit Glück schläft er ziemlich gut im Auto. Demnach war alles etwas leichter. Jedoch hieß das, dass er beinah den ganzen Tag schlafend verbrachte und das war nicht unbedingt ideal. Doch was blieb uns anderes übrig. Wir hatten uns Leipzig ausgesucht, weil die Stadt bezahlbaren Wohnraum bietet, meine Familie näher dran wohnt als an Potsdam und uns der Gedanke, in einer größeren Stadt zu wohnen, die weniger museumshaft und mehr alternativ wirkte, reizte. Ein paar Wochen intensiver Vorbereitungen später sollte es nun endlich losgehen! Dienstagmorgen 8:00 Uhr: die Möbelpacker stehen vor der Tür. Sechs kräftige Männer polnischer Herkunft verschafften sich einen Überblick über unseren verstaubten Hausrat, organisierten sich untereinander und begannen Recht schnell, alles über den Balkon in den Hof zu heben. Zwei Männer in der Wohnung gaben alles nach draußen. Einer im Hof stapelte die Dinge auf Rollbrettern, einer schob sie nach vorn bis fast zur Hoftür, der fünfte übernahm an dieser Stelle und übergab alles an den letzten Mann im Lkw. Man hätte sich glatt bei den Nachbarn auf den Balkon setzen können, um mit einer Tüte Popcorn dem Schauspiel folgen zu können. Wie fleißige Arbeiterbienen wuselten sie mit kontrollierten Handgriffen über unseren Hof.

Wie sich nun binnen 90 Minuten unsere Wohnung leerte, kamen schöne Gedanken an die letzten Jahre zum Vorschein. All die Zeit, die wir mit unseren Freunden genossen haben. Der Bezug der ersten eigenen und gemeinsamen Wohnung. Mein erster Job nach der Uni. Unsere #Hochzeit. Die #Geburt unseres Sohnes. All diese Ereignisse verbinden uns auf ewig mit Potsdam. Natürlich ist es immer traurig die Menschen zurück zu lassen, die einem über die Jahre hinweg ans Herz gewachsen sind. Und doch wissen wir, dass sie nach wie vor Teil unseres Lebens sein werden. Wir haben einen wunderbaren Abschied gefeiert, wurden mit vergrabenen Erinnerungen beschenkt und mit einer Blaubeere in der Hand in unser neues Abenteuer entlassen.

img_20180616_193113_2211713397735.jpgAn dieser Stelle bin ich gespannt, was Leipzig für uns an Abenteuern bereit hält. Wie ist es, in eine neue Stadt zu kommen? Was bietet Leipzig für Kinder an? Welche Ecken sind empfehlenswert, welche eher zu meiden? All diese Dinge kann ich in den kommenden Wochen und Monaten auskundschaften und mitteilen. Also dann: Here we are – und so schnell gehen wir nicht wieder weg.

Vom Umziehen und wachsen

„Ihr wollt umziehen, wenn Ihr schon ein Baby habt? Bist Du Dir sicher? Das wird mega anstrengend. Da habt Ihr Euch echt was vorgenommen“, haben Sie gesagt.

Ja, wir ziehen um. Was bleibt uns anderes übrig? Die Mieten hier sind zu teuer. Die Familie wohnt zu weit weg. Die Jobchancen sind nicht gerade rosig. Also heißt es weiterziehen. Umziehen also. Was soll ich sagen? Umziehen ist generell anstrengend. Ob schwanger oder mit Baby. Ob allein oder mit dem oder der Partner_in. Erinnert Euch mal zurück an Euren letzten Umzug. Am Ende in der alten Wohnung nur noch inmitten von Kisten leben. Am Anfang in der neuen Wohnung nicht wissen, wohin mit dem ganzen Kram, den man – aus welchen Gründen auch immer – doch nicht weggeworfen img-20180527-wa0006396915785.jpghat? „Ach Mist, jetzt hab ich die Kiste aufgemacht und kann die Hälfte noch gar nicht verstauen.“ Und so macht man eine neue Kiste auf und – schwupps – findet man sich bald inmitten halbleerer Kisten wieder. So stelle ich mir die nächsten Wochen manchmal vor, während mein Mann vehement betont, dass er nicht ewig zwischen Kisten leben wird. Als ich ihm sagte, dass Bekannte von uns, die im November umgezogen sind, nach 6 Monaten die letzte Kiste ausgepackt haben, hat er sich an den Kopf gegriffen und ganz stark untermalt, dass das bei uns nicht passieren wird. Mag sein, dass Ihr jetzt den Kopf schüttelt und sagt: „Wart’s ab. Du wirst schon sehen, dass es so kommen wird!“ Ich für meinen Teil kenne ihn mittlerweile ganz gut und glaube, dass er damit am Ende Recht behält. Fakt ist: mit einem #Baby ist das alles nicht so einfach wie zu der Zeit ohne. Aber wir können uns doch nach wie vor glücklich schätzen, dass er noch nicht krabbelt. Soweit dachte ich mir das zumindest. Und während ich so Kiste um Kiste einpacke und mich zwischendurch immer wieder dem ab und zu quengelnden Kind widme, wird mir eins klar: Wir stecken mitten im #19-Wochen-Schub! Ich nehme gern Abstand von Wir-Sätzen im Zusammenhang mit Taten rund um Theo, denn schließlich wechseln nicht wir seine hose, sondern ich tu das. Aber in dem Zusammenhang stecken wirklich wir alle mittendrin. Theo 24 Stunden über. Ich am schlimmsten nachts und mein Mann im #Halbschlaf während der Schlafpausen und Schrei-Attacken.

Ich habe zur Geburt von Theo das Buch #„Oje, ich wachse“ geschenkt bekommen und mich darüber tierisch gefreut. Anfangs ist es mir jedoch schwer gefallen, mich dort einzufinden. Aufgrund seines Status als #Frühchen, stimmen die Wochen nicht unbedingt miteinander überein. Die Osteopathin meinte dann mal zu mir, ich solle mich stets an dem Alter orientieren, welches er theoretisch gehabt hätte, wäre er nicht zu früh geboren worden. Das ist eine sehr positiv gerichtete Betrachtungsweise. Manche Dinge, die er beispielsweise mit 24 Wochen schon können müsste, kann er noch nicht. Ziehe ich jedoch die 6 Wochen ab, die er zu früh kam, stelle ich fest, dass er mehr kann als andere Babies im Alter von 18 Wochen und bin begeistert.

Wie ich nun also meine Kisten packe und mich ab und an Theo zuwende, denke ich daran, dass unser #Umzug kurz bevor steht. Weniger als eine Woche trennt mich von dem Tag, an dem das Umzugsunternehmen vor der Tür steht und alles in den LKW packt. Ein Luxus, den man mit Baby echt genießen kann, denn man muss nicht selbst tragen. Meine Gedanken schweifen ab und ich frage mich, was eigentlich mit Theo los ist. So quengelig kenne ich ihn eigentlich nicht. „Das müssen die Zähne sein“, denke ich mir und beginne zu rechnen. Am Montag wird er 19 Wochen alt. Also 19 Wochen, wäre er am errehneten Geburtstermin zur Welt gekommen. Ich erinnere mich, dass andere Mütter diese Phase mit Baby als ihre persönliche Hölle bezeichnet haben. Wenn ich also an letzte Nacht denke, kann ich das gut verstehen. Da mein Exemplar von „Oje, ich wachse“ bereits eingepackt ist,  suche ich im Internet nach Informationen rund um diesen Entwicklungssprung und werde schnell fündig.

„Voll erwischt: Der 19-Wochen-Schub“ heißt es in einem Blog.

„19 Wochen Schub, was ein Horro (lang)“ in einem anderen.

Was verbirgt sich also bei uns dahinter? Womit kann ich mich identifizieren? Er ist 03070651-00-00unruhig und launisch. Er kämpft sich beim Einschlafen wieder aus dem Eindösen heraus, sodass er mega wach ist. Er kommt einfach nicht zur Ruhe. Er schreit. Er tritt mich beim Stillen. Er dreht den Kopf hin und her währenddessen. Er verlangt mehr Trinken. Die Abstände werden kürzer und er trinkt total unkonzentriert, manchmal sogar nur ganz kurz. Er ist eindeutig abgelenkt und raubt mir den letzten Nerv.

Worauf kann ich mich nun also einstellen? Die Prognose ist, dass man die Kleinsten in dieser Zeit nicht oder nur selten ablegen kann. Sie wünschen sich dauerhafte Bespaßung und kleben an der Mutter wie ein Kaugummi. Im Internet wird mit #Verständnis geworben und man findet Forenbeiträge, in denen Mamas sich gegenseitig Motivation zusprechen. Durchhalten, heißt die Devise. Mehr kann man nicht tun.

„Das sind ja gute Aussichten“, denke ich mir nur.

Und während ich mir insgeheim wünsche, dass es ein ultimatives Rezept gibt, welches diesen Zustand lindert und verkürzt, so bin ich einfach dankbar dafür, dass ich nun weiß, was los ist. Ehrlich gesagt kam ich letzte Nacht mal wieder an meine Grenze und wenn ich nun so darüber nachdenke, dass Theo’s Verhalten genau auf all diese Dinge zurück zu führen ist, hilft mir das, damit anders umzugehen. Ich finde, man kann #Verständnis leichter dann aufbringen, wenn man weiß, womit man es zu tun hat. Wenn er einfach nur quengelt und ich nicht genau weiß, woran es liegt, sondern auf Zähne oder die Umstellung des Darms aufgrund von Beikosteinführung tippe, dann experimentiere ich einfach mit ein paar Dingen rum und hoffe auf Besserung. Dass sich dann nicht immer die erhoffte Wirung einstellt, liegt auf der Hand. Da ich aber jetzt weiß, was dahinter steckt, hoffe ich besser damit umgehen zu können und stelle mich darauf ein. Mein Mann sagt mir immer nur, ich muss ruhig bleiben, um ihn nicht noch mehr zu verspannen. Das ist manchmal leichter gesagt, als getan. Gerade dann, wenn es nachts wieder einmal besonders schwierig ist, fehlt mir die nötige Ruhe, um das zu akzeptieren. An diesem Punkt habe ich eindeutig noch zu arbeiten. Und auch wenn meine mangelhafte Geduld nicht bedeutet, dass ich grob ihm gegenüber werde, so merke ich doch, wie verzweifelt und angespannt ich werden kann und einfach darauf hoffe, dass irgendwer irgendetwas macht oder sagt, was mir hilft. Ich gebe die Verantwortung ab und hoffe auf ein Wunder, auf Motivation und Kraft. Oder auf eine Umarmung und Verständnis für diese anstrengende Zeit. Schlussendlich bin ich einfach dankbar für Forenbeiträge, Ratgeber-Bücher, Erfahrungsaustausch und Beistand untereinander. Denn nur so kann ich verstehen, dass ich mit diversen Dingen nicht allein dastehe und so viele andere Mamas nahvollziehen können, wie ich mich im Moment fühle. Und so wende ich mich wieder meiner Kiste zu und freue mich, dass umziehen für mich im Moment nur deshalb schwierig ist, weil wir in einer anstrengenden Phase feststecken. Ich habe sie fast fertig gepackt, als Theo nach mir ruft und ich die Kiste halbvoll offen stehen lasse.

Ene mene Brei.. !

Ich finde, es ist super schwer sich vorzustellen, wie sich ein Baby fühlt, wenn es zum ersten Mal etwas anderes zu sich nimmt, als Muttermilch. Oder als #Pre-Milch aus der Flasche, die ja sicherlich auch einen anderen Geschmack hat. In unserem Fall ist Theo ja von Anfang an damit aufgewachsen, dass es neben der Muttermilch auch noch Flaschenmilch gibt. Wie stark der Unterschied zwischen den beiden Varianten ist, kann ich gar nicht sagen. Ich habe weder das eine, noch das andere probiert. Ich erinnere mich aber daran, dass ich genau das vor hatte: Ich wollte probieren wie #Muttermilch schmeckt. Ich wollte wissen, was ich meinem Kind gebe und ob man einen großen Unterschied zu Milch aus dem Supermarkt feststellen kann. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, finde ich die Vorstellung, meine Muttermilch zu probieren – es geht ja schließlich nicht darum, dass ich ein ganzes Glas trinke – etwas abstoßend.

Bis heute begleitet uns das Thema „Essen“ sehr extrem. Angefangen als Neugeborenes mit Sonde und Flaschenmilch, danach der Versuch ihn voll zu stillen und festzustellen, dass er abnimmt bis hin zu dem Status, dass er gestillt und über die Brust geichzeitig zugefüttert wird. Wie dieses #Brusternährungsstes funktioniert, erkläre ich Euch gern in einem anderen Beitrag.  Heute geht es mir darum über die ersten Schritte der #Beikost zu schreiben. Meine #Stillberaterin hat mir gesagt, dass die Einführung von Beikost der einzige Bereich im Leben eines #Frühchens ist, bei dem man keinen Unterschied zwischen korrigiertem und realen Alter macht. Normalerweise ist es, dass man im Leben mit einem Frügeborenen stets zwei Zeiträume im Blick hat: den des errechnetem Geburttermins und den Zeitpunkt der eigentlichen Geburt, der Geburtstag also. Da Theo 6 Wochen zu früh kam rechne ich also stets 6 Wochen zurück, um ungefähr zu wissen, welchen Entwicklungssprung er im Moment durchlebt. In Sachen Beikostreife rechnet man nicht zurück. Es heißt, dass ein Kind mit 16 Wochen Beikost bekommen kann. Die #Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt allerdings 6 Monate zu stillen. Diese 24 Wochen gelten also als Stichtag für den Beginn des Einführens von Brei. Da Theo wieder einmal gegen die überproportionale Gewichtszunahme zappelt – er ist so mit seinen Beinen am wurschteln, dass ich fest der Überzeugung bin, er wird später der nächste Michael Flatley bei #Riverdance -, sodass wir 2 Wochen eher entschlossen haben den Versuch zu wagen. Theo ist kein Kind mit Schwimmringen, hat keine Fettreserven und hat sich trotzdem super entwickelt. Und obwohl bei manchen Kindern die Notbremse gezogen wird, weil sie zu rund sind, wurde uns stets das Gegenteil beteuert.

Eine fremde Frau in der Tram: „Ach wie süß. Der ist aber noch klein! Wie alt ist er denn?“

Ich: „5 Monate!“

Die gleiche Frau in der Tram: „5 Monate? So sieht er aber nicht aus!“

Nein, so sieht er nicht aus. Ich habe etwas länger gebraucht, bis ich problemlos sagen konnte, dass er als Frühchen zur Welt kam und deswegen so klein ist. Oftmals hab ich mich gefühlt, als müsste ich mich rechtfertigen. Tipps von Fremden in der Tram, ich solle ihm doch trotz 30 Grad Socken anziehen mit dem Hinweis auf seine dünne Figur. „Wenn die Kinder so schmächtig sind, muss man Opfer bringen!“ Ich frage mich hierbei, wer das Opfer bringen soll. Er oder ich? Schließlich schwitze nicht ich, wenn er Socken an hat. Manchmal war ich nicht so vorbereitet und dickhäutig gegen Kritik, Sprüche von Fremden oder Ansichten anderer. An manchen Tagen ist so ein mütterlicher Schutzpanzer dünner als an anderen. Mir wurde geraten, ich solle einfach das runtergerechnete Alter sagen. Also stets 6 Wochen abziehen, wenn ich die Frage nach dem Alter beantworten will. Doch kam mir dies auch komisch vor. Mein Mann ist was das angeht pragmatischer. Mittlerweile ist mir das alles auch egal und ich denke das hat damit zu tun, dass ich nun sicherer bin mit den Dingen, die ich für mein Kind entscheide. Anfangs war ich stark verunischert und mir fehlte Hintergrundwissen, sodass mich diverse Aussagen stark beschäftigten.

Nichtsdestotrotz ist es einfach so: Theo ist dünner und kleiner als andere Babies in seinem Alter und ich finde ihn besonders niedlich. Da er aber gewichtstechnisch gern etwas aufholen kann, entschlossen wir uns in Kooperation mit der Stillberaterin, ihn bereits mit Beikost zu überraschen. Dabei setzt man sich aber nciht einfach hin und sagt „Ach ja, heute gebe ich meinem Kind mal Brei!“ Nein. Es gibt ein paar grundlegende Kriterien, die zeigen, ob und wann mein Kind reif dafür ist. So zum Beispiel sollten die Kids weitestgehend in der Lage sein, mit Unterstützung sitzen zu können. Gerade diese #Körperspannung begünstigt, dass der Brei den Weg nach unten findet und dem Kind am Ende nicht noch unnötig Ärger bereitet. Darüber hinaus wird empfohlen mit einem Gemüsebrei zum Mittag zu starten, gern ein Pastinakenbrei. Da dieser nun aber nicht unbedingt bekannt ist für seine hohe Anzahl an Kalorien, bekamen wir einen extra #Ernährungsplan. Theo sollte Kalorien zugeführt bekommen. Es wurde Zeit, dass seine Gewichtskurve einen Sprung nach oben macht.  Somit standen folgende Lebensmittel auf dem Speiseplan: Avocado zermatscht mit Olivenöl. Hirsebrei angerührt mit fetter Pre-Milch und verfeinert mit einem Löffelchen Mandelmus. Klingt nach Gourmet? Ist es auch.

Als wir das erste Mal die Avocado verfüttern wollten, kam mein Mann mittags extra nach Hause. Er wollte es nicht verpassen, wenn Theo das erste Mal etwas mit dem Löffel isst. Zu neugierig waren wir beide, wie unser Sohn darauf wohl reagieren wird. Vorab hatten wir den kleinen Esser bereits mit der Benutzung von Löffeln vertraut gemacht. Beim Frühstück beobachtet er stets, wie wir unser #Müsli verspeisten. Parallel bekam er seinen grünen Löffel in die Hand und durfte üben. Am Tag der eersten Avocado warimg_20180525_120624_081795899662.jpg dieser farblich passende grüne Löffel das erste Mal gefüllt. Etwas skeptisch beäugte er die Masse. Der Kopf wackelte stets hin und her und blieb nciht still an einem Punkt. Noch war ihm nicht klar, was auf ihn zukommen würde, sondern er genoss das Betrachten der Küche aus einer Sitzposition heraus. Als ich den Löffel langsam näher an seinen Mund führte, öffnet er diesen langsam und ich konnte den Brei an seiner Oberlippe enlanggleiten und im Mund verschwinden lassen. Ich mag mir gar nicht ausdenken, welche Gedanken ihm dabei durch den Kopf gingen. Ich stelle mir eine #Geschmacksexplosion vor. Vermutlich war es einfach nur komisch und neu und er wusste nicht so recht, was ihm geschieht. Oder was er davon halten sollte. Das einzige, was ganz deutlich erkennbar war: Er verzog nicht angeekelt das Gesicht, drehte den Kopf nicht weg oder fing an zu weinen. Er ließ sich nach diesem ersten Versuch noch weitere grüne Löffel mit grüner Masse in den Mund stecken und lutschte genüsslich daran rum.

fotor_152758956151747641794788.jpgAn den nächsten Tagen lief das Füttern immer besser. Bereits am zweiten Tag mit Avocadobrei nahm er den Löffel in die Hand und schob ihn selbst hastig in sich rein. Am vierten Tag testeten wir einen weiteren Geschmack: Hirsebrei mit Mandelmus. Die Avocado hat er gut vertragen, aber so ein Schüsselchen wie auf dem Bild oben hat er nicht aufgegessen. Irgendwann wurde er quengelig und wllte gestillt werden. Er hatte noch nicht verstanden, dass diese Masse im Bauch ebenso satt macht wie Muttermilch. Sogar noch länger. Am vierten Tag entschieden wir, ihm Hirsebrei und #Mandelmus zu geben. Es stellte sich schnell raus, dass das eindeutig mehr nach seinem #Geschmack war. Es dauere nicht lang und die 50g #Hirsebrei waren restlos aus dem Schüsselchen gekratzt und in seinem Bauch verschwunden. Es fiel ihm eindeutig leichter diese cremige Mase zu zerlutschen und runterzuschlucken, als die etwas stückig gebliebene Avocadopampe. Gemäß des Grundsatzes Essen mit allen Sinnen durften auch die Hände im Mund nicht fehlen. Nachdem ich seinen grünen Löffel mit cremefarbenr Masse in seineimg_20180529_123442414427535.jpgm Mund verschwinden ließ, tauchten die matschigen Finger hinterher und fühlten genau nach, wohin die Speise verschwand. Er hat bereits nach so wenigen Tagen Gefallen am Essen gefunden. Sobald ich ihn auf meinen Schoß setze und zum Füttern ansetze, quietscht er einmal vergnügt und wartet genüsslich auf seine Mahlzeit. Kein Kopfwackeln mehr. Kein Zappeln. Einfach bloß den Mund aufreißen und schmecken. Mit allen Sinnen.

Lost in Ratgeber-Dschungel!?

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Sobald man sich auch nur eine Frage bezüglich der #Kindererziehung und -entwicklung stellt, kann man Ratgeber über Ratgeber finden. Ein nicht enden wollender Dschungel an Nachschlagewerken, Erziehungsratgebern und Meinungsmachern bricht über die werdenden Eltern ein. Nicht zu vergessen die Tipps und Tricks, die man aus seinem Umfeld erhält. Wichtig ist dabei – wie ich finde – in der Masse der Angebote und Ratschläge zu filtern und genau die Information für sich selbst mitzunehmen, die man vertreten und umsetzen kann oder will. Doch nach welchen Kriterien geht man bei so einer Filterung vor??? Woher weiß ich denn, ob es sich um einen guten Ratgeber handelt oder nicht? Locken sie doch alle mit spannenden Titeln, die meinen Alltag als Mutti oder Vati erleichtern sollen. Und wie kann ich mich als Neu-Mutter scher sein, dass die Ratschläge der vorherigen Generation veraltet und heute nicht mehr ratsam in irer Anwendung sind? Ständig ist man dem Nachfragen ausgesetzt: Macht Dein Kind dies? Kann es denn schon das? Und die Frage aller Fragen: Schläft der Kleine schon durch? Muss er das denn??? Schön wäre es ja, das würde mir und meinem Defizit entgegen kommen. Wobei mit Hilfe meines Hormohaushaltes dieser Defizit gut gepolstert ist. Aber bleiben wir doch mal bei dem Thema. Schlaf! Und genau darauf bezogen: Schlaf-Lern-Bücher! Mein Exemplar: „Das Durchschlafbuch. Die sanfte Schlafkur für Dein Baby„. Ich muss ehrlich gestehen, dass ich es noch nicht gelesen habe. Zu sehr war ich bisher mit anderen Ratgebern beschäftigt oder auch ganz bewusst nicht mit auch nur einem einzigen Ratgeber. In der Stillgruppe haben wir darüber gesprochen, dass zwei aus der Gruppe ein Buch lasen und sich dann mega schlecht fühlten aufgrund der Hinweise, die dort gegeben wurden.

Nicht im Elternbett schlafen lassen,
da sie sich sonst auf ihr Kind rollen und es erdrücken!

Viele Kinder sterben genau auf diese
Art und Weise in den ersten Lebensmonaten!

Wie soll man sich da noch beruhigt hinlegen, mit dem Würmchen direkt an der Brust, wenn einem suggeriert wird unverantwortlich zu handeln. Zu warm, zu weich, zu gefährlich.

Wenn Du Dein Kind bei Dir im Bett schlafen lässt,
dann wird es sich daran gewöhnen und dort nie mehr raus wollen!

Wie spannend ist doch die Vorstellung, dass wir irgendwann zwei Familien sind, die in unseren Bett leben und was wohl die Frau von meinem Sohn davon hält, dass sie mit ihren Schwiegereltern das Bett teilt?!

An dieser Stelle wird wohl deutlich, dass sich diese Verhaltensmuster wieder legen werden und nicht bis zum Ende des Lebens eines jeden Familienitgliedes alle in einem Bett schlafen. Und wenn doch, dann ist das die Entscheidung dieser einen Familie. Mein Mann und ich haben uns vor der Geburt unseres Sohnes darüber unterhalten, wie wir die Nächte handhaben wollen. Er hat ein Beistellbett designed und wir haben es gemeinsam gebaut. Wir waren uns einig, dass wir keine dauerhafte „Belagerung“ unseres Bettes haben wollen. Mit bei uns im Zimmer soll er sein, aber in seinem eigenen Bettchen. Heute, 5 Monate nach der Geburt, haben wir das Wissen, dass manche Nächte einfach so sind, dass wir zu dritt in einem Bett schlafen. Mal die ganze Nacht hindurch, manchmal auch nur am Morgen, wenn der Kleine langsam unruhiger wird und ich mir denke, dass etwas mehr Schlaf allen gut tut. Also hole ich ihn zum Kuchln zu uns ins Bett und bin somit sicher, dass wir das Aufwachen so noch etwas hinauszögern können. Und auch wenn wir anfangs gegen das Konzept eines Familienbettes sprachen, so genießen wir es heute beide, wenn er ab und zu bei uns im Bett schläft. Vor allem dann, wenn es ihm nicht gut geht und er unsere Nähe braucht. Und sobald dies überstanden ist, sind wir froh, uns auch mal wieder unbeschwert im Btt hin und her drehen zu können, ohne dass Theo neben uns liegt und womöglich erdrückt werden könnte. (Übrigens standen die Eltern, die ihre Kinder im Schlaf erdrückten, oftmals unter dem Einfluss von bewusstseins verändernden Mitteln. Dieser Teil wird bei den Statistiken oftmals nicht erwähnt!)

Und wie ich mich nun durch ein paar meiner Werke durchgekämpft habe bzw. auch noch vorhabe, etwas mehr aus ihnen zu lesen, ist mir ein neues Buch in die Hände gefallen: „Artgerecht. Das andere Baby-Buch“. Nichts liegt mir ferner, als hier für irgend etwas Werbung zu machen. Und doch war es interessant, mal noch ein paar andere Ansätze zu lesen. Diese buch räumt mit Ammenmärchen auf, die jede von uns auf ihrem Weg als Mutter an den Kopf geschmettert bekommt. Es gibt Einblicke in die Bereiche Schlafen, Tragen und Stillen. Es merkt an, was sich hinter artgerechter Betreuung verbirgt und hat mir nochmal eine andere Perspektive im Blick auf die Lebensbereiche meines Sohnes ermöglicht. In diesem Sinne hoffe ich für Euch, dass Ihr gut filtern könnt und Euch nicht verunsichern lasst, wenn andere berichten wie toll, lang und selbständig ihre Kinder schlafen und deines scheinbar als einziges den ganzen Tag getragen, gestillt und versorgt werden möchte. Selbst nachts, wenn es quer auf Deinem Bauch liegt und genüsslich vor sich hin schnarcht.

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Manchmal kommt es anders…

Als ich schwanger wurde, waren mir einige Dinge, die damit zusammenhängen, die auf mich zukommen könnten, nicht klar. Erst im Laufe der Zeit lernte ich, was alles dahinter steckt, was dazu gehört und wie das alles so sein kann bzw. in meinem Fall sein wird. Zum Beispiel bin ich stets davon ausgegangen, dass man – sobald man schwanger ist – keine Blutungen mehr hat. Und sobald man blutet, gleicht das quasi einem #Schwangerschaftsabbruch. Umso erschrockener waren mein Mann und ich, als ich eines Tages, nachdem wir bereits einen Teil der Familie eingeweiht hatten, Blutungen hatte. Traurig über den Verlust gingen wir am kommenden Tag zum Frauenarzt, um die Befürchtung bestätigen zu lassen. Wir haben uns bereits innerlich davon verabschiedet, dass unser Vorhaben gleich beim ersten Versuch geklappt haben sollte. Als der Arzt schließlich sagte, mit unserer kleinen Beere sei alles in Ordnung, konnten wir es kaum glauben. Noch ein zweites Mal hatte ich #Zwischenblutungen und ging, da ich nicht bis zur Sprechstunde meines Arztes am nächsten Tag warten wollte, ins nahegelegene Krankenhaus. Dort wurde ich direkt stationär aufgenommen und bekam homöopathische Medikamente, die die Gebärmutter beruhigen sollten und die Schwangerschaft mit mehr Ruhe weiterführen ließen. Auch gab man mir Medikamente, die mich beruhigen sollten. So ganz klar war mir das nicht, den ich empfand mich als wenig aufgeregt. Aber gut, ich blieb also 3 Nächte auf Station und wurde intensiv beobachtet. Man stellte fest, dass mejn Gebärmutter eine Zwischenwand habe und das Baby nur auf einer Seite wächst. Die andere war voll mit blutigen Gewebe, welches nach und nach abblutete. Als ich schließlich ein drittes Mal Blutungen hatte, war ich beruhigt, denn ich wusste woher das kommt und hatte Vertrauen in meinen Körper. Und so plötzlich wie sie kamen, gingen sie auch wieder. Irgendwann war beim Ultraschall zu erkennen, dass diese Zweiteilung nicht mehr vorhanden ist und sich das #Baby nun in der kompletten Gebärmutter ausbreitet. Avon da an konnte ich die Zeit komplett genießen. Da ich in der Straßensozialarbeit tätig war, erhielt ich von Anfang an ein Beschäftigungsverbot. Zu unsicher war, mit welchen Krankheiten ich stets in Kontakt kommen würde. Somit war ich ab Juni zu Hause, die Entbindung war Ende Januar angesetzt. Richtig viel Zeit also. Ich nutzte genau diese zum Reisen. Ich besuchte Freunde in ganz Europa und fuhr mit meinem Mann in den Urlaub. Ich dachte mir, dass ich nie wieder in meinem Leben so viel Zeit haben würde, also musste ich den Moment genau jetzt nutzen.

So unwissend – bezogen auf mögliche Begleiterscheinungen – meine Schwangerschaft startete, so endete sie auch. Sechs Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin merkte ich etwa 22 Uhr ein ziehen im Unterbauch und ging stark davon aus, dass es sich hierbei um Senk- oder #Übungswehen handelte. Ohne mir weiter darüber Gedanken zu machen, nahm ich instinktiv meine Wärmflasche mit ins Bett und schlief ein. Gegen 5 Uhr morgens wurden die Schmerzen langsam unangenehm und drückten mir auf die Blase. Ich nahm das kommentarlos hin, denn ich hatte ja noch Zeit bis zur eigentlichen Entbindung. Noch eine weitere Stunde später wurde ich jedoch langsam unsicher und rief meine Hebamme an. Ich sagte ihr, dass meine Übungswehen schmerzten und mich dies überrascht. In der Aufregung habe ich eindeutig vergessen zu erwähnen, dass sich diese in regelmäßigen Abständen bemerkbar machen und an Intensität zunehmen. Sie empfahl mir auf Basis meiner Angaben, ich solle ins Krankenhaus fahren, um mich untersuchen zu lassen. Sie riet mir zu einem CTG, bei dem Wehentätigkeit uns Herztöne des Kindes untersucht werden.

Mit einem ungewollten Stoß gegen das Bett riss ich meinen Mann aus dem Schlaf. Als ich dann noch sagte: „Wir müssen ins Krankenhaus!“, war er sichtlich nervös und stolperte verschlafen aus dem Bett. Ab dem Moment schoss Adrenalin bei mir ein. Irgendwas stimmt nicht und wir müssen ins Krankenhaus, dachte ich mir. Meine Hose anzuziehen wurde zu einer komplizierten Aufgabe. Zu stark wurde das Ziehen im Unterbrauch, sodass ich kaum die Beine heben und in die Hose einsteigen konnte. Es dauerte gefühlt ewig bis wir endlich aus dem haus kamen. Dabei spielte sich von nun an alles sehr schnell ab:

06:00 Anruf bei der Hebamme

06:05 Sergio wecken

06:20 Hose anziehen, Wasserflasche füllen

06:30 Taxi gerufen, es kommt jemand in 15 min

06:45 eine holprige Taxifahrt über Pflastersteine

06:50 Ankunft im Krankenhaus

06:55 auf der Wochenstation angekommen

07:00 Vorsprechen bei den Hebammen

07:05 (vergebliches) Positionieren des CTG

07:08 die Hebamme sagt, dass das Baby kommt…

Unfassbar! Es war viel zu früh, das durfte nicht sein. Aber wie ich schon die erste Presswehe spürte blieb mir wohl keine andere Wahl, als mit der Hebamme in den Kreißsaal zu wechseln. Die folgenden 25 Minuten vergingen rasch und hinterlassen ein Gefühl der Unwirklichkeit!

07:33 Theo ist geboren, 46cm, 2200g

Noch ziemlich benebelt vom eben Erlebten schrieben wir unseren Familien „Wir haben einen Theo!“. Mehr konnten wir nicht sagen. Mehr wussten wir nicht. Man trennte sofort die Nabelschnur und nahm ihn mit. Nicht einen Blick konnten wir erhaschen. Nur ein kräftiges Schreien, mehr blieb uns nicht. Wir hatten keine Informationen zu Gewicht und Größe. Wir blieben mindestens 30min unwissend und versetzten unsere Familien gleichzeitig in Schock über das, was eben passiert war. Normalerweise schickt man ein Foto und die jeweiligen Maße. Doch wir hatten nichts dergleichen. Nur einen Namen und die Gewissheit, dass es unserem Baby gut geht, denn das wurde uns mehrfach bestätigt.

Nach geraumer Zeit brachte man uns Theo ans Bett im Kreißsaal, bevor er in ein anders Krankenhaus überführt wurde. Dort, wo wir uns befanden, gab es keine Neonatologie, eine spezielle Station für Frühchen. Etwas später wurden auch wir in das andere Krankenhaus transportiert und konnten endlich zu unserem Schatz. Ein erstes Beschnuppern gab es im Kreißsaal, doch nun konnten wir kuscheln und uns richtig kennenlernen. Zwei Wochen blieb er im Krankenhaus, bevor wir ihn am ersten Januar 2018 mit nach Hause nehmen durften. „Wir haben einen Theo“ – seitdem jeden Tag an unserer Seite!!

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