Angekommen im jetzt

Ich bin bei Instagram über den Hashtag #mamasberatenmamas gestolpert und habe mich daran beteiligt. Ich habe darüber nachgedacht was ich mir raten würde, wäre ich jetzt mit meinem ersten Kind schwanger? So fing ich nochmal an, mich in die erste Zeit reinzudenken. In die Zeit, die so unwirklich begann. So schnell, wie Theo auf die Welt kam, so schnell war er auch wieder weg. Uns kurz auf den Bauch gelegt und sogleich abtransportiert; ins andere Krankenhaus; in einen Kasten, der ihn wärmt. Und wir blieben zurück. Nach etwas so Unfassbarem lagen wir allin gelassen im Kreißsaal und schwiegen uns die meiste Zeit an. Uns fehlten einfach die Worte für das, was plötzlich über uns hereinbrach. 6 Wochen zu früh, bewaffnet mit lediglich einer Flasche Wasser betraten wir die Entbindungsstation, ohne zu wissen, dass wir kein zweites Mal wiederkommen. Uns blieb weniger als eine Stunde, bis wir allein gelassen zurück blieben. Das hätte uns Zeit gegeben, die Situation zu realisieren. Uns auszutauschen. Und doch waren wir zu nichts dergleichen im Stande. Wir waren fassungslos. Es hatte uns kalt erwischt und ein wenig benebelt.

Ich hatte mir vorgestellt, dass ich die Nabelschnur auspulsieren lassen möchte. Ich wollte die Geburt im Wasser testen. Ich dachte daran, dass hin- und herlaufen sicherlich helfen kann. Ich war offen für so viele Dinge. Ich wollte, dass mein Mann die Nabelschnur durchtrennt. Ich hatte Respekt vor der Geburt und dachte, mit meiner Hebamme und meinem Mann an der Seite werde ich es schaffen. Und wie ich nach der zweiten Presswehe in den Kreißsaal wackelte, lag ich bleischwer auf der Pritsche und dachte keinen Moment daran, mich von dort weg zu bewegen. Ganze 25 Minuten blieben mir in dem Raum, bis ich einen durchdringenden Schrei hörte. Mein Sohn war geboren und es ging ihm gut. Genau das ging mir durch den Kopf. Ich lehnte mich beruhigt zurück und bekam keine Chance, auch nur einen einzigen Blick auf dieses kleine Wunder zu werfen. Sofort nahmen sie ihn mit, besorgt um seinen Zustand. Es blieb keine Zeit für eine Vorabuntersuchung. Es blieb unklar, warum die Geburt begann. Angst durchschnitt die Stille im Raum. Sorge, dass etwas nicht stimmen könnte. Also sollte alles sehr schnell gehen. Sich treffende Blicke von Ärztin und Hebamme. Ein zustimmendes Nicken. Ein Schnitt. Ein schreiendes Kind. Ich fühlte mich im Anschluss topfit, stieg von der Pritsche und lief durch den Kreißsaal. Man merkte mir nicht an, was soeben passiert war. Auch Stunden später, als ich meinen Sohn zum ersten Mal auf der Neonatologie besuchte, war ich fit. Und so machte ich weiter – als wäre nichts passiert.

Kurz bekam ich Theo auf den Arm. Es reichte gerade so für ein Foto. Dann wurde er mitgenommen und wir zurück gelassen. Viele fremde Personen betraten den Kreißsaal und versicherten uns, dass es ihm sehr gut geht. Ich glaube, ich habe nicht einen einzigen Moment gedacht, dass es anders sein könnte. Und so schickten wir unseren Familien ein Foto mit dem Text „Wir haben einen Theo“. Mehr wussten wir nicht zu sagen. Das Foto wurde lang nicht gesendet und der Text verunsicherte lediglich. Was für ein doofer Scherz sollte das sein? Sagt man nicht normalerweise, wie schwer und groß ein Kind geboren wurde? Als das Bild im Anhang schlussendlich doch gesendet wurde, wurde aus dem vermeintlichen Scherz Ernst.

Nach 2 Wochen kam er nach Hause. Wir verbrachten die letzte Nacht des Jahres 2017 mir Freunden und nahmen am kommenden Morgen unseren Sohn in Empfang. Nervös und glücklich zugleich. Ich erinnere mich, dass die erste Nacht aufregend war. Unsere Wohnung war viel kälter als das Krankenhaus und das merkte man dem kleinen Mann an. Jedes räuspern und zucken verunsicherte uns. Wir schliefen sehr unruhig und wuchsen nur Stück für Stück in unsere neue Rolle rein. Wir unternahmen genau wie vorher Dinge. Wir waren zu Geburtstagen eingeladen und nahmen ihn mit. Wir spazierten und trafen uns mit Freunden. Bis sich in mir irgendwann das Gefühl einstellte, dass alles zu viel wird. Theo nahm nicht genug zu. Er trank nicht ausreichend. Spuckte viel. Ich hatte mit Milchstau zu kämpfen und wollte ihm irgendwann einfach kein Fläschchen mehr dazu geben, sondern voll stillen. Ohne direkte Aufklärung ließ ich die Falsche weg. Meine Hebamme führte mit mir nie ein tieferes Gespräch übers Stillen, sodass ich stets davon ausging, es wäre alles ok so. Somit fragte ich sie auch nicht weiter danach. Dabei war nichts ok. Im Krankenhaus bekam er alle 4 Stunden etwas zu essen. Ich hätte ihn öfter stillen müssen. Es ihm öfter anbieten sollen. Und doch hielt ich mich an den Rhythmus, den wir beide kannten. Jedoch bekam er von mir allein wesentlich weniger, als in Kombination mit einem Fläschchen dazu. Der Rat der Hebamme, die Stillzeit zu begrenzen, damit er weniger spuckte, machte das Drama komplett. Wenn ich heute darüber nachdenke, dass ich folglich meinem frühgeborenen Sohn alle 4 Stunden für jeweils 8 Minuten pro Seite die Brust gab, wundert mich nicht, warum er nicht zugenommen hat. Zu der Zeit wurde ich mehr und mehr verunischert. Ärzte begutachteten meinen Sohn, nahmen Begriffe wie „unterernährt“ in den Mund, berührten sanft unterstützend meinen Unterarm und sagten mir, ich hätte einen tollen Sohn, stellten mir jedoch gleichzeitig eine Überweisung fürs Krankenhaus aus. An dieser Stelle veränderte sich alles für mich. Ich zweifelte an mir und meinem Bauchgefühl. Habe ich übersehen, dass mein Kind krank ist? Tauge ich als Mutter nicht? Alles Trugschlüsse, die mir in der Ruhe im Krankenhaus bewusst wurden. Ich kannte meinen Sohn sehr wohl. Ich wusste, dass er nicht krank war und habe dann auch erkannt, dass ich mich intensiver mit dem Stillen beschäftigen, mir vielleicht sogar Hilfe holen muss. So kam ich in die Stillberatung, die mich engmaschig begleitete. Jede Woche ein fester Termin im Kalender, der mir Kraft gab und mich so viel lehrte. Dazu einmal einen Schritt zurück gehen. Intensives Kuscheln und einander kennenlernen. Sich Zeit nehmen füreinander. Entschleunigen. Auch wenn eine Geburt nicht bedeutet, dass sich plötzlich alles um das Kind drehen muss, so bedeutet sie auch nicht, dass es so weiter geht, wie zuvor. Wir beide wollten unser Leben leben wir vorher. Wollten reisen und essen gehen. Cafés besuchen und auf Festivals fahren. Und genau das machen wir auch. Mit Abstrichen. Unser Tagesrhythmus hat sich verändert. Unsere Prioritäten haben sich verschoben. Unsere Themen haben sich geändert und Reisepläne werden angepasst.

Heute, nach monatelanger Begleitung durch meine Stillberaterin, bin ich in all dem angekommen. Ich mag es nicht als Rolle bezeichnen, denn ich studiere nix dafür ein, spiele keinem etwas vor. Ich bin ich. Ich bin ruhiger, als jemals zuvor. Ich bin gelassener, als ich es von mir kenne. Ich bin pragmatisch und nehme die Tage so, wie sie kommen. Es gibt Momente, da fällt mir all das schwerer, als an anderen. Aber alles in allem bin ich erfreut, wie sicher wir beide als Eltern sind. Wir sind angekommen, als Familie. Wir erkunden die Welt, noch einmal auf eine andere Art und Weise, durch eine neue Brille und mit viel Neugierde. Mit einem strahlenden Sohn, der uns jeden Tag erfreut anlächelt und mit dem ganzen Körper zappelt, sobald wir gemeinsam zu neuen Abenteuern starten.

Ene mene Brei.. !

Ich finde, es ist super schwer sich vorzustellen, wie sich ein Baby fühlt, wenn es zum ersten Mal etwas anderes zu sich nimmt, als Muttermilch. Oder als #Pre-Milch aus der Flasche, die ja sicherlich auch einen anderen Geschmack hat. In unserem Fall ist Theo ja von Anfang an damit aufgewachsen, dass es neben der Muttermilch auch noch Flaschenmilch gibt. Wie stark der Unterschied zwischen den beiden Varianten ist, kann ich gar nicht sagen. Ich habe weder das eine, noch das andere probiert. Ich erinnere mich aber daran, dass ich genau das vor hatte: Ich wollte probieren wie #Muttermilch schmeckt. Ich wollte wissen, was ich meinem Kind gebe und ob man einen großen Unterschied zu Milch aus dem Supermarkt feststellen kann. Wenn ich jetzt darüber nachdenke, finde ich die Vorstellung, meine Muttermilch zu probieren – es geht ja schließlich nicht darum, dass ich ein ganzes Glas trinke – etwas abstoßend.

Bis heute begleitet uns das Thema „Essen“ sehr extrem. Angefangen als Neugeborenes mit Sonde und Flaschenmilch, danach der Versuch ihn voll zu stillen und festzustellen, dass er abnimmt bis hin zu dem Status, dass er gestillt und über die Brust geichzeitig zugefüttert wird. Wie dieses #Brusternährungsstes funktioniert, erkläre ich Euch gern in einem anderen Beitrag.  Heute geht es mir darum über die ersten Schritte der #Beikost zu schreiben. Meine #Stillberaterin hat mir gesagt, dass die Einführung von Beikost der einzige Bereich im Leben eines #Frühchens ist, bei dem man keinen Unterschied zwischen korrigiertem und realen Alter macht. Normalerweise ist es, dass man im Leben mit einem Frügeborenen stets zwei Zeiträume im Blick hat: den des errechnetem Geburttermins und den Zeitpunkt der eigentlichen Geburt, der Geburtstag also. Da Theo 6 Wochen zu früh kam rechne ich also stets 6 Wochen zurück, um ungefähr zu wissen, welchen Entwicklungssprung er im Moment durchlebt. In Sachen Beikostreife rechnet man nicht zurück. Es heißt, dass ein Kind mit 16 Wochen Beikost bekommen kann. Die #Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt allerdings 6 Monate zu stillen. Diese 24 Wochen gelten also als Stichtag für den Beginn des Einführens von Brei. Da Theo wieder einmal gegen die überproportionale Gewichtszunahme zappelt – er ist so mit seinen Beinen am wurschteln, dass ich fest der Überzeugung bin, er wird später der nächste Michael Flatley bei #Riverdance -, sodass wir 2 Wochen eher entschlossen haben den Versuch zu wagen. Theo ist kein Kind mit Schwimmringen, hat keine Fettreserven und hat sich trotzdem super entwickelt. Und obwohl bei manchen Kindern die Notbremse gezogen wird, weil sie zu rund sind, wurde uns stets das Gegenteil beteuert.

Eine fremde Frau in der Tram: „Ach wie süß. Der ist aber noch klein! Wie alt ist er denn?“

Ich: „5 Monate!“

Die gleiche Frau in der Tram: „5 Monate? So sieht er aber nicht aus!“

Nein, so sieht er nicht aus. Ich habe etwas länger gebraucht, bis ich problemlos sagen konnte, dass er als Frühchen zur Welt kam und deswegen so klein ist. Oftmals hab ich mich gefühlt, als müsste ich mich rechtfertigen. Tipps von Fremden in der Tram, ich solle ihm doch trotz 30 Grad Socken anziehen mit dem Hinweis auf seine dünne Figur. „Wenn die Kinder so schmächtig sind, muss man Opfer bringen!“ Ich frage mich hierbei, wer das Opfer bringen soll. Er oder ich? Schließlich schwitze nicht ich, wenn er Socken an hat. Manchmal war ich nicht so vorbereitet und dickhäutig gegen Kritik, Sprüche von Fremden oder Ansichten anderer. An manchen Tagen ist so ein mütterlicher Schutzpanzer dünner als an anderen. Mir wurde geraten, ich solle einfach das runtergerechnete Alter sagen. Also stets 6 Wochen abziehen, wenn ich die Frage nach dem Alter beantworten will. Doch kam mir dies auch komisch vor. Mein Mann ist was das angeht pragmatischer. Mittlerweile ist mir das alles auch egal und ich denke das hat damit zu tun, dass ich nun sicherer bin mit den Dingen, die ich für mein Kind entscheide. Anfangs war ich stark verunischert und mir fehlte Hintergrundwissen, sodass mich diverse Aussagen stark beschäftigten.

Nichtsdestotrotz ist es einfach so: Theo ist dünner und kleiner als andere Babies in seinem Alter und ich finde ihn besonders niedlich. Da er aber gewichtstechnisch gern etwas aufholen kann, entschlossen wir uns in Kooperation mit der Stillberaterin, ihn bereits mit Beikost zu überraschen. Dabei setzt man sich aber nciht einfach hin und sagt „Ach ja, heute gebe ich meinem Kind mal Brei!“ Nein. Es gibt ein paar grundlegende Kriterien, die zeigen, ob und wann mein Kind reif dafür ist. So zum Beispiel sollten die Kids weitestgehend in der Lage sein, mit Unterstützung sitzen zu können. Gerade diese #Körperspannung begünstigt, dass der Brei den Weg nach unten findet und dem Kind am Ende nicht noch unnötig Ärger bereitet. Darüber hinaus wird empfohlen mit einem Gemüsebrei zum Mittag zu starten, gern ein Pastinakenbrei. Da dieser nun aber nicht unbedingt bekannt ist für seine hohe Anzahl an Kalorien, bekamen wir einen extra #Ernährungsplan. Theo sollte Kalorien zugeführt bekommen. Es wurde Zeit, dass seine Gewichtskurve einen Sprung nach oben macht.  Somit standen folgende Lebensmittel auf dem Speiseplan: Avocado zermatscht mit Olivenöl. Hirsebrei angerührt mit fetter Pre-Milch und verfeinert mit einem Löffelchen Mandelmus. Klingt nach Gourmet? Ist es auch.

Als wir das erste Mal die Avocado verfüttern wollten, kam mein Mann mittags extra nach Hause. Er wollte es nicht verpassen, wenn Theo das erste Mal etwas mit dem Löffel isst. Zu neugierig waren wir beide, wie unser Sohn darauf wohl reagieren wird. Vorab hatten wir den kleinen Esser bereits mit der Benutzung von Löffeln vertraut gemacht. Beim Frühstück beobachtet er stets, wie wir unser #Müsli verspeisten. Parallel bekam er seinen grünen Löffel in die Hand und durfte üben. Am Tag der eersten Avocado warimg_20180525_120624_081795899662.jpg dieser farblich passende grüne Löffel das erste Mal gefüllt. Etwas skeptisch beäugte er die Masse. Der Kopf wackelte stets hin und her und blieb nciht still an einem Punkt. Noch war ihm nicht klar, was auf ihn zukommen würde, sondern er genoss das Betrachten der Küche aus einer Sitzposition heraus. Als ich den Löffel langsam näher an seinen Mund führte, öffnet er diesen langsam und ich konnte den Brei an seiner Oberlippe enlanggleiten und im Mund verschwinden lassen. Ich mag mir gar nicht ausdenken, welche Gedanken ihm dabei durch den Kopf gingen. Ich stelle mir eine #Geschmacksexplosion vor. Vermutlich war es einfach nur komisch und neu und er wusste nicht so recht, was ihm geschieht. Oder was er davon halten sollte. Das einzige, was ganz deutlich erkennbar war: Er verzog nicht angeekelt das Gesicht, drehte den Kopf nicht weg oder fing an zu weinen. Er ließ sich nach diesem ersten Versuch noch weitere grüne Löffel mit grüner Masse in den Mund stecken und lutschte genüsslich daran rum.

fotor_152758956151747641794788.jpgAn den nächsten Tagen lief das Füttern immer besser. Bereits am zweiten Tag mit Avocadobrei nahm er den Löffel in die Hand und schob ihn selbst hastig in sich rein. Am vierten Tag testeten wir einen weiteren Geschmack: Hirsebrei mit Mandelmus. Die Avocado hat er gut vertragen, aber so ein Schüsselchen wie auf dem Bild oben hat er nicht aufgegessen. Irgendwann wurde er quengelig und wllte gestillt werden. Er hatte noch nicht verstanden, dass diese Masse im Bauch ebenso satt macht wie Muttermilch. Sogar noch länger. Am vierten Tag entschieden wir, ihm Hirsebrei und #Mandelmus zu geben. Es stellte sich schnell raus, dass das eindeutig mehr nach seinem #Geschmack war. Es dauere nicht lang und die 50g #Hirsebrei waren restlos aus dem Schüsselchen gekratzt und in seinem Bauch verschwunden. Es fiel ihm eindeutig leichter diese cremige Mase zu zerlutschen und runterzuschlucken, als die etwas stückig gebliebene Avocadopampe. Gemäß des Grundsatzes Essen mit allen Sinnen durften auch die Hände im Mund nicht fehlen. Nachdem ich seinen grünen Löffel mit cremefarbenr Masse in seineimg_20180529_123442414427535.jpgm Mund verschwinden ließ, tauchten die matschigen Finger hinterher und fühlten genau nach, wohin die Speise verschwand. Er hat bereits nach so wenigen Tagen Gefallen am Essen gefunden. Sobald ich ihn auf meinen Schoß setze und zum Füttern ansetze, quietscht er einmal vergnügt und wartet genüsslich auf seine Mahlzeit. Kein Kopfwackeln mehr. Kein Zappeln. Einfach bloß den Mund aufreißen und schmecken. Mit allen Sinnen.