Just change it

Heutzutage ist der Gebrauch von Plastik zunehmend ein ernstes Thema. Angefangen mit den Unmengen an Verpackungsmüll im Supermarkt, über Strohhalme bis hin zu etlichen Einwegartikeln, die unbedacht gekauft und schnell nach ein paar Mal gebrauchen ersetzt werden. Keinerlei Wert steckt mehr hinter den Dingen, die unseren Alltag begleiten. Wir leben im Überfluss und nehmen die Massen an Produkten ganz selbstverständlich hin, ohne si ezu hinterfragen. Uns fällt nicht mal auf, wenn etwas fehlt.

Nehmen wir einmal diesen super heißen Sommer als Beispiel: die Bauern hatten Sorge, da es einfach viel zu trocken war. Viele Lebensmittel sind eingegangen, da nicht genügend Wasser zur Verfügung stand. Ich erinnere mich zum Beispiel an einen Strauch Brombeeren hir in der Nähe unserer Wohnung: die Früchte hatten so eine tolle, dunkle Farbe, waren jedoch klitzeklein. Sofern nun der Bauer Brombeeren anbaut und für seinen Lebensunterhalt an Märkte verkauft, hat er in diesem Jahr womöglich mächtig Probleme gehabt. Unmengen an Wasser mussten rangeschafft werden, um die Ernte zu gewährleisten. Zieht er dann die Kosten für den Verbrauch des Wassers vom Gewinn ab, so bleibt nicht mehr viel übrig. Es war so heiß dieses Jahr, dass zB. hier in Leipzig Bürger*innen gebeten wurden , die Bäume in ihrem Umfed zu gießen. So prekär wurde die Lage eingeschätzt. Und was konnte man in den Supermärkten feststellen? Manche saisonale und eigentlich regionale Produkte kamen von weiter her, da es nicht ausreichend Ware aus Deutschland gab. Doch wen stört das? Eigentlich niemanden. Unsere vernetzte Welt brngt mit sich, dass wir immer alles haben oder besorgen können. So gibt es Tomaten im Dezember, egal ob sie schmecken oder nicht. Auf Instagram posten Erwachsene im März Bilder von der Brotbüchse ihrer Kinder, randvoll mit Erdbeeren. „Wir legen Wert auf gesunde Ernährung!“, steht stolz unten drunter. Ist das gesund? Erdbeeren, die weder rot sind, noch nach Erdbeeren schmecken? Welches Verständnis haben wir heutzutage von gesunder Ernährung?

Ich bin mittlerweile an einem Punkt angekommen, an dem ich das nicht mehr nachvollziehen kann. Wie konnte es soweit kommen, dass wir so wenig Wert auf saisonales und regionales Obst und Gemüse legen? Wir sind doch nun wirklich keine Nachkriegsgeneration mehr, die sich darüber freut, endlich keine Gräupchensuppe mehr essen zu müssen. Sitzt diese Zeit noch so tief in den Gliedern unserer Vorfahren, dass wir als Nachfolgende verlernt haben, es anders zu machen? Ich denke es ist an der Zeit umzudenken. Es ist an der Zeit dem früheren Trott entgegen zu treten und einen anderen Weg einzuschlagen.

Als ich 2012 nach Chile gegangen bin, habe ich zum ersten Mal in meinem Leben Bekanntschaft mit saisonaler Küche gemacht. Ich war damals bereits Mitte zwanzig. Ich habe die ganze Zeit zuvor niemals darüber nachgedacht, dass es für jedes Obst und Gemüse eine bestimmte Erntezeit gibt. Für mich war es selbstverständlich, dass es immer Tomaten gab. Dass ich im Frühjahr Erdbeeren kaufen kann und dass alles in Plastik eingeschweißt ist. Wenn ich mir dies heute durch den Kopf gehen lasse, ist mir das sehr unangenehm und unbegreiflich noch dazu. Ich habe kopflos konsumiert, egal was. Ich war oft shoppen, habe immer gegessen worauf ich eben gerade Lust hatte und kaufte im Überfluss. Erst durch die Erfahrung, dass ich in Chile im Mai auf und nieder springen konnte, es trotzdem keinen Mais gab, hat sich für mich etwas verändert. Gleichzeitig habe ich gelernt, wie Lebensmittel schmecken können. Eins ist klar: während deutsche Tomaten auch im August nicht mit den chilenischen vergleichbar sind, weiß ich jedoch, dass ich im Dezember einfach nur mein Geld zum Fenster rauswerfe, kaufe ich Tomaten. Der Geschmack ist dermaßen weit weg von dem einer sonnengereiften Tomate, dass es einem Verbrechen gleicht, diese so zu nennen. Und doch werden 365 Tage im Jahr Tomaten angeboten und gekauft. Wieso haben wir Deutschen so wenig Interesse daran, wie die Dinge schmecken, die wir kaufen? Ist es wirklich wichtiger für uns, überhaupt konsumieren zu können, sodass wir das immer und überall ausleben müssen? Ich habe auf all diese Fragen kaum Antworten, freue mich jedoch, dass es mehr und mehr Menschen meiner Generation gibt, die etwas bewusster leben und dieses Denken an ihre Kinder weitergeben möchten.

Weiterhin habe ich nach meinem Aufenthalt im Ausland angefangen, Dinge selbst zu machen. So zum Beispiel stelle ich seit 2 Jahren unsere Zahnpasta er. Was unsere Zahnärztin dazu sagt? „Kann ich das Rezept bekommen?“, war die letzte Aussage von ihr, kurz bevor wir die Praxis dieses Jahr verließen. Für mich war diese Umstellung auf unsere Zahnpflege anfangs gewöhnungsbedürftig. Die Industrie mischt ätherische Öle für vermeintlich frischen Atem in die Zahnpasta rein, sodass ich mich erst einmal daran gewöhnen musste, nicht den gleichen Effekt zu erzielen. Und doch ist mit Hilfe von Pfefferminzöl ein ähnliches Ergebnis möglich. Als erstes haben wir eine Zahnpasta aus Kurkuma benutzt. Dabei ist mir klar geworden, dass ich eine sehr sprizige Putzerin bin und mich im Anschluss an die Zahnhygiene stets umziehen musste. Hinzu kommt, dass Kurkuma ein ziemlich aggressives Gewürz ist, welches fiese Flecken hinterlässt. Jetzt greifen wir ausschließlich auf Natron und Kokosöl zurück und sind damit sehr zufrieden. Mein Mann hat seit Jahren das erste Mal keine Karies mehr und mein Zahnfleisch bildet sich nicht weiter zurück. Und da unsere Zahnärztin ebenso überzeugt ist, bleiben wir dabei. Unklar ist für uns nur noch, was wir mit Theo machen. Noch lassen seine ersten Zähnchen auf sich warten, aber irgendwann wird er Zahnpasta benutzen müssen und da stellt sich die Frage, ob wir ihm dann welche kaufen sollten, obwohl wir doch bewusst darauf verzichten…

Den gleichen Ansatz verfolgen wir mit dem Weglassen herkömmlicher Shampoos. Wir waschen die Haare nur noch mit Natron, Apfelessig und Wasser. Insbesondere zu Beginn war es erstaunlich mit anzusehen, wie sich das Haar verändert. Die Jahre der Pflege mit industriellen Produkten haben ihre Spuren hinterlassen und während wir noch im Übergangsprozess sind, benutzen wir bei unserem Sohn nun bewusst kein Shampoo. Wozu bei ihm damit anfangen, wenn wir ihm hier von Anfang an zeigen können, dass es ohne ebenso geht?

Es gibt so viele Bereiche im täglichen Leben, in denen man eine Veränderung einfach bewirken kann. Für mich ist dabei immer wichtig, dass ich es einfach umsetzen kann. Was habe ich davon, wenn ich mich anstrengen muss, um etwas anders zu machen? Die Wahrscheinlichkeit, dass ich dabei bleibe, ist doch höher, sofern ich es einfach übernehmen kann. Manche Dinge sind wirklich einfach in den Alltag integrierbar und erzielen damit den Effekt, den ich mir wünsche: sie werden Alltag! Heute habe ich zum ersten Mal eigene Küchenschwämme genäht. Wir haben so viele alte Handtücher, die im Schrank rumliegen und niemals genutzt werden. Nun habe ich sie verarbeitet und bin gespannt, ob wir folglich die Einwegschwämme von der Einkaufsliste streichen können. Auch haben wir nun doch noch auf Stoffwindeln umgestellt und ich freue mich, über jede einzelne, die ich davon benutze. Denn somit verbrauche ich eine Wegwerfwindel weniger. Bisher greife ich noch nachts und zu den Mahlzeiten auf die industriellen Produkte zurück, da ich somit sicher sein kann, dass sie nicht auslaufen. Aber ich kann mir vorstellen, dass sich das mit der Zeit auch ändern könnte.

Jeder von uns hat ausreichend Kapazitäten in seinem Alltag, um etwas anders zu machen. Die einen mehr, die anderen weniger. Und wie ich mich so Stück für Stück vorantaste auf neuen Wegen, wünsche ich Dir, dass Du es ebenso versuchst. Gern tausche ich mich mit Dir aus und bin gespannt, welche Bereiche bei Dir bereits eine Reformation erfahren haben.