Was ist da los?

Der Sommer ist vorbei und damit auch die Möglichkeit, sich im Park oder am See auf die Wiese zu setzen und das warme Wetter zu genießen. Auch wenn der Boden noch keinen Frost erlebt hat, so ist es doch insbesondere für Babies nicht ratsam, sie lang auf dem Boden liegen oder sitzen zu lassen. Da unser Wurm noch nicht auf zwei Beinen unterwegs ist, sondern kraftvoll über den Boden robbt, fällt ein Besuch im Park außerhalb des Wagens einfach flach. Um jedoch nicht ausschließlich in den eigenen vier Wänden zu verweilen, befürworte ich die Option, Cafés wahrzunehmen, die auch eine Ecke für die Kids eingeplant haben. Hier muss ich nicht meine Woohnung aufräumen, nachdem 3 Kinder ihre Spuren hinterlassen haben. Ich kümmere mich einfach darum die Spielsachen wieder zu verstauen und lasse meine Tasse jemand anderen abwaschen.

In Potsdam gab es bei uns in der Straße ein Café, welches bezogen auf die Größe des Ladens richtig viel Platz für die Kleinen eingeräumt hat. Das Ergebnis war, dass man insbesondere am Wochenende – vor allem wenn es draußen nass und/oder kalt war – mit mehr Lärm und Trubel im Geschäft rechnen musste. Ein Buch lesen und gemütlich den Kaffee dzu zu trinken war beinah nicht möglich. Unglaublich viele Familien waren anwesend. Kinder jede Alters stolperten durch das Café, spielten in allen Ecken und die Eltern genossen die Zeit dort sehr. Was mir daran nicht so gut gefallen hat, war, dass die Kids oftmals quer durch den Laden krabbelten und die Eltern sie einfach machen ließen. Als Kellner*in benötigte man Fingerspitzengefühl im Umgang mit dem Tablett, denn gleichzeitig der Blick zum Fußboden musste sitzen. Mein Mann hat eine zeitlang dort gearbeitet und ärgerte sich darüber, wenn die Kinder ihm zwischen den Füßen rumkrochen. Ich finde, es ist ein Luxus, wenn ich mein Kind außerhalb meiner eigenen vier Wände ablegen und gleichzeitig einen Kaffee genießen kann. Jedoch bin ich der Meinung, dass ich nach wie vor die Verantwortung trage und nicht einfach alle anderen jonglieren lasse. Seinen Ärger am Abend konnte ich gut nachvollziehen und somit hat er mich sensibilisiert, mehr darauf zu achten.

Ja, das Café war stets gut besucht – nun hat es leider geschlossen. In der Innenstadt Potsdams öffneten innerhalb des letzten Jahres noch zwei weitere Cafés. Sie bezeichneten sich selbst als „Eltern-Kind-Café“. Erst da habe ich diese Art des Konzeptes kennen und schätzen gelernt. Die Kombination aus selbst gebackenen Kuchen, optional dem Angebot zu frühstücken, einen Kaffee zu trinken und meine Kinder im geschützten Raum einer Spielecke beruhigt ablegen zu können, erschien mir als der Himmel auf Erden für alle Eltern. Klar, ohne Kind muss man sich nicht an sowas orientieren. Und während ich nun eindeutig schmerzfrei bin und den kleinen Mann überall ablegen würde, ohne mir da unnötig viele Gedanken zu machen, so finde ich es doch angenehmer, schlängelt er sich nicht zwischen tausend Füßen und Stühlen hindurch. Die beiden „Eltern-Kind-Cafés“ in Potsdam besaßen jeweils eine Spielecke und gern auch die Option, dass die Angestellten, sofern der Betrieb im Laden es zuließ, die Kinderbetreuung übernehmen. Letzteres ist mir nicht einmal wichtig. Aber die räumlich getrennte Spielecke von dem Bereich des regulären Café-Publikums ließ eine Vermischung nicht zu. Somit konnten die Mitarbeiter*innen entspannt den Blick an das Tablett haften und die Eltern ihre Kids machen lassen, sie beobachten oder mit in der Ecke sitzen und spielen. Ganz so, wie es ein jeder brauchte und wollte.

In Leipzig habe ich nun gelernt, wie luxuriös diese Art des Cafés tatsächlich ist. Während ich davon ausging, dass jede größere Stadt soetwas besitzt, wurde ich hier eines Besseren belehrt. Mehrere Male habe ich schon gesucht. Jedes Mal beim googlen bin ich auf ein Angebot gestoßen, habe mich gefreut, versucht mehr zu erfahren und bin am Ende enttäuscht darüber informiert worden, dass sie bereits geschlossen haben. Wie kann es sein, dass eine Stadt mit mehr als einer halben Million Einwohner*innen, einem unglaublichen Zuzug und einer enorm hohen Geburtenrate kein Angebot hat, wo sich Eltern entspannt zum Kaffee treffen können? Ist das Konzept nicht rentabel? Ich kann mir vorstellen, dass Muttis in Elternzeit stundenlang dort sitzen, an einem Kaffee schlürfen und den Platz für weitere Kundschaft und mehr Umsatz nicht frei machen. Ich kann mir vorstellen, dass dies ein Grund ist, warum sich spezielle Cafés für Familien nicht halten. Und doch finde ich es sehr schade. Jedes Mal, wenn ich einen Versuch starte, werde ich gnadenlos enttäuscht. Zuletzt an einem äußerst grauen und windigen Tag: ich wollte mich mit einer Freundin treffen. Sie schlug das Café vor, wir beide recherchierten. Es gab eine Seite bei Facebook. Eine Homepage noch dazu. Nirgends stand, dass es geschlossen wäre. Es sollte sogar Workshop-Angebote für Kids geben. Das klang für meine Freundin besonders spannend, denn sie hatte zwei Kinder und die Große war bereits 3. Als wir an der Adresse ankamen, standen wir vor einem Haus, welches derzeit komplett saniert wurde. Keine Bewohner*innen, kein Café, kein Schild mit einem Hinweis auf „Sorry, wir sind umgezogen/nicht mehr da/einfach verschwunden…“. Nix. Ein harter Schlag. Am Ende landeten wir im Theatercafé und machten den Laden voller Stühle und Menschen zu unserer Spielecke.

Was ist da los liebes Leipzig? Ich habe bisher ein einziges Café gefunden, welches für ein Verweilen mit kleinen Kindern geeignet ist. Jedoch sprechen die Preise gegen einen längeren Aufenthalt oder den Konsum mehrerer Angebote auf der Karte. Schade eigentlich. Und während wir hier in der Stadt echt happy sind, ist das ein großes Makel, welches mir bis heute nicht einleuchten will. Da bleibt nur noch „selber machen“, doch ist meinFrust noch nicht groß genug, als dass ich nun entscheiden würde, stolze Betreiberin eines „Eltern-Kind-Cafés“ zu werden. Lieber flüchte ich in 2 Wochen auf die sommerliche Südhalbkugel und umgehe das Krabbelalter im Herbst und Winter. Wenn wir zurück kommen, ist vielleicht schon ein aufrechter Spaziergang möglich.

der ganz normale Wahnsinn..

Mein Blog nennt sich „Wahnsinnsfamilie“. Warum? Weil ich über den ganz normalen Wahnsinn (m)einer Familie schreibe. Dazu zählen nicht ausschließlich Themen, die unser neuestes Familienmitglied betreffen, sondern auch Themen, die nur mich etwas angehen. So zum Beispiel der Wahnsinn auf den Straßen, der sich tagtäglich zwischen Rad- und Autofahrer*innen abspielt.

Ich bin hauptächlich mit dem Rad unterwegs, da wir bisher kein Auto besitzen. Jedoch weiß ich dadurch, wie entscheidend ein Blick über die Schulter ist. Wie wichtig es ist, nochmal genau hinzusehen, bevor ich abbiege. Ich weiß, wie es sich anfühlt, wenn ein Auto hinter Dir drängelt, weil Du einfach nicht schnell genug bist. Ich weiß, dass manche Menschen nervös werden und lieber auf dem Fußweg fahren, wodurch der Wahnsinns-Kreislauf um eine Instanz erweitert werden kann: Füßgänger*innen. Ich weiß auch, wie nervig es sein kann, wenn ein Rad vor Dir schleicht oder einfach so um die Ecke geschossen kommt, ohne nach Dir Ausschau zu halten. All dieses Wissen, welches mich im Straßenverkehr bewegt, lässt mich nach wie vor erstaunen, was letzte Woche eigentlich im Kopf der Autofahrerin hinter mir vor sich ging.

Ich war mit dem Rad in einer Nebenstraße unterwegs. Ich bin rechts gefahren. Ich bin nicht sonderlich gerast, aber war ausreichend schnell, sodass man als

Autofahrer*in durchaus entspannt eine Weile hinter mir bleiben konnte. Ich habe gemerkt, dass ein Auto hinter mir ist, habe mich aber nicht bedrängt gefühlt. Die Straße ist so konstruiert, dass sie an einer Stelle enger wird. Dabei handelt es sich nur um einen minimalen Abschnitt der Straße. Kurz vor diesem Abschnitt habe ich das Auto hinter mir wahrgenommen. Während es nun gemütlich hinter mir her fuhr, solange die Straße ein Überholen möglich machte, schoss es genau dann sehr nah an mir vorbei, als wir zur „Engstelle“ kamen. Ich konnte es nicht fassen. Ich war kurzzeitig geschockt, denn der Abstand zwischen dem Wagen und mir war marginal. Ich empfand dieses Verhalten als eine Frechheit und fragte mich, was für ein ignoranter Typ das wohl war, der so rücksichtslos am engsten Punkt überholte. Als ich mich gefangen hatte, trat ich in die Pedale und nahm mir vor, den Wagen einzuholen und den Fahrer zur Rede zu stellen. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, bin ich tatsächlich davon ausgegangen, dass es sich um einen männlichen Fahrer handeln muss.

Wie das Auto so an der nächsten Kreuzung warten musste, gab ich ordentlich Gas und wollte mich daneben stellen. Als ich fast auf gleicher Höhe war, bog es ab und musste an einer roten Amel die Fußgänger*innen passieren lassen. Das war meine Chance: Ich klopfte an die Scheibe der Fahrerseite. Es blickte mich ein gelangweiltes und genervtes Gesicht einer Frau an. Sie weigerte sich vehement, die Fensterscheibe runter zu lassen. Sie versuchte mich zu ignorieren, doch ich blieb hartnäckig stehen. Ich klopfte erneut an die Scheibe und machte ihr durch eine kurbelnde Handbewegung deutlich, dass sie sich gefälligst mit mir auseinanderzusetzen hat. Sie verdrehte die Augen, leierte die Scheibe nach unten und hörte mir nicht einmal zu. Sie schnitt mir jedes Wort ab. Mein Versuch, ihr klar zu machen, dass sie eindeutig zu nah an mir vorbei gefahren sei und ich mich erschrocken habe, prallte an ihr ab. Ich wollte sie fragen, was sie sich dabei gedacht hat. Ich wollte ihr klar machen, dass sie nicht allein auf dieser Straße ist und noch 3 Sekunden hätte warten können, um an einer breiteren Stelle zu überholen. Dazu kam ich nicht. Ich sprach wie ein Wasserfall, während sie mich grimmig ansah und gleichzeit nur folgenden Satz zweimal wiederholte: „Auch Radfahrer sind Teilnehmer im Straßenverkehr!“. Dann schaltete die Ampel auf grün und sie verschwand im Straßenverkehr. Ich stand wie angewurzelt mitten auf der Fahrbahn und wusste gar nicht, was ich dazu sagen sollte. Kopfschttelnde schwang ich mich auf mein Rad. Innerlich kochte ich. Mir stieg das Blut in den Kopf, aber es gab keinen Pol, um mich abzureagieren. Mehr als ein wiederholtes, sprachloses „Pff!“ konnte ich nicht von mir geben. Was wollte sie mir damit sagen? An welcher Stelle habe ich mich falsch verhalten? Was gibt ihr das Recht, mich als Verkehrsteilnehmerin beinah von der Straße zu drängen? Ja, ich bin berechtigterweise auf den Straßen unterwegs. Und ich habe mich regelkonform verhalten. Ich bin keine der Radfahrer*innen, die eine rote Ampel ignoriert, nur weil sie auf zwei Rädern unterwegs ist. Ich stehe in der Schlange an der Ampel nicht zwingend ganz vorn, nur weil ich der Meinung bin, ich kann mich durchzwängen, denn ich bin ja schmal. Ich achte auf Verkehrszeichen und ich warte lieber einmal länger, als dass ich unüberlegt drauf los fahre. Und sie schaut mir tief in die Augen und macht mir Vorwürfe. Weswegen? Ich habe tatsächlich keine Ahnung. Eine Woche ist vergangen und ich weiß nicht, was ich in ihren Augen falsch gemacht habe. Und das ärgert mich. Wie wäre ihre Version der Geschichte? Ist sie auch nach Hause gefahren und hat ihrem Mann erzählt, dass sie eine ignorante Radfahrerin vor sich im Straßenverkehr hatte? Würde ihr Mann nicken und sagen: „Gut, dass Du sie an einer so schmalen Stelle überholt hast!“

Es ist Wahnsinn, was wir uns täglich antun müssen. Wir Autofahrer*innen, die ihre Augen überall haben müssen, weil Verkehrsteilnehmer*innen auf zwei Rädern einfach so auftauchen und über rote Ampeln fahren, weil sie glauben, sie haben das Recht dazu.

Es ist Wahnsinn, was wir Radfahrer*innen immer wieder erleben, während wir ohne faradayschen Käfig schutzlos den Abgasen und Launen der Autofahrer*innen ausgesetzt sind.

Es ist Wahnsinn, was wir Fußgänger*innen ertragen müssen, während sich Radfahrer*innen auf unseren Wegen durchschlängeln, um rote Ampeln zu umgehen oder drängelnden Autos auszuweichen.

Es ist Wahnsinn, dass wir alle glauben, wir wären im Recht. Macht die Augen auf. Nehmt Rücksicht und seid wachsam. Für jeden einzelnen von uns, der draußen unterwegs ist.

Just change it

Heutzutage ist der Gebrauch von Plastik zunehmend ein ernstes Thema. Angefangen mit den Unmengen an Verpackungsmüll im Supermarkt, über Strohhalme bis hin zu etlichen Einwegartikeln, die unbedacht gekauft und schnell nach ein paar Mal gebrauchen ersetzt werden. Keinerlei Wert steckt mehr hinter den Dingen, die unseren Alltag begleiten. Wir leben im Überfluss und nehmen die Massen an Produkten ganz selbstverständlich hin, ohne si ezu hinterfragen. Uns fällt nicht mal auf, wenn etwas fehlt.

Nehmen wir einmal diesen super heißen Sommer als Beispiel: die Bauern hatten Sorge, da es einfach viel zu trocken war. Viele Lebensmittel sind eingegangen, da nicht genügend Wasser zur Verfügung stand. Ich erinnere mich zum Beispiel an einen Strauch Brombeeren hir in der Nähe unserer Wohnung: die Früchte hatten so eine tolle, dunkle Farbe, waren jedoch klitzeklein. Sofern nun der Bauer Brombeeren anbaut und für seinen Lebensunterhalt an Märkte verkauft, hat er in diesem Jahr womöglich mächtig Probleme gehabt. Unmengen an Wasser mussten rangeschafft werden, um die Ernte zu gewährleisten. Zieht er dann die Kosten für den Verbrauch des Wassers vom Gewinn ab, so bleibt nicht mehr viel übrig. Es war so heiß dieses Jahr, dass zB. hier in Leipzig Bürger*innen gebeten wurden , die Bäume in ihrem Umfed zu gießen. So prekär wurde die Lage eingeschätzt. Und was konnte man in den Supermärkten feststellen? Manche saisonale und eigentlich regionale Produkte kamen von weiter her, da es nicht ausreichend Ware aus Deutschland gab. Doch wen stört das? Eigentlich niemanden. Unsere vernetzte Welt brngt mit sich, dass wir immer alles haben oder besorgen können. So gibt es Tomaten im Dezember, egal ob sie schmecken oder nicht. Auf Instagram posten Erwachsene im März Bilder von der Brotbüchse ihrer Kinder, randvoll mit Erdbeeren. „Wir legen Wert auf gesunde Ernährung!“, steht stolz unten drunter. Ist das gesund? Erdbeeren, die weder rot sind, noch nach Erdbeeren schmecken? Welches Verständnis haben wir heutzutage von gesunder Ernährung?

Ich bin mittlerweile an einem Punkt angekommen, an dem ich das nicht mehr nachvollziehen kann. Wie konnte es soweit kommen, dass wir so wenig Wert auf saisonales und regionales Obst und Gemüse legen? Wir sind doch nun wirklich keine Nachkriegsgeneration mehr, die sich darüber freut, endlich keine Gräupchensuppe mehr essen zu müssen. Sitzt diese Zeit noch so tief in den Gliedern unserer Vorfahren, dass wir als Nachfolgende verlernt haben, es anders zu machen? Ich denke es ist an der Zeit umzudenken. Es ist an der Zeit dem früheren Trott entgegen zu treten und einen anderen Weg einzuschlagen.

Als ich 2012 nach Chile gegangen bin, habe ich zum ersten Mal in meinem Leben Bekanntschaft mit saisonaler Küche gemacht. Ich war damals bereits Mitte zwanzig. Ich habe die ganze Zeit zuvor niemals darüber nachgedacht, dass es für jedes Obst und Gemüse eine bestimmte Erntezeit gibt. Für mich war es selbstverständlich, dass es immer Tomaten gab. Dass ich im Frühjahr Erdbeeren kaufen kann und dass alles in Plastik eingeschweißt ist. Wenn ich mir dies heute durch den Kopf gehen lasse, ist mir das sehr unangenehm und unbegreiflich noch dazu. Ich habe kopflos konsumiert, egal was. Ich war oft shoppen, habe immer gegessen worauf ich eben gerade Lust hatte und kaufte im Überfluss. Erst durch die Erfahrung, dass ich in Chile im Mai auf und nieder springen konnte, es trotzdem keinen Mais gab, hat sich für mich etwas verändert. Gleichzeitig habe ich gelernt, wie Lebensmittel schmecken können. Eins ist klar: während deutsche Tomaten auch im August nicht mit den chilenischen vergleichbar sind, weiß ich jedoch, dass ich im Dezember einfach nur mein Geld zum Fenster rauswerfe, kaufe ich Tomaten. Der Geschmack ist dermaßen weit weg von dem einer sonnengereiften Tomate, dass es einem Verbrechen gleicht, diese so zu nennen. Und doch werden 365 Tage im Jahr Tomaten angeboten und gekauft. Wieso haben wir Deutschen so wenig Interesse daran, wie die Dinge schmecken, die wir kaufen? Ist es wirklich wichtiger für uns, überhaupt konsumieren zu können, sodass wir das immer und überall ausleben müssen? Ich habe auf all diese Fragen kaum Antworten, freue mich jedoch, dass es mehr und mehr Menschen meiner Generation gibt, die etwas bewusster leben und dieses Denken an ihre Kinder weitergeben möchten.

Weiterhin habe ich nach meinem Aufenthalt im Ausland angefangen, Dinge selbst zu machen. So zum Beispiel stelle ich seit 2 Jahren unsere Zahnpasta er. Was unsere Zahnärztin dazu sagt? „Kann ich das Rezept bekommen?“, war die letzte Aussage von ihr, kurz bevor wir die Praxis dieses Jahr verließen. Für mich war diese Umstellung auf unsere Zahnpflege anfangs gewöhnungsbedürftig. Die Industrie mischt ätherische Öle für vermeintlich frischen Atem in die Zahnpasta rein, sodass ich mich erst einmal daran gewöhnen musste, nicht den gleichen Effekt zu erzielen. Und doch ist mit Hilfe von Pfefferminzöl ein ähnliches Ergebnis möglich. Als erstes haben wir eine Zahnpasta aus Kurkuma benutzt. Dabei ist mir klar geworden, dass ich eine sehr sprizige Putzerin bin und mich im Anschluss an die Zahnhygiene stets umziehen musste. Hinzu kommt, dass Kurkuma ein ziemlich aggressives Gewürz ist, welches fiese Flecken hinterlässt. Jetzt greifen wir ausschließlich auf Natron und Kokosöl zurück und sind damit sehr zufrieden. Mein Mann hat seit Jahren das erste Mal keine Karies mehr und mein Zahnfleisch bildet sich nicht weiter zurück. Und da unsere Zahnärztin ebenso überzeugt ist, bleiben wir dabei. Unklar ist für uns nur noch, was wir mit Theo machen. Noch lassen seine ersten Zähnchen auf sich warten, aber irgendwann wird er Zahnpasta benutzen müssen und da stellt sich die Frage, ob wir ihm dann welche kaufen sollten, obwohl wir doch bewusst darauf verzichten…

Den gleichen Ansatz verfolgen wir mit dem Weglassen herkömmlicher Shampoos. Wir waschen die Haare nur noch mit Natron, Apfelessig und Wasser. Insbesondere zu Beginn war es erstaunlich mit anzusehen, wie sich das Haar verändert. Die Jahre der Pflege mit industriellen Produkten haben ihre Spuren hinterlassen und während wir noch im Übergangsprozess sind, benutzen wir bei unserem Sohn nun bewusst kein Shampoo. Wozu bei ihm damit anfangen, wenn wir ihm hier von Anfang an zeigen können, dass es ohne ebenso geht?

Es gibt so viele Bereiche im täglichen Leben, in denen man eine Veränderung einfach bewirken kann. Für mich ist dabei immer wichtig, dass ich es einfach umsetzen kann. Was habe ich davon, wenn ich mich anstrengen muss, um etwas anders zu machen? Die Wahrscheinlichkeit, dass ich dabei bleibe, ist doch höher, sofern ich es einfach übernehmen kann. Manche Dinge sind wirklich einfach in den Alltag integrierbar und erzielen damit den Effekt, den ich mir wünsche: sie werden Alltag! Heute habe ich zum ersten Mal eigene Küchenschwämme genäht. Wir haben so viele alte Handtücher, die im Schrank rumliegen und niemals genutzt werden. Nun habe ich sie verarbeitet und bin gespannt, ob wir folglich die Einwegschwämme von der Einkaufsliste streichen können. Auch haben wir nun doch noch auf Stoffwindeln umgestellt und ich freue mich, über jede einzelne, die ich davon benutze. Denn somit verbrauche ich eine Wegwerfwindel weniger. Bisher greife ich noch nachts und zu den Mahlzeiten auf die industriellen Produkte zurück, da ich somit sicher sein kann, dass sie nicht auslaufen. Aber ich kann mir vorstellen, dass sich das mit der Zeit auch ändern könnte.

Jeder von uns hat ausreichend Kapazitäten in seinem Alltag, um etwas anders zu machen. Die einen mehr, die anderen weniger. Und wie ich mich so Stück für Stück vorantaste auf neuen Wegen, wünsche ich Dir, dass Du es ebenso versuchst. Gern tausche ich mich mit Dir aus und bin gespannt, welche Bereiche bei Dir bereits eine Reformation erfahren haben.

Angekommen im jetzt

Ich bin bei Instagram über den Hashtag #mamasberatenmamas gestolpert und habe mich daran beteiligt. Ich habe darüber nachgedacht was ich mir raten würde, wäre ich jetzt mit meinem ersten Kind schwanger? So fing ich nochmal an, mich in die erste Zeit reinzudenken. In die Zeit, die so unwirklich begann. So schnell, wie Theo auf die Welt kam, so schnell war er auch wieder weg. Uns kurz auf den Bauch gelegt und sogleich abtransportiert; ins andere Krankenhaus; in einen Kasten, der ihn wärmt. Und wir blieben zurück. Nach etwas so Unfassbarem lagen wir allin gelassen im Kreißsaal und schwiegen uns die meiste Zeit an. Uns fehlten einfach die Worte für das, was plötzlich über uns hereinbrach. 6 Wochen zu früh, bewaffnet mit lediglich einer Flasche Wasser betraten wir die Entbindungsstation, ohne zu wissen, dass wir kein zweites Mal wiederkommen. Uns blieb weniger als eine Stunde, bis wir allein gelassen zurück blieben. Das hätte uns Zeit gegeben, die Situation zu realisieren. Uns auszutauschen. Und doch waren wir zu nichts dergleichen im Stande. Wir waren fassungslos. Es hatte uns kalt erwischt und ein wenig benebelt.

Ich hatte mir vorgestellt, dass ich die Nabelschnur auspulsieren lassen möchte. Ich wollte die Geburt im Wasser testen. Ich dachte daran, dass hin- und herlaufen sicherlich helfen kann. Ich war offen für so viele Dinge. Ich wollte, dass mein Mann die Nabelschnur durchtrennt. Ich hatte Respekt vor der Geburt und dachte, mit meiner Hebamme und meinem Mann an der Seite werde ich es schaffen. Und wie ich nach der zweiten Presswehe in den Kreißsaal wackelte, lag ich bleischwer auf der Pritsche und dachte keinen Moment daran, mich von dort weg zu bewegen. Ganze 25 Minuten blieben mir in dem Raum, bis ich einen durchdringenden Schrei hörte. Mein Sohn war geboren und es ging ihm gut. Genau das ging mir durch den Kopf. Ich lehnte mich beruhigt zurück und bekam keine Chance, auch nur einen einzigen Blick auf dieses kleine Wunder zu werfen. Sofort nahmen sie ihn mit, besorgt um seinen Zustand. Es blieb keine Zeit für eine Vorabuntersuchung. Es blieb unklar, warum die Geburt begann. Angst durchschnitt die Stille im Raum. Sorge, dass etwas nicht stimmen könnte. Also sollte alles sehr schnell gehen. Sich treffende Blicke von Ärztin und Hebamme. Ein zustimmendes Nicken. Ein Schnitt. Ein schreiendes Kind. Ich fühlte mich im Anschluss topfit, stieg von der Pritsche und lief durch den Kreißsaal. Man merkte mir nicht an, was soeben passiert war. Auch Stunden später, als ich meinen Sohn zum ersten Mal auf der Neonatologie besuchte, war ich fit. Und so machte ich weiter – als wäre nichts passiert.

Kurz bekam ich Theo auf den Arm. Es reichte gerade so für ein Foto. Dann wurde er mitgenommen und wir zurück gelassen. Viele fremde Personen betraten den Kreißsaal und versicherten uns, dass es ihm sehr gut geht. Ich glaube, ich habe nicht einen einzigen Moment gedacht, dass es anders sein könnte. Und so schickten wir unseren Familien ein Foto mit dem Text „Wir haben einen Theo“. Mehr wussten wir nicht zu sagen. Das Foto wurde lang nicht gesendet und der Text verunsicherte lediglich. Was für ein doofer Scherz sollte das sein? Sagt man nicht normalerweise, wie schwer und groß ein Kind geboren wurde? Als das Bild im Anhang schlussendlich doch gesendet wurde, wurde aus dem vermeintlichen Scherz Ernst.

Nach 2 Wochen kam er nach Hause. Wir verbrachten die letzte Nacht des Jahres 2017 mir Freunden und nahmen am kommenden Morgen unseren Sohn in Empfang. Nervös und glücklich zugleich. Ich erinnere mich, dass die erste Nacht aufregend war. Unsere Wohnung war viel kälter als das Krankenhaus und das merkte man dem kleinen Mann an. Jedes räuspern und zucken verunsicherte uns. Wir schliefen sehr unruhig und wuchsen nur Stück für Stück in unsere neue Rolle rein. Wir unternahmen genau wie vorher Dinge. Wir waren zu Geburtstagen eingeladen und nahmen ihn mit. Wir spazierten und trafen uns mit Freunden. Bis sich in mir irgendwann das Gefühl einstellte, dass alles zu viel wird. Theo nahm nicht genug zu. Er trank nicht ausreichend. Spuckte viel. Ich hatte mit Milchstau zu kämpfen und wollte ihm irgendwann einfach kein Fläschchen mehr dazu geben, sondern voll stillen. Ohne direkte Aufklärung ließ ich die Falsche weg. Meine Hebamme führte mit mir nie ein tieferes Gespräch übers Stillen, sodass ich stets davon ausging, es wäre alles ok so. Somit fragte ich sie auch nicht weiter danach. Dabei war nichts ok. Im Krankenhaus bekam er alle 4 Stunden etwas zu essen. Ich hätte ihn öfter stillen müssen. Es ihm öfter anbieten sollen. Und doch hielt ich mich an den Rhythmus, den wir beide kannten. Jedoch bekam er von mir allein wesentlich weniger, als in Kombination mit einem Fläschchen dazu. Der Rat der Hebamme, die Stillzeit zu begrenzen, damit er weniger spuckte, machte das Drama komplett. Wenn ich heute darüber nachdenke, dass ich folglich meinem frühgeborenen Sohn alle 4 Stunden für jeweils 8 Minuten pro Seite die Brust gab, wundert mich nicht, warum er nicht zugenommen hat. Zu der Zeit wurde ich mehr und mehr verunischert. Ärzte begutachteten meinen Sohn, nahmen Begriffe wie „unterernährt“ in den Mund, berührten sanft unterstützend meinen Unterarm und sagten mir, ich hätte einen tollen Sohn, stellten mir jedoch gleichzeitig eine Überweisung fürs Krankenhaus aus. An dieser Stelle veränderte sich alles für mich. Ich zweifelte an mir und meinem Bauchgefühl. Habe ich übersehen, dass mein Kind krank ist? Tauge ich als Mutter nicht? Alles Trugschlüsse, die mir in der Ruhe im Krankenhaus bewusst wurden. Ich kannte meinen Sohn sehr wohl. Ich wusste, dass er nicht krank war und habe dann auch erkannt, dass ich mich intensiver mit dem Stillen beschäftigen, mir vielleicht sogar Hilfe holen muss. So kam ich in die Stillberatung, die mich engmaschig begleitete. Jede Woche ein fester Termin im Kalender, der mir Kraft gab und mich so viel lehrte. Dazu einmal einen Schritt zurück gehen. Intensives Kuscheln und einander kennenlernen. Sich Zeit nehmen füreinander. Entschleunigen. Auch wenn eine Geburt nicht bedeutet, dass sich plötzlich alles um das Kind drehen muss, so bedeutet sie auch nicht, dass es so weiter geht, wie zuvor. Wir beide wollten unser Leben leben wir vorher. Wollten reisen und essen gehen. Cafés besuchen und auf Festivals fahren. Und genau das machen wir auch. Mit Abstrichen. Unser Tagesrhythmus hat sich verändert. Unsere Prioritäten haben sich verschoben. Unsere Themen haben sich geändert und Reisepläne werden angepasst.

Heute, nach monatelanger Begleitung durch meine Stillberaterin, bin ich in all dem angekommen. Ich mag es nicht als Rolle bezeichnen, denn ich studiere nix dafür ein, spiele keinem etwas vor. Ich bin ich. Ich bin ruhiger, als jemals zuvor. Ich bin gelassener, als ich es von mir kenne. Ich bin pragmatisch und nehme die Tage so, wie sie kommen. Es gibt Momente, da fällt mir all das schwerer, als an anderen. Aber alles in allem bin ich erfreut, wie sicher wir beide als Eltern sind. Wir sind angekommen, als Familie. Wir erkunden die Welt, noch einmal auf eine andere Art und Weise, durch eine neue Brille und mit viel Neugierde. Mit einem strahlenden Sohn, der uns jeden Tag erfreut anlächelt und mit dem ganzen Körper zappelt, sobald wir gemeinsam zu neuen Abenteuern starten.

Man wächst an seinen Aufgaben

So langsam komme ich an den Punkt, neue Dinge für Theo besorgen zu müssen. Dafür müssen Entscheidungen getroffen werden. Das ist nicht immer einfach, vor allem, wenn man sich mit diversen Dingen bisher noch nie beschäftigt hat und der Markt so überlaufen ist von Angeboten, die Dir alle suggerieren, sie seien super gut und einfach wunderbar für Dich und Dein Kind. Ich möchte nun also gern die Gelegenheit nutzen und mit Euch meine Erfahrungen teilen. Ich freue mich dabei auch über mehr Tipps oder Erfahrungen von Euch, sofern Ihr diese mit mir teilen wollt.

„Jetzt erst besorgt Ihr neue Dinge? Er ist doch schon fast 7 Monate alt!!“, ruft die Stimme aus dem Off.

Ja, ich hätte es mir vorher nicht in dem Ausmaß vorstellen können, aber man bekommt zur Geburt wirklich unglaublich viel geschenkt, überlassen oder zur Verfügung gestellt. Da muss man sich einfach gefühlt um nix kümmern. Das kam uns als Neu-Eltern eindeutig entgegen, denn man hat so schon erstmal zu tun, sich mit der neuen Aufgabe anzufreunden bzw. in diese reinzuwachsen. Müsste man dann noch (sinnvolle) Neuanschaffungen vornehmen, kann das schnell in Überforderung oder massenhaften Anschaffungen enden, die kein Mensch am Ende wirklich braucht. Wie dem auch sei, nun ist es soweit und wir probieren uns ein Stück aus mit unseren Errungenschaften.

Eine besondere Herausforderung dabei war der Kindersitz. Besonders, weil sie sich besonders schnell wieder zerschlagen hat. Wir haben selbst kein eigenes Auto und bekamen auch unseren Maxi Cosi von einer Freundin preisgünstig überlassen. Es handelt sich um ein älteres Modell, aber so selten wie wir fahren, reicht das vollkommen aus. Wir sind uns einig, dass wir einen neuen Sitz kaufen, sofern wir regelmäßig fahren würden. Nun haben wir unwissenden Menschen eines der letzten Wochenenden gedacht, dass der Sitz viel zu klein geworden ist und wir uns nun schnell etwas einfallen lassen müssen, da wir noch zwei Ausflüge für diesen Monat gelant hatten. Ich selbst muss zu meiner Verteidigung sagen, dass es in meiner Familie nie Kindersitze gab. Ich selbst war schon zu groß, als die Dinger in Deutschland verpflichtend wurden und meine Geschwister sind älter. Demnach sind wir damit nie in Verührung gekommen. Nun lernen wir dies alles neu mit unserem Kind, ist ja auch nicht schlecht. Und ich denke es hat sich in den letzten 25 Jahren einiges getan auf dem Markt. Wie ich nun also in der Beratung im Leipzig im Laden stand, sah mich die Verkäuferin ganz ungläubig an. Sie blickte verdattert auf den schmächtigen Theo, wieder zurück zu mir und nochmal blinzelnd auf Theo und sagte schließlich, sie könne sich nicht vorstellen, dass unser schlankes Kind nicht mehr in die Babyschale passt. Und doch gab sie mir eine umfasende Beratung bezogen auf eine mögliche Alternative. Unsicher und doch mit einer guten Alernative im Schlepptau ging ich Heim und rief meine Freundin an, die uns das gute Stück vermacht hat. Sie bestätigte, dass ihr Fratz 1 Jahr diese Schale nutzte und man Kinder bis 13kg damit transportieren kann. Wir waren also bloß zu dämlich ihn ordentlich zu positionieren. Egal, dass die Füße drüber hängen. Raus mit der Sitzverkleinerung (denn so klein ist Theo nun auch nicht mehr). Er muss den untersten Teil der Stütze nicht unter dem Pops haben. Alles Infos, die uns so nicht klar waren. Man lernt nie aus, der Geldbeutel bleibt noch verschont und das Thema ist kurz nochmal ad acta gelegt worden.

Eine andere Baustelle war das Finden und Nutzen einer für uns passenden Trage. Auch hier wurden wir vorab beschenkt mit nicht mehr genutzten Exemplaren. Wir hatten also bereits eine Sling der Marke Manduca zu Hause sowie eine ErgoBaby, welche ich einer Freundin günstig abgekauft hatte. Eine Sling ist ein elastisches Tuch, welches sich gut an die Körperform anpasst, den Rücken schön rundet und das Würmchen ordentlich einpackt. Viele Wochen hat uns dieses Tuch begleitet und nach dem Lernen der Wickeltechnik ging es auch stets besser mit dem Anlegen. Auf Anraten meiner Hebamme nahm ich ganz am Anfang eine Beratung in Anspruch. Sie meinte, dass jedes Baby andere Bedürfnisse habe, ebenso wie jede Mutter. Und um die perfekte Kombination für beide zu finden, empfiehlt sie gern Trageberatungen, um im Rahmen dessen diverse Möglichkeiten Des Tragens ausprobieren und die für sich beste Option finden zu können.DSC_0005 Und da ich keine Ahnung hatte, worauf ich achten muss beim Tragen, bin ich diesem Rat gefolgt und habe eine Frau zu mir nach Hause kommen lassen. Für mich war insbesondere wichtig zu berücksihtigen, dass Theo zu früh zur Welt kam und demnach noch zarter war, als Babies zu Beginn eh schon sind. Ich hatte leider auch dei Fehlinformation meiner Hebamme bekommen, ich solle noch etwas warten mit dem Tragen, da er zu früh und zu klein sei. Die Trageberaterin klärte mich dann auf, dass gerade Frühchen beim Tragen direkt von Anfang an die verpasste „Bauch-Zeit“ durch ganz viel Körperkontakt nachholen können. Im Nachhinein schade, dass auch diese Information so falsch an uns vermittelt wurde, denn wir hätten so viel Tragen und Kuscheln können. Aber nun gut, wir haben es nachgeholt.

Die Trageberaterin hat mir unter anderem gezeigt, wie ich die Sling am besten binden kann. Das hat mir sehr geholfen und für den zarten Theo und mich war dies anfangs die beste Variante. Aufgrund des elastischen Stoffs konnte er gut rein rutschen und saß ebenso fest auf meinem Bauch eingekuschelt. Solange Theo noch ruhig an mir dran  blieb, war die Sling super praktisch für uns. Mit der Zeit zappelte er immer mehr und wehrte sich gegen das Einwickeln, sodass ihn richtig zu positionieren mehr und mehr eine Herausforderung für uns beide wurde. Ebenso für Sergio, denn auch er empfand das Tragen am Bauch als sehr angenehm und kämpfte gegen den zappelnden Theo. Haben wir es dann einmal geschafft, ihn ordentlich zu binden, so wurde im Laufe der Zeit die Konstruktion durch seine Bewegungen zerstört. Ich habe gelernt, dass gerade die gehockte Position im Tuch für die Hüfte der Babies wichtig ist. Mit zunehmenden img_20180423_134042_3681418824281.jpgBewegungen rutschte jedoch ein Bein stets raus und hing lang nach unten getreckt im Tuch, während das andere nach wie vor angewinkelt war. Somit konnte ich diese Variante nicht mehr nutzen, die ErgoBaby aber aufgrund der Breite auch noch nicht. Anstatt diese unten etwas enger zu schnüren entschied ich mich nach einem Anfall von Kaufwahn dazu, einfach eine andere Trage zu besorgen. Ich entschied mich für die Marke JonoBaby aus Potsdam und mir gefiel das einfache Anlegen und Positionieren des Krabbelkäfers in der Babysize-Größe. Aller Kampf war im Nu vorbei und Theo saß dauerhaft so, wie er sitzen sollte.

Etwas, worauf ich mich schon in der Schwangerschaft gefreut habe, war die Nutzung eines Fahrradanhängers. Wir beide fahren viel und gern Fahrrad und möchten auch troz dessen, dass Theo noch nicht selbst fahren kann, nicht damit aufhören und vollends auf öffentliche Verkehrsmittel  umsteigen. Zu Beginn und im Winter war das eine super Alternative. Nun mit immer besser werdendem Wetter macht jedoch Radfahren ganz besonders viel Spaß. Noch in Potsdam kauften wir uns Fahrradhelme, denn wir beide sind der Meinung, dass wir es schwierig finden, unseren Sohn dazu zu bringen, einen zu nutzen und selbst ohne zu fahren. Es ist eindeutig eine Umstellung, aber es erfüllt seinen Zweck. Wir haben uns also auf unseren Umzug und den herannahendenimg_20180710_155744_898729897662.jpg Sommer gefreut und uns den zu den Helmen passenden Fahrradahänger dazu gekauft. Man kann ja wirklich arm werden bei so einem Neukauf. Deswegen dachten wir, wir suchen einen gebrauchten Anhänger. Da diese aber auch in gutem Zustand schonmal 350 Euro kosten können, haben wir die preiswertere Marke qeridoo gewählt und für den neuen Anhänger Sportrex 1 schlussendlich beinah genauso viel bezahlt. Als das gute Stück endlich da war, hieß es, so img_20180710_161403_7112118188766.jpgschnell wie möglich einen Ausflug zu machen. Beim ersten Mal hat es Theo auch noch gut gefallen, doch am letzten Wochenende hat er so furchtbar geweint, dass ich ständig anhalten musste und schlussendlich doppelt so lang brauchte wie geplant. Einen Tag später musst ich sogar mein Rad im Zentrum stehen lassen und mit ihm mit der Bahn zurück gefahren. Es war unmöglich ihn nochmal in den Wagen zu setzen. Sergio und ich waren richtig verzweifelt und sahen unseren Traum, mit dem Rad so mobil zu sein wie vorher, dahin schwinden. Wir wollten jedoch nicht aufgeben und überlegten weiter, warum er so ein Theater gemacht haben könnte. Was am Ende funktionierte war, dass wir das Verdeck nicht schlossen, sondern gegen die Sonne ein Tuch davor hingen. Ich erinnere mich, dass man mir mal sagte, man solle das Verdeck stets geschlossen halten, weil kleine Steinchen in den Wagen fliegen könnten. Jedoch wird es in dem Ding so heiß, dass ich an Theos Stelle vermutlich auch aus voller Kehle geschrien hätte. Mit dem bunten Tuch als Sonnenschutz schufen wir gleichzeit Ablenkung, denn es wackelte durch den Fahrtwind hin un her. Dieses Schauspiel direkt vor seinem Gesicht war sicherlich schön anzusehen. Dazu noch sein liebstes Kuscheltier Klaus in der Hand und die Welt schien wieder in Ordnung. Klaus sollte ihm in den schweren Zeiten des allein-im-Wagen-Sitzens beistehen und ihn trösten. Es hat gut funktioniert und so konnten wir am Sonntag schließlich unseren ersten, lang ersehnten Ausflug als Familie an den See machen. Der Sommer macht es einem auch wirklich leicht viel dort zu sein.

img_20180717_213908486340160.jpg